Die Hel­fer der Flug­lot­sen

Karls­ru­her Fir­ma Com­soft So­lu­ti­ons ent­wi­ckelt IT-Lö­sun­gen für die Steue­rung des welt­wei­ten Flug­ver­kehrs

Pforzheimer Kurier - - WIRTSCHAFT - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Ma­rio Belt­schak Chris­toph Aschau­er

Karls­ru­he. Für Flug­rei­sen­de ist der Vor­gang recht un­spek­ta­ku­lär und na­he­zu Rou­ti­ne: An­ge­schnallt sein, Sit­ze senk­recht stel­len und Elek­tro­ge­rä­te aus­schal­ten – mehr ist nicht zu be­ach­ten. Nach we­ni­gen Mi­nu­ten ist al­les vor­bei und das Flug­zeug im Re­gel­fall si­cher ge­star­tet oder ge­lan­det. Für Flug­lot­sen sind die­se we­ni­gen Mi­nu­ten je­doch die schwie­rigs­te Ar­beits­si­tua­ti­on. „Start und Lan­dung, das sind die kri­ti­schen Pha­sen“, sagt Chris­toph Aschau­er (Fo­to: pr). Er ist Di­rek­tor für Mar­ke­ting und Ver­trieb bei der Com­soft So­lu­ti­ons GmbH. Die Karls­ru­her Fir­ma ent­wi­ckelt IT-Lö­sun­gen für die Steue­rung des Flug­ver­kehrs – sie sorgt so­mit letzt­lich da­für, dass täg­lich Hun­dert­tau­sen­de Flug­rei­sen­de welt­weit si­cher von A nach B kom­men und Flug­lot­sen ih­re Ar­beit so pro­blem­los wie mög­lich er­le­di­gen kön­nen. Es ist kein ein­fa­cher Job, wie Aschau­er im Ge­spräch mit den BNN ver­deut­licht: „Denn un­se­re Sys­te­me müs­sen im­mer funk­tio­nie­ren.“

Wird ein Feh­ler in der IT-Lö­sung von Com­soft So­lu­ti­ons nicht ge­mel­det, „kann das gleich Men­schen­le­ben kos­ten“, sagt Aschau­er. Die Karls­ru­her be­we­gen sich mit ih­rer Soft­ware eben in ei­nem „sehr si­cher­heits­kri­ti­schen Um­feld“. Und sie tum­meln sich in ei­nem Be­reich, der stark wächst. Der Flug­ver­kehr steigt welt­weit Jahr für Jahr. „Der Luf­t­raum kann aber zugleich nicht ver­grö­ßert wer­den“, macht Aschau­er deut­lich. In Frankfurt lan­den bei­spiels­wei­se – je nach Ta­ges­zeit – Flug­zeu­ge un­ter dem Mi­nu­ten­takt. Die Flug­lot­sen müs­sen die Ma­schi­nen folg­lich „im­mer en­ger staf­feln“. Da­bei hilft die Soft­ware der Karls­ru­her. Sie emp­fängt Po­si­ti­ons­da­ten aus den den Flug­zeu­gen und be­rei­tet die­se dann für die Flug­lot­sen auf, be­schreibt Aschau­er die Funk­ti­ons­wei­se. Auch Wet­ter­da­ten wür­den er­fasst und über­mit­telt.

Um die be­schrie­be­nen wo­mög­lich töd­li­chen Feh­ler zu ver­mei­den, ha­ben die Sys­te­me der Com­soft So­lu­ti­ons Red­un­dan­zen. „Das heißt, Tei­le da­von kön­nen aus­fal­len, aber nie­mals das gan­ze Sys­tem. Ei­ne Gr­und­funk­tio­na­li­tät ist im­mer ge­ge­ben“, er­klärt der Ver­triebs­chef. We­gen des zu­neh­men­den Flug­ver­kehrs müs­sen die IT-Lö­sun­gen des be­reits 1979 ge­grün­de­ten Un­ter­neh­mens stets ver­bes­sert wer­den. Dar­an tüf­telt ein gro­ßer Teil der rund 200 Mit­ar­bei­ter. „Wir hät­ten auch lie­ber 300“, sagt Aschau­er und lacht. Die Zahl der Be­schäf­tig­ten – hoch qua­li­fi­zier­te Mit­ar­bei­ter sei­en nur sehr schwer zu fin­den – bil­de so­mit die Wachs­tums­gren­ze.

Nach­dem Com­soft So­lu­ti­ons vor ei­ni­gen Jah­ren wirt­schaft­lich durch ei­ne schwie­ri­ge Pha­se ging, be­fin­de man sich nun wie­der im Auf­wind. Das hängt auch da­mit zu­sam­men, dass die Karls­ru­her 2016 un­ter das Dach des ös­ter­rei­chi­schen High-Tech-Un­ter­neh­mens Fre­quen­tis ge­schlüpft sind. „Da­durch ha­ben wir jetzt un­ter an­de­rem auch Stand­or­te in den USA oder Shang­hai. Und wir kön­nen das in­ter­na­tio­na­le Netz von Fre­quen­tis nut­zen“, be­schreibt Aschau­er die Vor­tei­le der neu­en Fir­men­struk­tur. Die Grup­pe der Wie­ner setz­te im ver­gan­ge­nen Jahr et­wa 250 Mil­lio­nen Eu­ro um. Zum Er­lös der Töch­ter wer­den kei­ne An­ga­ben ge­macht. Aschau­er ver­rät le­dig­lich: „Wir wach­sen mo­de­rat.“Mehr sei mit der ak­tu­el­len Mit­ar­bei­ter­zahl aber auch kaum mög­lich.

Ge­sucht wer­den haupt­säch­lich ITFach­kräf­te. „Wir ge­hen bei un­se­rer Ar­beit aber auch tief in die Phy­sik und Ma­the­ma­tik hin­ein“, so Aschau­er. Folg­lich wür­den auch „Leu­te aus der Wis­sen­schaft be­nö­tigt“. Hier hofft der Mar­ke­ting-Dir­ke­tor auf den Stand­ort­vor­teil durch Karls­ru­he. Die Nä­he zum KIT und di­ver­sen For­schungs­zen­tren sei viel­ver­spre­chend. Klar sei aber auch, dass man letzt­lich welt­weit Per­so­nal re­kru­tie­ren müs­se – auch weil Com­soft So­lu­ti­ons in­ter­na­tio­nal ak­tiv ist.

70 Pro­zent des Um­sat­zes wür­den zwar „in Eu­ro­pa und den na­hen Märk­ten“ge­ne­riert. Asi­en sei je­doch bei­spiels­wei­se ei­ne Wachs­tums­re­gi­on. Auch die USA sei­en sehr in­ter­es­sant, al­lein we­gen des sehr gro­ßen Flug­ver­kehrs. Mit der Tech­no­lo­gie müs­se man dort je­doch an­de­re Stan­dards er­fül­len. Dies ma­che es schwie­rig, mit den dort eta­blier­ten Un­ter­neh­men zu kon­kur­rie­ren. Ge­ne­rell be­we­gen sich al­le Fir­men, die IT-Lö­sun­gen für den Luft­ver­kehr an­bie­ten, in ei­ner Ni­sche. „Der Ge­samt­markt ist et­wa vier Mil­li­ar­den Dol­lar groß. Das ist na­tür­lich ver­gleichs­wei­se we­nig“, weiß Aschau­er.

Dass den Karls­ru­hern ir­gend­wann die Ar­beit ab­han­den kommt, ist in­des nicht zu be­fürch­ten. So den­ken man­che Län­der be­reits laut über die Ein­füh­rung au­to­nom-flie­gen­der Luft­ta­xis nach. Ein noch viel grö­ße­rer Fak­tor sind Droh­nen. Wenn Ama­zon, DHL und Co da­mit flä­chen­de­ckend ih­re Pa­ke­te aus­lie­fern, „wird das die Be­wirt­schaf­tung des Luf­t­raums kom­plett ver­än­dern“, ist Aschau­er über­zeugt. Dar­auf muss Com­soft So­lu­ti­ons sei­ne Sys­te­me ein­stel­len. Da­mit Flug­lot­sen wei­ter ih­re Ar­beit ma­chen kön­nen und Starts und Lan­dun­gen für Pas­sa­gie­re un­spek­ta­ku­lär blei­ben.

ZEIT­WEI­SE IM MI­NU­TEN­TAKT star­ten und lan­den Flug­zeu­ge in Frankfurt. Da­für, dass dies oh­ne Kom­pli­ka­tio­nen ge­schieht, sor­gen un­ter an­de­rem die IT-Sys­te­me der Karls­ru­her Com­soft So­lu­ti­ons GmbH.

AM COM­PU­TER ver­fol­gen Mit­ar­bei­ter von Com­soft So­lu­ti­ons die La­ge von Flug­zeu­gen. Das Sys­tem der Karls­ru­her Fir­ma ver­ar­bei­tet Si­gna­le der Ma­schi­nen. Fo­to: jo­do

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