Bleibt al­les an­ders

Sta­tus Quo

Pforzheimer Kurier - - MUSIK-SZENE - Fo­to: dpa

S ta­tus Quo sind die Er­fin­der des Boo­gie-Rock und sor­gen auch nach fünf Jahr­zehn­ten noch für vol­le Kon­zert­hal­len. Jetzt ha­ben die Bri­ten be­reits zum zwei­ten Mal ein akus­ti­sches Al­bum ver­öf­fent­licht: „Aquostic II (That’s A Fact)“. Sie pla­nen so­gar, ih­re elek­tri­schen Gi­tar­ren in ab­seh­ba­rer Zeit ein­zu­mot­ten. Dar­über hin­aus er­scheint mit „The Last Night Of The Electrics. The Elec­tri­fy­ing Show At Lon­don’s O2 Are­na“ei­ne Li­veCD und -DVD. Wir spra­chen mit Band­grün­der Fran­cis Ros­si, 68, über das Äl­ter­wer­den und was ihn da­von ab­hält, in den Ru­he­stand zu ge­hen.

Mo­men­tan schei­nen Sie an akus­ti­schen Klän­gen mehr Spaß zu ha­ben als an elek­tri­fi­zier­ten. Ein Zei­chen, dass Sie äl­ter wer­den?

Ros­si: Ich weiß gar nicht, ob un­plug­ged mir wirk­lich mehr Spaß macht. Ich muss ge­ste­hen, dass ich so­gar ein biss­chen Angst vor der Akus­tik­tour ha­be. Man muss da­für sehr viel üben. Aber wenn ich dann auf mei­ner Gi­tar­re her­um­schrub­be und ihr Klang den Raum füllt, bin ich glück­lich. Vie­le un­se­rer Songs wur­den auf ei­ner Klamp­fe ge­schrie­ben. Ich hät­te nicht da­mit ge­rech­net, dass un­se­re Un­plug­ged-Plat­ten so er­folg­reich wer­den wür­den.

Sind Sie si­cher, dass Sie Ih­re elek­tri­sche Gi­tar­re En­de des Jah­res an den Na­gel hän­gen wol­len?

Ros­si: In den letz­ten Mo­na­ten hat man mich das so oft ge­fragt, dass ich auf ein­mal nicht mehr so si­cher bin. Ei­gent­lich hat­te ich das vor, zu­dem bin ich ge­ra­de 68 ge­wor­den. Kei­ne Ah­nung, wie ich mit 70 drauf sein wer­de. Wir ha­ben die­ses Jahr schon ein paar „elek­tri­sche“Kon­zer­te ge­spielt, aber der Plan ist ei­gent­lich, da­mit ir­gend­wann auf­zu­hö­ren und nur noch akus­tisch auf­zu­tre­ten. Wenn die Leu­te uns dann aber kei­ne Ti­ckets mehr ab­kau­fen, müs­sen wir das Gan­ze noch ein­mal über­den­ken. Am bes­ten, Sie fra­gen mich das noch ein­mal En­de des Jah­res.

Die­sen Som­mer spie­len Sie beim le­gen­dä­ren Wacken Fes­ti­val. Wä­re das ein wür­di­ger Ab­schluss Ih­rer Kar­rie­re als E-Gi­tar­rist?

Ros­si: Le­gen­där ist gut, ich hat­te bis vor Kur­zem noch nie von die­sem Fes­ti­val ge­hört. Aber als ich un­se­rem Schlag­zeu­ger da­von er­zähl­te, war er ganz auf­ge­regt. Für mich per­sön­lich ist je­der Auf­tritt gleich wich­tig. Gig ist Gig. Von so ge­nann­ten le­ei­nen gen­dä­ren Auf­tritts­or­ten las­se ich mich nicht stres­sen, ich ge­be im­mer mein Bes­tes. Ja, wir wer­den in Wacken spie­len und ich fin­de es ein biss­chen bi­zarr, zwi­schen all den düs­te­ren Thrash-Me­tal-Bands Zei­len wie „And I li­ke it, I li­ke it, I Li­ke it, I li­ke it“zu sin­gen.

In die­ser Hin­sicht kön­nen Sie be­ru­higt sein, so­gar Hei­no ist in Wacken schon auf­ge­tre­ten.

Ros­si: Wirk­lich? Schla­ger­mu­sik fin­de ich per­sön­lich eher pein­lich. Aber der Mu­sik selbst ist es egal, was wir mit ihr ver­bin­den. Es sind im­mer die­sel­ben No­ten, nur die Gen­res sind ver­schie­den. Sno­bis­mus gibt es nur un­ter Men­schen. Wenn Schla­ger­mu­sik nicht po­pu­lär wä­re, wür­de es sie nicht mehr ge­ben. Ha­ben die fünf Jahr­zehn­te im Mu­sik­ge­schäft Sie ein biss­chen wei­se ge­macht?

Ros­si: Ich den­ke, ein biss­chen schon. Aber so­bald ich in den Spie­gel schaue, zie­he ich das ge­ra­de Ge­sag­te wie­der in Zwei­fel. Mit 27 ha­be ich das ers­te Mal den Satz ge­hört, ich sei zu alt. Und jetzt bin ich 68. Fuck! Et­was in mir sagt, dass ich mit der Mu­sik lang­sam auf­hö­ren soll­te, aber dann stei­ge ich auf die Büh­ne und spü­re, wir sehr mir das Gan­ze noch Spaß macht. Das ver­wirrt mich. Aus ir­gend­ei­nem Grund gilt es als gut, jung zu sein. Aber wenn ich auf mei­ne ei­ge­ne Ju­gend zu­rück­bli­cke, se­he ich da ver­damm­ten Idio­ten. Ich fin­de, Män­ner soll­ten ei­ne Zeit lang ih­re Ho­den ab­ge­ben. Dann kann man sich mit ih­nen we­nigs­tens ver­nünf­tig un­ter­hal­ten. Im Mu­sik­busi­ness geht es im­mer mehr um schnel­ler hö­her wei­ter. Man ist nie zu­frie­den. Aber der Um­stand, dass mein lang­jäh­ri­ger Part­ner Rick Par­fitt ge­stor­ben ist, er­in­nert mich an mei­ne ei­ge­ne Sterb­lich­keit. Der Tod ge­hört ja zum Le­ben da­zu

Der 31-jäh­ri­ge Ire Ri­chie Ma­lo­ne ist für Rick Par­fitt ein­ge­sprun­gen. Was ist das für ein Ge­fühl, mit ei­nem deut­lich jün­ge­ren Rhyth­mus­gi­tar­ris­ten zu spie­len?

Ros­si: Tat­säch­lich wur­de Ri­chie uns noch von Rick per­sön­lich emp­foh­len. Wir kann­ten ihn schon län­ger, sein Va­ter ist ein gro­ßer Quo-Fan. Er ist der ein­zi­ge,

der Rick Par­fitts Spiel­wei­se wirk­lich na­he kommt. Wir kon­zen­trie­ren uns jetzt wie­der mehr auf die Ar­ran­ge­ments, denn Ri­chie spielt je­den ein­zel­nen Song sehr ori­gi­nal­ge­treu. Das sti­mu­liert uns an­de­ren.

Füh­len Sie sich jün­ger, wenn Sie mit Ri­chie spie­len?

Ros­si: Auf der Büh­ne fühlt sich für mich im Mo­ment al­les frisch und neu an. Ich ma­che im­mer Wit­ze über un­se­ren Al­ters­un­ter­schied, aber auch mein an­de­rer Band­kol­le­ge Le­on ist deut­lich jün­ger .

Sta­tus Quo fei­ert in die­sem Jahr 55. Band­ju­bi­lä­um. Wer­den Sie den 60. Ge­burts­tag noch mit­neh­men?

Ros­si: Ich weiß es nicht. Ich mag ei­gent­lich kei­ne Ju­bi­lä­en. 1965 ist solch ei­ne ma­gi­sche Zahl, als wir Rick das ers­te Mal tra­fen. 1967 ist er dann fest in die Band ein­ge­stie­gen. 1968 hat­ten wir un­se­ren ers­ten Hit. Sol­len wir das jetzt al­les fei­ern? Na­tür­lich sind Ju­bi­lä­en wer­be­wirk­sam, aber von Mar­ke­ting ha­be ich die Fa­xen di­cke. Man muss nur ein­mal die Zei­tung auf­schla­gen und schon liest man, wo man die­sen Som­mer un­be­dingt hin­fah­ren soll­te. Fuck it! Die wol­len ei­nem doch nur et­was ver­kau­fen. Der Ka­pi­ta­lis­mus ist echt er­mü­dend. Ich kann nur sa­gen, un­se­re neue Plat­te ist fan­tas­tisch! (Lacht)

Gibt es über­haupt den per­fek­ten Mo­ment, um mit et­was auf­zu­hö­ren?

Ros­si: Nun, ich bin selbst­stän­dig, seit ich 15 bin. Da ist es schwer, ein­fach auf­zu­hö­ren. Je­des Jahr stel­le ich mir die­se Fra­ge aufs neue. Die Vor­stel­lung, nicht mehr zu ar­bei­ten und kein Ein­kom­men mehr zu ha­ben, fällt mir schwer.

Sie könn­ten es sich aber leis­ten.

Ros­si: Wirk­lich? Mit 35 woll­te ich das ers­te Mal auf­hö­ren, dann hät­te mein Er­spar­tes bis zu mei­nem 50. Le­bens­jahr ge­reicht. Da ich mei­nen Le­bens­stil aber sehr moch­te, mach­te ich wei­ter. Ich mag ihn im­mer noch und ich lie­be mei­ne Ar­beit. Wenn ich jetzt auf­hö­ren wür­de, bin ich nach dem nächs­ten Fi­nanz­crash mög­li­cher­wei­se plei­te. Des­we­gen ma­che ich im­mer wei­ter.

In­ter­view: Olaf Ne­u­mann

VON WE­GEN SOFTER RI­DE: Fran­cis Ros­si ist auch mit 68 noch ein Büh­nen­tier.

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