Klei­ne Fi­gu­ren und gro­ße Wor­te

Neue Son­der­mar­ken ab 10. Au­gust

Pforzheimer Kurier - - HOBBY UND FREIZEIT -

und Groß­el­tern ken­nen sie na­tür­lich, aber auch in der ak­tu­el­len Schü­ler­ge­ne­ra­ti­on dürf­ten die meis­ten schon von der Augs­bur­ger Pup­pen­kis­te ge­hört ha­ben. Da­bei ha­ben die we­nigs­ten der vie­len Mil­lio­nen Fans je­mals das Thea­ter­ge­bäu­de in der Augs­bur­ger In­nen­stadt be­tre­ten, son­dern „Ur­mel“, „Kater Mi­kesch“, „Kal­le Wirsch“und die an­de­ren Haupt­fi­gu­ren der Augs­bur­ger Ins­ze­nie­run­gen auf dem Bild­schirm ge­se­hen. Seit 1953 wur­den die Auf­füh­run­gen der 1948 ge­grün­de­ten Pup­pen­büh­ne im Fern­se­hen über­tra­gen, spä­ter auch als Vi­deo­kas­set­te und DVD ver­kauft. Nächs­te Wo­che kom­men die höl­zer­nen Fi­gu­ren als Brief­mar­ken­mo­ti­ve in den Han­del. Sie zie­ren die dies­jäh­ri­gen Son­der­mar- „Für die Ju­gend“, die mit Zu­schlag ver­kauft wer­den. Das auf die­se Wei­se ge­sam­mel­te Geld wird von ei­ner Stif­tung an Or­ga­ni­sa­tio­nen ver­teilt, die sich mit Kin­der- und Ju­gend­ar­beit be­schäf­ti­gen.

Ei­ne wei­te­re neue Son­der­mar­ke er­in­nert dar­an, dass vor 50 Jah­ren, am 27. Au­gust 1967, das Farb­fern­se­hen in Deutsch­land Pre­mie­re hat­te. Mit dem of­fi­zi­el­len Start­schuss, den Ber­lins Re­gie­ren­der Bür­ger­meis­ter Wil­ly Brandt auf der Funk­aus­stel­lung gab, wur­de Deutsch­land zum Vor­rei­ter für die­se Tech­nik in Eu­ro­pa. Al­ler­dings gab da­mals im gan­zen Land nur we­ni­ge tau­send TV-Ge­rä­te, die das bun­te Bild em­pEl­tern fan­gen und zei­gen konn­ten. An­fang der 70er Jah­re, ins­be­son­de­re zu den Olym­pi­schen Spie­len 1972 in Mün­chen, wur­den dann jähr­lich weit über ei­ne Mil­li­on Farb­fern­se­her ver­kauft – zu stol­zen Prei­sen ab et­wa 2 000 Mark. Die drit­te Son­der­mar­ke des Mo­nats wid­met sich der „Frucht­brin­gen­den Ge­sell­schaft“. Der Na­me ist so alt wie er klingt: Die Ge­sell­schaft wur­de im Au­gust 1617 ge­grün­det, und zwar von fünf an­hal­ti­schen und sach­sen-wei­ma­ri­schen Fürs­ten. Nach dem Vor­bild ita­lie­ni­scher Re­nais­sance-Aka­de­mi­en soll­te die Ge­sell­schaft vor al­lem der Pfle­ge der deut­schen Spra­che die­nen, die da­mals nicht viel galt: In ge­bil­de­ten Krei­sen sprach und schrieb man Latein und Grie­chisch, Fran­zö­sisch und Ita­lie­nisch. Da­ge­gen warb die Ge­sell­schaft für ei­ne deut­sche Dicht­kunst, für ei­ne ein­heit­li­che Recht­schrei­bung in al­len deut­schen Lan­den. Man­ches Mit­glied schoss übers Ziel hin­aus: Schrift­stel­ler Phil­ipp von Ze­sen bei­ken spiels­wei­se ver­kämpf­te sich da­für, al­le Wör­ter zu til­gen, die aus frem­den Spra­chen ein­ge­wan­der­te wa­ren. Das Fens­ter und die Na­se bei­spiels­wei­se sei­en we­gen ih­rer la­tei­ni­schen Her­kunft (fi­ne­s­tra, na­sus) ver­dam­mens­wert und durch „Tagleuch­ter“und „Ge­sichts­er­ker“zu er­set­zen. Er­folg hat­te Ze­sen da­mit nicht. Die Ge­sell­schaft exis­tier­te for­mell nur bis 1680, wirk­te in in­tel­lek­tu­el­len Zir­keln aber nach. Noch dem „Deut­schen Wör­ter­buch“, das die Grimms An­fang des 19. Jahr­hun­derts in An­griff nah­men, lässt sich mit ein biss­chen gu­tem Wil­len auf die Frucht­brin­gen­de Ge­sell­schaft zu­rück­füh­ren. sob

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