Lie­be im Schat­ten des Krie­ges

„The Pro­mi­se“

Pforzheimer Kurier - - FILM UND TV-SZENE -

1914 geht der ar­me­ni­sche Stu­dent Michael (Os­car Isaac) für sein Stu­di­um der Me­di­zin nach Kon­stan­ti­no­pel. Kurz vor dem Be­ginn des Ers­ten Welt­kriegs trifft er hier auf den ame­ri­ka­ni­schen Jour­na­lis­ten Chris (Chris­ti­an Ba­le) und des­sen eben­falls aus Ar­me­ni­en stam­men­de Freun­din Ana (Char­lot­te Le Bon). Die Künst­le­rin und der Stu­dent ver­lie­ben sich hoff­nungs­los in­ein­an­der. Der kom­men­de Krieg hat auch für Michael schlim­me Kon­se­quen­zen, doch mit Hil­fe sei­nes tür­ki­schen Freun­des Em­re (Mar­wan Ken­z­a­si ) kann er sich vor­erst ret­ten. Die Ver­scho­nung ist je­doch nur von kur­zer Dau­er.

Michael wird zur Zwangs­ar­beit in ein über­aus bru­ta­les Ge­fan­ge­nen­la­ger ab­ge­scho­ben. Ihm ge­lingt die Flucht und die Rück­kehr zu sei­ner Fa­mi­lie, wo auch sei­ne frü­he­re Ver­lob­te war­tet.

Ana und Chris ver­su­chen der­weil, ei­ni­ge Kin­der zu ret­ten. Völ­lig un­er­war- tet be­geg­nen sich die Lie­ben­den wie­der. Die Tür­ken ge­hen mit im­mer grö­ße­rer Här­te und Ge­walt ge­gen die Ar­me­ni­er vor. Chris wird ver­haf­tet, als Ame­ri­ka­ner je­doch ab­ge­scho­ben. Am En­de sind die zen­tra­len Fi­gu­ren auf der Flucht zur Küs­te, wo sie sich auf fran­zö­si­sche Kriegs­schif­fe ret­ten wol­len. Das ge­lingt auch mit der vor­bild­li­chen Hil­fe ei­nes Ad­mi­rals (Je­an Re­no). Nicht al­le je­doch über­le­ben die­se über­aus dra­ma­ti­sche Ak­ti­on. 1942 blickt man aus den USA noch ein­mal zu­rück.

Der nord­iri­sche Re­gis­seur Ter­ry Ge­or­ge („Ho­tel Ruan­da“) hat die­ses teil­wei­se ver­dräng­te Ka­pi­tel der Ge­schich­te – heu­te noch aus tür­ki­scher Sicht – mit ei­nem Etat von 90 Mil­lio­nen Dol­lar ver­filmt. Er macht dar­aus ei­ne tra­gi­sche und dra­ma­ti­sche Drei­ecks­lie­bes­ge­schich­te, die als his­to­ri­sches Ge­sche­hen den Ge­no­zid an den Ar­me­ni­ern im Ers­ten Welt­krieg zeigt. Sei­ne sorg­fäl­ti­ge Ins­ze­nie­rung bie­tet reich­lich Mas­sen­sze­nen und ei­ne üp­pi­ge Aus­stat­tung. Auch beim emo­tio­na­len An­lie­gen gibt es er­grei­fen­de Se­quen­zen, et­li­che Mor­de und reich­lich Bru­ta­li­tä­ten: so lässt bei­spiels­wei­se ein tür­ki­scher Mi­li­tär sei­nen nicht-li­ni­en­treu­en Sohn hin­rich­ten. Ein Groß­teil des Film­bud­gets wur­de da­für auf­ge­wen­det, um ein­dring­lich auf die­se dunk­le Epo­che mit der sys­te­ma­ti­schen Ver­trei­bung und Mas­sen­er­mor­dung hin­zu­wei­sen.

Bei der Welt­pre­mie­re im Vor­jahr beim Film­fes­ti­val in Mon­tre­al wa­ren die Re­ak­tio­nen beim Pu­bli­kum durch­aus wohl­wol­lend, doch ein Ein­spiel­ergeb­nis von acht Mil­lio­nen Dol­lar gilt als gro­ße Ent­täu­schung. „The Pro­mi­se – Die Er­in­ne­rung bleibt“hat zu­dem ei­ni­ge Schwä­chen. Der Film zieht sich mit ei­ner Län­ge von 134 Mi­nu­ten et­was ner­vend. Trotz ei­ner sym­pa­thi­schen Ziel­set­zung funk­tio­niert das Zu­sam­men­wir­ken von Lo­ve Sto­ry und Mas­sen­mord nicht durch­ge­hend. Die dra­ma­ti­schen Wen­dun­gen und Ver­wick­lun­gen wir­ken teil­wei­se recht kon­stru­iert. Die ge­fäl­li­ge Mu­sik von Ga­b­ri­el Ya­red will nicht zu den tra­gi­schen In­hal­ten pas­sen.

Für die Pro­duk­ti­on wur­den zahl­rei­che be­kann­te Darstel­ler ver­pflich­tet. An ih­re Spit­ze spielt sich die Ka­na­die­rin Char­lot­te Le Bon („The Walk“). Sie bringt ein­drucks­voll ih­re apar­te Schön­heit ein. Der Ame­ri­ka­ner Os­car Isaac im­po­niert gleich­falls in der Rol­le des kämp­fen­den Sym­pa­thie­trä­gers. Nicht ge­lun­gen ist die In­ter­pre­ta­ti­on des Os­car-Ge­win­ners Chris­ti­an Ba­le („The Figh­ter“). Ihm fehlt ir­gend­wie die Be­zie­hung zur Sto­ry. Ei­ne Ver­nich­tung hat der an­nehm­ba­re Strei­fen an den Ki­no­kas­sen je­den­falls nicht ver­dient. Ih­re ei­ge­ne Mei­nung kön­nen sich die deut­schen Ki­no­ge­her ab dem 17. Au­gust bil­den.

Pe­ter Va­len­ta

LOVESTORY IM ERS­TEN WELT­KRIEG: Michael (Os­car Isaac) und die schö­ne Künst­le­rin Ana (Char­lot­te Le Bon) ver­lie­ben sich hoff­nungs­los in­ein­an­der. Fo­to: Ca­pe­light

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