Die Ge­sell­schaft hat nichts ge­lernt

Pforzheimer Kurier - - ENZKREIS -

Ar­ti­kel „His­to­ri­sche Schön­hei­ten rol­len über die Stra­ße“vom 24. Ju­li. Tie­fen­bronn clas­sic – der Hit der hie­si­gen Old­ti­mer-Sze­ne. Kann ich gut nach­voll­zie­hen, da auch ich trotz grü­nem Par­tei­buch ein Fai­b­le für al­te Au­tos ha­be, die teil­wei­se so fan­tas­tisch ein­fach und ro­bust ge­baut wur­den, dass sie auch heu­te noch, nach vie­len Jahr­zehn­ten, hal­ten. Nach­hal­tig­keit in ei­nem an­de­ren Sin­ne! Kei­ne Weg­werf­wa­re un­se­rer Zeit.

Wo­für ich aber kein Fai­b­le ha­be, ist der Um­stand, dass es bei sol­chen Ver­an­stal­tun­gen of­fen­sicht­lich kna­cki­ger Mäd­chen-Hin­tern in knap­pen Shorts und her­aus­for­dern­den Ober­tei­len- und wei­ten be­darf, da­mit die al­ten Her­ren in ih­ren tol­len Kis­ten trotz al­ler Freu­de am blan­ken Blech über­haupt noch ir­gend­wie in Stim­mung kom­men kön­nen. Ar­me Welt!

Ra­c­ing­girls nennt sich so­was wohl. „Lei­der nur drei Mäd­chen“– der Rest muss­te aus­fal­len, da der Vor­abend bei ei­nem an­de­ren Fest ex­zes­siv hät­te wer­den kön­nen. Na­men und Wohn­ort der drei Schö­nen wer­den gleich mit an­ge­führt, fehlt jetzt nur noch die je­wei­li­ge Te­le­fon­num­mer und Bank­ver­bin­dung, da­mit man (Mann) sie gleich bu­chen kann. Bil­li­ger geht’s nicht.

Und was macht die mi­t­rei­sen­de Po­lit­pro­mi­nenz? Der re­gio­na­le Schul­tes nebst Gat­tin, die schwar­zen und ro­ten Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten mit Ehe­part­ner/In­nen, der ma­gen­ta­far­be­ne Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de aus dem Land­tag? Der Chro­nist be­rich­tet nichts von em­pör­ten Äu­ße­run­gen der haupt­be­ruf­li­chen Sit­ten­und Tu­gend­wäch­ter des Po­lit­be­trie­bes oder gar von de­ren Frau­en. Gut zu Ge­sicht ge­stan­den hät­te es ih­nen aber schon (auch und ge­ra­de den Frau­en). Wie ver­kom­men muss man ei­gent­lich sein, da­mit ei­nem so et­was nicht sau­er auf­stößt? Ob­wohl die ehe­dem fleisch­far­be­nen Pi­rel­li-Ka­len­der schon Ver­gan­gen­heit und die Dis­kus­sio­nen um das Pforz­heim-Wein­glas (Al­ter Wein und jun­ge Wei­ber sind die bes­ten Zeit­ver­trei­ber) in Ver­ges­sen­heit ge­ra­ten sind, hat die­se Ge­sell­schaft in Pforz­heim und im Biet nichts, aber auch gar nichts geZum lernt. Frau­en sind kei­ne Ob­jek­te der schie­ren Lust blech­ver­lieb­ter al­ter Män­ner. Sie sind Men­schen wie Du (par­don: Sie) und ich. Und wenn das al­les ja doch gar nicht so schlimm sein soll­te, wie mir das vor­kommt, dann sol­len doch Frau Krich­baum, Frau Rül­ke und Frau Mast im nächs­ten Jahr für ei­ne be­schei­de­ne Ga­ge selbst das knap­pe Hö­schen tra­gen! Nur so für die ei­ge­ne Er­fah­rung.

Frank-Ul­rich See­mann Mühl­acker

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