Das Schloss ist wie­der Treff­punkt

Auf­takt der Licht­spie­le lock­te Tau­sen­de / Sie­ben neue Shows sind im Pro­gramm

Pforzheimer Kurier - - KARLSRUHE - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Ti­na Kampf

„Wahn­sinn.“„Was für ei­ne At­mo­sphä­re.“Noch be­vor die ers­te Show der Schloss­licht­spie­le am Don­ners­tag­abend ge­star­tet ist, zei­gen sich die Men­schen schon be­geis­tert: Das Are­al füllt sich, Alt und Jung, Karls­ru­her und Be­su­cher von au­ßen sind ge­kom­men. Sie ha­ben Pick­nick­de­cken mit­ge­bracht oder Klapp­stüh­le. Hun­der­te Fo­to­gra­fen – zum Teil mit Lei­tern un­ter­wegs – si­chern sich früh die bes­ten Plätz­chen. Sie hal­ten fest, was auf der Fas­sa­de, die wie­der XXL-Lein­wand ist, zu se­hen ist.

Sie­ben neue Shows wur­den für die drit­te Aus­ga­be der Schloss­licht­spie­le pro­du­ziert. Gleich am ers­ten Tag wer­den al­le ge­zeigt. Die Künst­ler sind ei­gens an­ge­reist. Sie ste­hen zu­sam­men mit ZKM-Chef Pe­ter Wei­bel, der Ku­ra­tor ist, Ober­bür­ger­meis­ter Frank Men­trup und Chef­or­ga­ni­sa­tor Mar­tin Wa­cker im Pu­bli­kum. Mar­tin Wa­ckers Blick geht zu­nächst nicht auf die Fas­sa­de. Er schaut auf das Are­al vor dem Schloss. Da­hin, wo schließ­lich al­les in al­lem 12 000 Men­schen ste­hen. „Ich ha­be Gän­se­haut“, räumt er ein. „Das hier ist wirk­lich ein Ort der Bür­ger­be­g­nung ge­wor­den.“Ers­ter Bür­ger­meis­ter Wolf­ram Jä­ger sieht in den Schloss­licht­spie­len ein Mar­ken­zei­chen der Stadt.

Um 21.30 Uhr drü­cken die Tech­ni­ker den Knopf. Die Shows be­gin­nen. Mal mar­schie­ren klei­ne Männ­chen über die Fas­sa­de. Dann ent­ste­hen Bla­sen, Koral­len, Wel­len. Schnell wird dis­ku­tiert: Wel­cher Bei­trag ist der Bes­te? Ist es schö­ner, wenn es rich­tig bunt ist? Und spie­len die Künst­ler tat­säch­lich mit der Struk­tur der Fas­sa­de – das von Pe­ter Wei­bel vor­ge­ge­be­ne Schwer­punkt­the­ma ist im­mer­hin Ar­chi­tek­tur.

Im Werk des Is­rae­li Ey­al Ge­ver sind die Fens­ter des Schlos­ses zu se­hen: Aus ih­nen her­aus er­gie­ßen sich Was­ser­mas­sen. Das Bre­mer Künst­ler­kol­lek­tiv Ur­ban– screen lässt auf der Fas­sa­de mo­der­ne Ar­chi­tek­tur­for­men er­schei­nen – die am En­de un­ter­lie­gen: Das Ba­ro­cke ge­winnt, der St­ein siegt über das Vir­tu­el­le. Auch „Ma­xin10si­ty“spielt mit der Ar­chi­tek­tur, zau­bert eben­so Fi­sche, den Dschun­gel und La­va­mas­se auf das Ge­bäu­de. Ap­plaus bran­det auf: Die un­ga­ri­sche Trup­pe war be­reits 2015 und 2016 mit von der Par­tie und wird von vie­len Zu­schau­ern be­son­ders ge­liebt. „Wir sind sehr glück­lich, dass wir nun schon zum drit­ten Mal da­bei sein dür­fen“, sagt Ge­schäfts­füh­rer Ta­mas Vaspo­ri. Die Zu­schau­er er­ken­nen es klar: Sei­ne Trup­pe ist mit dem Schloss in­zwi­schen rich­tig gut ver­traut. Auch die bei­den Bei­trä­ge der Vor­jah­re – „300 Frag­ments“und „Le­ga­cy“– sind er­neut im Pro­gramm. Und wie­der sind die Zu­schau­er von ih­nen be­geis­tert. Noch ein Wie­der­se­hen gibt es: „De­fi­lee“von „DSG ani­ma­ti­on + vfx“mit wich­ti­gen Wer­ken der Avant­gar­de wur­de über­ar­bei­tet, viel Neu­es ist zu ent­de­cken. Pa­trik Schu­ma­cher vom Lon­do­ner Bü­ro Za­ha Ha­did Ar­chi­tects, das mit „Be­ha­viour Mor­phe“ins Ren­nen geht, ver­rät: „Es war ei­ne gro­ße Her­aus­for­de­rung, Pe­ter Wei­bel zu­frie­den­zu­stel­len. Er ist ei­ne har­te Nuss. Aber es hat sich ge­lohnt.“Auch Pe­ter Wei­bel strahlt. „Ich bin sehr dank­bar, dass ich welt­be­rühm­te Ar­chi­tek­ten für die Schloss­licht­spie­le ge­win­nen konn­te.“Zum Bei­spiel den US-Ame­ri­ka­ner Greg Lynn, der mit dem Gol­de­nen Lö­wen der Ar­chi­tek­tur-Bi­en­na­le in Ve­ne­dig aus­ge­zeich­net wur­de. „Ich ha­be Pe­ter Wei­bel drei Op­tio­nen vor­ge­schla­gen. Ich sag­te, dass ei­ne mit ei­nem gro­ßen Ri­si­ko ver­bun­den wä­re, weil ich das noch nie ge­macht ha­be“, er­zählt Lynn: „Mit mei­nem Bü­ro mach­te ich ei­ne Wet­te, dass er die­se Op­ti­on wählt. So war es.“Nun spielt er auf die Schloss­fas­sa­de Bil­der ei­nes Ro­bo­ters, der Be­rühmt­hei­ten in den USA be­glei­te­te. Pe­ter Wei­bel wie­der­um schickt in sei­ner Ar­beit Fahr­rä­der über die Fas­sa­de, die an die­sem Abend nicht nur Lein­wand, son­dern auch be­lieb­tes Fo­to- und Vi­deo­mo­tiv ist. Im­mer wie­der wer­den Han­dys ge­zückt, Bil­der ge­macht und in die Welt ge­schickt. Bis spät blei­ben die Zu­schau­er, die nicht nur die Shows, son­dern auch die in war­mem Licht er­strah­len­de Karl-Fried­rich-Bar im Na­ja­den­wäld­chen für sich ent­de­cken. Auch da sagt man­cher Be­su­cher erst mal: „Wow!“Stadtgespräch

Ser­vice

EIN PU­BLI­KUMS­MA­GNET sind die all­abend­li­chen Licht­spie­le. Zum Auf­takt am Don­ners­tag­abend ka­men rund 12 000 Be­su­cher zum Schloss. Zu se­hen gibt es ins­ge­samt sie­ben neue Shows, drei Ar­bei­ten aus den Vor­jah­ren wer­den wie­der­holt, ei­ne da­von wur­de über­ar­bei­tet. Fo­tos: jo­do

EIN WIE­DER­SE­HEN gibt es mit dem Bei­trag „De­fi­lee“, der im ver­gan­ge­nen Jahr Pre­mie­re hat­te. Al­ler­dings wur­de das Werk über­ar­bei­tet, die Zu­schau­er ent­de­cken man­che Neue­rung.

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