Gött­li­ches Wet­ter für die gött­li­che Ord­nung

Ei­ne laue Som­mer­nacht be­grüßt die Open-Air-Sai­son im Os­ter­feld für Pforz­hei­mer Ci­ne­as­ten

Pforzheimer Kurier - - PFORZHEIM - Von un­se­rer Mit­ar­bei­te­rin Su­san­ne Roth

Ein schwü­ler Tag geht über in ei­ne lau­war­me Nacht. Es ist ei­ne per­fek­te Nacht, ein Auf­takt nach Maß für das, was bis zum 2. Sep­tem­ber als „Ki­no un­term Ster­nen­him­mel“im In­nen­hof des Kul­tur­hau­ses Os­ter­feld läuft.

Die be­weg­li­che Aus­rüs­tung des Kom­mu­na­len Ki­nos samt Film­vor­füh­rer ist in ei­nen Raum in der obe­ren Eta­ge der Os­ter­feld­schu­le un­ter­ge­bracht. Das ist schon seit Jah­ren so, aber es lässt sich im­mer noch ei­ne Schip­pe oben drauf le­gen. Neu ist, dass in die­sem Jahr zum ers­ten Mal frei­tags und sams­tags 30 Mi­nu­ten vor Film­be­ginn jun­ge Mu­si­ker aus der Re­gi­on im In­nen­hof des Kul­tur­hau­ses Os­ter­feld auf­tre­ten.

Bei der ers­ten von ins­ge­samt 19 Film­vor­füh­run­gen – die letz­te ist wie im­mer die be­lieb­te „Ro­cky Hor­ror Pic­tu­re Show“– gibt es zwar kei­ne Mu­sik, aber da­für ei­nen Auf­tritt der Ge­schäfts­füh­re­rin des Kom­mu­na­len Ki­nos (Ko­ki) Chris­ti­ne Müh. Sie hat nicht nur die Ki­no­pre­mie­re von „Die Gött­li­che Ord­nung“, son­dern gleich auch noch Re­gis­seu­rin Pe­tra Vol­pe und Haupt­dar­stel­le­rin Ma­rie Leu­en­ber­ger da­zu. Da ste­hen die bei­den Frau­en nun im Re­gie­raum – ein Ka­me­ra­mann filmt wie sie von Kul­tur­haus­che­fin Ma­ria Ochs be­grüßt wer­den, dann wird das In­ter­view, das Chris­ti­ne Müh mit den Gäs­ten führt, di­rekt auf die gro­ße Lein­wand über­tra­gen.

Es gibt ei­ni­ges zu sa­gen zu dem Film, der ins Jahr 1971 führt, als im schwei­ze­ri­schen Ap­pen­zell um das Frau­en­wahl­recht ge­kämpft wird. Re­gis­seu­rin Pe­tra Vol­pe zeigt sich da­von über­rascht, wel­chen ak­tu­el­len Be­zug ihr Werk an­ge­sichts der Trump-Wahl in den USA be­kom­men hat. „Das konn­te man vor fünf Jah­ren nicht ah­nen.“Sie zählt mit Po­len und der Tür­kei wei­te­re Län­der auf, wo nach ih­ren Wor­ten nicht nur das Wahl­recht und Mit­be­stim­mungs­recht der Frau­en mit Fü­ßen ge­tre­ten wer­den. Es geht wie in ih­rem Film „nicht um den Kampf zwi­schen Män­nern und Frau­en, son­dern um Macht. Auch der Mann wird zer­quetscht in die­sem pa­tri­ar­chi­schen Sys­tem.

In „Die Gött­li­che Ord­nung“wer­den die et­wa 600 Zu­schau­er an beim Er­öff­nungs­abend ins Jahr 1971 ka­ta­pul­tiert, in ei­nen schwei­ze­ri­schen Kan­ton. Sie lan­den mit­ten in der Idyl­le ei­nes Berg­dor­fes im Ap­pen­zell. Fest ge­füg­te Struk­tu­ren schei­nen dort be­son­ders fest zu sein. Doch auch gibt es Frau­en, die für die Gleich­be­rech­ti­gung und für das Wahl­recht der Frau­en kämp­fen. No­ra, Haus­frau und Mut­ter, wird nach­denk­lich an­ge­sichts der For­de­rung. Schließ­lich steht sie auf, um für das Frau­en­wahl­recht zu kämp­fen.

Ge­spielt wird sie von Ma­rie Leu­en­ber­ger, die sich ein­ge­zwängt fühl­te zwi­schen Dutt und Hand­ta­sche. Um sich in No­ras Bio­gra­fie hin­ein ver­set­zen zu kön­nen, ha­be sie sich die­se als ste­tig und be­harr­lich wach­sen­de Pflan­ze vor­ge­stellt, er­zählt sie dem Pu­bli­kum. Re­gis­seu­rin Pe­tra Vol­pe hat mit No­ra wie­der­um der Frau­en­recht­le­rin Marthe Go­ste­li ein Denk­mal ge­setzt, die sich zeit­le­bens für Frau­en­rech­te ein­ge­setzt ha­be. No­ra schließ­lich er­lebt, wie auch die Schweiz – als ei­nes der letz­ten eu­ro­päi­schen Län­der – das Frau­en­wahl­recht ein­führt. Die gött­li­che Ord­nung ist da­mit al­ler­dings nicht über­all aus der Welt.

Film mit er­staun­li­cher po­li­ti­scher Ak­tua­li­tät „Es ist al­les ei­ne Fra­ge der Macht“

Ser­vice

DIE GÖTT­LI­CHE ORD­NUNG MIT GROSSEM STARAUFGEBOT: Zu Be­ginn der Open-Air-Ki­no-Sai­son im Os­ter­feld in­ter­viewt Ko­ki-Che­fin Chris­ti­ne Müh Haupt­dar­stel­le­rin Ma­rie Leu­en­ber­ger und Re­gis­seu­rin Pe­tra Vol­pe (von links). Fo­to: Roth

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.