An­na Netreb­ko hat Kon­kurr­ent­zis

Pri­ma­don­na ver­sus Klas­sik­gu­ru: Teo­dor Curr­ent­zis könn­te der Di­va in Salz­burg den Rang strei­tig ma­chen

Pforzheimer Kurier - - KULTUR - GEWINNEND: der ex­zen­tri­sche Di­ri­gent Teo­dor Cur­ren­tis. Fo­tos (2): dpa

Der gro­ße Star der dies­jäh­ri­gen Festspiele ist Teo­dor Curr­ent­zis. Na­tür­lich gibt es für sei­ne hym­nisch ge­lob­te In­ter­pre­ta­ti­on der Mo­zart-Oper „La cle­men­za di Ti­to“und für sein noch aus­ste­hen­des Kon­zert mit Gus­tav Mah­lers ers­ter Sym­pho­nie kei­ne Kar­ten mehr. Und im Fest­spiel­shop sind so­gar die drol­li­gen Post­kar­ten mit sei­nem cha­rak­te­ris­ti­schen Kon­ter­fei aus­ver­kauft. „Die ge­hen weg wie nichts. Wir ha­ben ge­ra­de nach­be­stellt“, sagt In­ha­ber Andre­as Vogl. Die Kar­ten zu zwei Eu­ro das Stück stam­men von dem sy­risch­stäm­mi­gen Künst­ler Ma­roi­ne Dib, der sie ei­gens für Vogl kre­iert hat. Die bei­den Post­kar­ten mit An­na Netreb­ko sind noch zu ha­ben. Ei­ne zeigt sie zu­sam­men mit ih­rem Gat­ten, dem aser­bei­dscha­ni­schen Te­nor Yu­sif Ey­va­zov, ei­ne an­de­re nur sie al­lein in ei­nem tief de­kol­le­tier­ten schwar­zen Abend­kleid. Curr­ent­zis, der ab 2018 Chef­di­ri­gent des SWR Sym­pho­nie­or­ches­ter wird, scheint der Di­va, die seit ih­rem phä­no­me­na­len De­büt als Don­na An­na in Mo­zarts „Don Gio­van­ni“im Jah­re 2002 re­gel­mä­ßi­ger Gast an der Salz­ach ist, den Rang ab­zu­lau­fen. Zu­min­dest vor­läu­fig. Auch Netreb­kos 15-tei­li­ges Tee­ser­vice war­tet in ei­ner Vi­tri­ne des Shops noch auf zah­lungs­kräf­ti­ge Kun­den. Das mit Mo­ti­ven aus Ver­dis „Ai­da“ver­zier­te Set, her­ge­stellt in der „Im­pe­ri­al Porce­lain Ma­nu­fac­to­ry“(Kai­ser­li­chen Por­zel­lan­ma­nu­fak­tur) in St. Pe­ters­burg, kos­tet in der Ba­sis­ver­si­on stol­ze 2 399 Eu­ro. Vogl hofft, dass der Ver­kauf an­zieht, wenn „An­na ge­sun­gen hat“. Denn am Sonn­tag steht die wohl wich­tigs­te Pre­mie­re der dies­jäh­ri­gen Salz­bur­ger Festspiele ins Haus, zu­min­dest in punc­to Gla­mour­fak­tor. Der ita­lie­ni­sche Ma­e­s­tro Ric­car­do Mu­ti di­ri­giert Gi­u­sep­pe Ver­dis „Ai­da“in der Re­gie der ira­ni­schen Mul­ti­künst­le­rin Shi­rin Nes­hat.

An­na Netreb­ko singt zum ers­ten Mal die Ti­tel­rol­le der äthio­pi­schen Skla­vin, die sich am Ho­fe zu Mem­phis in den ägyp­ti­schen Feld­her­ren Ra­da­mes ver­liebt. Ei­ne pre­kä­re Af­fä­re, die na­tür­lich mit dem Tod der bei­den Opern­hel­den en­det. Die Ai­da ist ei­ne von drei gro­ßen Rol­len-De­büts des lau­fen­den Jah­res für Netreb­ko: Ge­ra­de erst gab sie zum ers­ten Mal die Adria­na in Fran­ces­co Ci­leas „Adria­na Le­cou­vr­eur“. Die Mad­da­le­na in Um­ber­to Gior­da­nos „Andrea Ché­nier“ist für De­zem­ber an der Mai­län­der Sca­la an­non­ciert. „Ai­da ist ei­ne un­glaub­li­che Rol­le, ei­ne Frau vol­ler Lie­be und Lei­den­schaft, hin und her ge­ris­sen zwi­schen ih­rem Volk und dem Mann, den sie liebt“, sag­te Netreb­ko in ei­nem von den Fest­spie­len ver­brei­te­ten State­ment, ei­ne ech­te „su­per wo­men“. Seit der Ge­burt ih­res Soh­nes im Jah­re 2008 häu­tet sich Netreb­ko schritt­wei­se zum voll­gül­ti­gen dra­ma­ti­schen So­pran. An der Dresd­ner Sem­per­oper hat­te sie un­ter Di­ri­gent Chris­ti­an Thiele­mann be­reits die El­sa in Wa­g­ners „Lo­hen­grin“ge­sun­gen. Ihr De­büt am Grü­nen Hü­gel, bei den Bay­reu­ther Wa­gner­fest­spie­len, wo sie für 2018 eben­falls als El­sa an­non­ciert war, wur­de jüngst zum Ver­druss vie­ler Fans oh­ne An­ga­be von Grün­den ab­ge­sagt. Mit von der Par­tie ist in Salz­burg ihr Mann. Er singt den Ra­da­mes, al­ler­dings nicht zu­sam­men mit sei­ner Frau. Die darf sich in den ita­lie­ni­schen Bel­can­to-Te­nor Fran­ces­co Me­li ver­lie­ben. „Rein dis­po­si­tio­nel­le, kei­ne per­sön­li­chen Grün­de“, teilt die Pres­se­stel­le da­zu auf An­fra­ge vor­sorg­lich mit.

Nach dem pro­gram­mier­ten Kunst­ge­nuss gibt es wie­der ei­ne gro­ße Ga­la-Soi­ree für 360 Gäs­te mit Ga­la­di­ner im Ca­ra­bi­nie­ri­saal der Salz­bur­ger Re­si­denz und an­schlie­ßen­dem Tanz­ver­gnü­gen im Kai­ser­saal. Die Kar­ten sind seit Mo­na­ten aus­ver­kauft. Es gibt auch ein Cock­tailund Ka­viar­bar und an Cham­pa­gner soll es dem Ver­neh­men nach nicht feh­len. Was­ser auf die Müh­len der­je­ni­gen, die in Netreb­ko vor al­lem ei­ne Lu­xusund So­cie­ty-Di­va se­hen. Ei­ne ver­gleich­ba­re Sau­se für den mön­chisch stren­gen Curr­ent­zis und sei­nen Mu­sik-Ashram na­mens Mu­si­ca Ae­ter­na schie­ne eher de­plat­ziert. Ob­wohl auch der im rus­si­schen Perm wir­ken­de, ex­zen­tri­sche Grie­che ei­nen Hang zur Selbst­dar­stel­lung be­sitzt. Ein Re­por­ter des Deutsch­land­funks, der den Meis­ter in sei­nem Bü­ro im Per­mer Opern­haus be­such­te, wähn­te sich in ei­nem „ein we­nig schwüls­tig ein­ge­rich­te­ten Proust­schen Bou­doir“. Im An­schluss an das In­ter­view prä­sen­tiert Curr­ent­zis dem Jour­na­lis­ten sei­ne Schuh- und Ta­schen­ent­wür­fe so­wie ein von ihm kre­iertes Unisex-Par­füm. Im Fest­spiel­shop und den Salz­bur­ger Par­fü­me­ri­en sucht man den Duft ver­geb­lich, er wür­de sich wahr­schein­lich bes­ser ver­kau­fen als Netreb­kos Tee­ser­vice. Ge­org Et­scheit

AUSLADEND: An­na Netreb­ko singt am Sonn­tag in Salz­burg zum ers­ten Mal die Rol­le der Ai­da.

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