Ba­de­ner in­ves­tiert mehr als der Schwa­be

Schon elf Lot­to-Glücks­pil­ze im ers­ten Halb­jahr

Pforzheimer Kurier - - SÜDWESTECHO - Von un­se­rer Mit­ar­bei­te­rin Ma­ri­an­ne Pasch­ke­witz-Kloß

Karls­ru­he. Ist Ba­den-Würt­tem­berg das Land der Lot­to-Glücks­pil­ze? Be­reits im ers­ten Halb­jahr 2017 ent­fie­len elf Mil­lio­nen­ge­win­ne auf die Süd­west­re­gi­on, wie die Ge­schäfts­füh­re­rin der Staat­li­chen To­to-Lot­to GmbH Ba­den-Würt­tem­berg, Ma­ri­on Cas­pers-Merk im BNN-Ge­spräch be­rich­te­te. Im sel­ben Zei­t­raum ha­be die Stutt­gar­ter Lot­to­Zen­tra­le 474 Mil­lio­nen Eu­ro an Spiel­ein­sät­zen ein­ge­nom­men. Rund sie­ben Mil­lio­nen mehr als im Ver­gleichs­zeit­raum 2016.

Die Be­liebt­heit des Zah­len­glücks­spiels für je­der­mann ist un­ge­bro­chen. Bis zu 2,5 Mil­lio­nen Stamm­spie­ler neh­men im Länd­le pro Wo­che teil. 89 Eu­ro in­ves­tie­re der Ein­zel­ne durch­schnitt­lich pro Jahr. Der Ba­de­ner et­was mehr, wie die Che­fin des Lot­te­rie­be­triebs – ei­ne ge­bür­ti­ge Mann­hei­me­rin – ver­rät. Da­durch sei Ba­den bei der sta­tis­ti­schen Ver­tei­lung der Ge­win­ne im­mer leicht über­re­prä­sen­tiert.

Im Ge­gen­satz zum Au­to­ma­ten­spiel und zu Sport­wet­ten sei Lot­to ein Tra­di­ti­ons­spiel und die meis­ten wüss­ten ih­re Ge­winn­chan­ce rea­lis­tisch ein­zu­schät­zen. „Wenn du nicht ge­winnst“, fügt sie hin­zu, „ge­winnt die Ge­sell­schaft.“Sport, Kul­tur, So­zia­les, Denk­mal­schutz pro­fi­tier­ten „in er­heb­li­cher Wei­se von den Lot­to­mit­teln. Und dann der Satz: „Wir ver­kau­fen nicht die Mil­li­on, son­dern den Traum von der Mil­li­on.“

Als ehe­ma­li­ge Bun­des­ge­sund­heits­po­li­ti­ke­rin legt Ma­ri­on Cas­pers-Merk be­son­de­res Au­gen­merk auf das „Wie“des Spiels. Letzt­end­lich sol­le das Glücks­spiel ri­si­ko­arm blei­ben und die Freu­de am Spiel „nicht durch das The­ma Ab­hän­gig­keit zu­ge­deckt wer­den“. Den­noch wer­den in der Lot­to­zen­tra­le des Lan­des Spiel­auf­fäl­lig­kei­ten, vor al­lem bei den so ge­nann­ten „schnel­len Spie­len“, über Kun­den­kar­ten und Mo­ni­to­ring re­gis­triert. Be­son­ders sorg­fäl­tig wer­de beim staat­li­chen Sport­wet­ten­An­ge­bot Odd­set auf die Ein­satz­ent­wick­lung ge­schaut und der Kun­de ge­ge­be­nen­falls mit ei­nem sen­si­bel ge­hal­te­nen Schrei­ben an­ge­spro­chen.

Beim Stich­wort „Sport­wet­ten­markt“fällt es der gut ge­laun­ten Staats­be­triebs­ma­na­ge­rin schwer, ent­spannt zu blei­ben. Hat­ten sich sämt­li­che Mi­nis­ter­prä­si­den­ten der Bun­des­län­der auf ei­nen Glücks­spie­län­de­rungs­staats­ver­trag, der „Ord­nung“in den tur­bu­len­ten Markt brin­gen soll­te, ge­ei­nigt, so lie­ge die­ser im­mer noch auf Eis, weil ihn Schles­wig-Hol­stein seit dem jüngs­ten Wahl­aus­gang nicht ra­ti­fi­zie­ren wol­le. Die Kon­se­quenz: Wäh­rend sich be­vor­zugt im In­ter­net pri­va­te Sport­wet­ten-An­bie­ter tum­meln, bleibt die­se lu­kra­ti­ve Qu­el­le dem staat­li­chen An­bie­ter bis­lang ver­wehrt. Odd­set ha­be da­durch stark an Um­satz ver­lo­ren. Die in Deutsch­land ver­tre­te­nen pri­vat­wirt­schaft­li­chen Sport­wet­ten­an­bie­ter hin­ge­gen führ­ten le­dig­lich fünf Pro­zent ab. Im­mer­hin er­ziel­ten die­se ei­nen ver­gleich­bar ho­hen Jah­res­um­satz wie der deut­sche To­to-Lot­to-Block – sechs bis sie­ben Mil­li­ar­den Eu­ro. Cas­pers-Merk: „Bei uns ge­hen drei Mil­li­ar­den ins Ge­mein­wohl

„Wenn du nicht ge­winnst, ge­winnt die Ge­sell­schaft“

und dort nur 0,3.“Zwar spon­ser­ten auch die kon­kur­rie­ren­den Wett­an­bie­ter den Sport, „aber nicht in die Brei­te“. Mit 60 Mil­lio­nen Eu­ro für Sport­för­de­rung fi­nan­zie­re ihr Haus – über den Wett­mit­tel­fonds des Lan­des – die Brei­te und die Spit­ze des Sports. Nur am Ran­de sei er­wähnt, dass der Karls­ru­her SC nach über 20-jäh­ri­ger Wer­be­part­ner­schaft nicht mehr da­bei ist. Am Ab­stieg lie­ge es nicht, man sei „nicht han­dels­ei­nig“ge­wor­den, so Cas­pers-Merk.

Trotz des „schwie­ri­gen Um­felds“ha­be sie in den ver­gan­ge­nen vier Jah­ren über

Lot­to­zen­tra­le re­gis­triert Spiel­auf­fäl­lig­kei­ten

100 Mil­lio­nen Eu­ro mehr Um­satz in Ba­den-Würt­tem­berg ge­ne­riert, zieht die Ge­schäfts­füh­re­rin zu­frie­den Bi­lanz. Noch nicht ins Ge­wicht fällt da­bei die erst vor we­ni­gen Mo­na­ten ein­ge­führ­te Geo­lot­te­rie „Lo­geo“. Ins­ge­samt la­gen 2016 die Spiel­ein­sät­ze bei rund 970 Mil­lio­nen Eu­ro. Nach of­fi­zi­el­len An­ga­ben wird die Hälf­te des Um­sat­zes an die Ge­win­ner aus­ge­schüt­tet, zehn Pro­zent flie­ßen in Be­trieb und Pro­vi­sio­nen für die An­nah­me­stel­len, 16,6 Pro­zent ent­fal­len auf Lot­te­rie­steu­er und 23,3 Pro­zent ge­lan­gen über den Wett­mit­tel­fonds an die För­der­geld­emp­fän­ger.

Zu den Be­güns­tig­ten zähl­ten in jüngs­ter Zeit auch häu­fig die Stadt Karls­ru­he und Kul­tur­ein­rich­tun­gen. An­ge­fan­gen beim Stadt­ju­bi­lä­um, über die Hei­mat­ta­ge bis hin zum Klein­kunst­preis und dem ers­ten Lot­to-Part­ner­tag für die Be­trei­ber der An­nah­me­stel­len in der Karls­ru­her Mes­se.

Ei­ne Ab­sa­ge in­des er­teilt die be­trieb­sa­me Geld­ge­be­rin be­reits jetzt an das ge­plan­te Lü­pertz-U-Strab-Kunst­pro­jekt in Karls­ru­he, für das hän­de­rin­gend Spon­so­ren ge­sucht wer­den: „Ich wüss­te nicht aus wel­chem Topf.“

GE­BÜR­TI­GE BADNERIN: Ma­ri­on Cas­pers-Merk, ehe­ma­li­ge Dro­gen­be­auf­trag­te des Bun­des, ist Che­fin der ba­den-würt­tem­ber­gi­schen Lot­to­zen­tra­le. Fo­to: Ho­ra

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