Lu­xu­ri­ös über die grü­ne In­sel

Der „Grand Hi­ber­ni­an“

Pforzheimer Kurier - - REISE -

Wie­sen in Irisch­grün ge­spren­kelt mit wei­ßen Scha­fen, klei­ne Hö­fe, die sich in Tal­mul­den du­cken, von Burg­rui­nen ge­krön­te Hü­gel. Ei­ne film­rei­fe Land­schaft ent­fal­tet sich vor den Zug­fens­tern des Grand Hi­ber­ni­an, wäh­rend die Pas­sa­gie­re drin­nen im fah­ren­den Di­ning Room spei­sen oder im Ob­ser­va­ti­on Car das Pan­ora­ma ge­nie­ßen. Den Nost­al­gie­zug schickt das Tou­ris­mus­un­ter­neh­men Bel­mond auf Schie­nen­kreuz­fahrt. In Mit­ter­nachts­blau la­ckiert sind die zehn Wag­gons der Irish Rail nicht wie­der zu er­ken­nen. Bel­monds De­si­gner ha­ben gan­ze Ar­beit ge­leis­tet und die ehe­mals pro­fa­nen Ab­tei­le in kom­for­ta­ble Sui­ten um­ge­wan­delt, die den ma­xi­mal 40 Gäs­ten das Ge­fühl ge­ben, in ei­nem iri­schen Coun­try-Hou­se zu Gast zu sein.

Der Grand Hi­ber­ni­an hält, was er ver­spricht: Die Gäs­te wer­den rund­um ver­wöhnt – auch bei den Aus­flü­gen. Sie sind die ers­ten im Park von Blar­ney Cast­le. Sie be­kom­men al­les ex­klu­siv und im Über­fluss. Und das ist es auch, was die – ver­wöhn­ten – Gäs­te er­war­ten. Der stil­le Ire war schon auf den meis­ten Zü­gen der Welt un­ter­wegs, die lau­te Ame­ri­ka­ne­rin mit den teu­ren Klun­kern ist in den Lu­xus­ho­tels die­ser Welt zu Hau­se, die äl­te­re En­g­län­de­rin hat sich den Grand Hi­ber­ni­an ge­leis­tet, weil sie die In­ti­mi­tät der Zug-Kreuz­fahr­ten schätzt. Es ist ein bun­tes Völk­chen, das sich am ers­ten Tag im Ob­ser­va­ti­on Car zu­sam­men fin­det, um sich von Gui­de Vin­cent Ge­schich­ten aus und über Ir­land er­zäh­len zu las­sen. Der stu­dier­te Archäo­lo­ge kann über den Os­ter­auf­stand 1916 ge­gen die bri­ti­schen Be­sat­zer eben­so plau­dern wie über die Guin­ness Bie­re, über die Wi­kin­ger eben­so wie über den iri­schen Whis­key.

Der ers­te Aus­flug führt in die Ja­me­son De­stil­le­rie in Mid­le­ton, auf den ers­ten Blick ein klei­nes Dorf mit vik­to­ria­ni- scher Ar­chi­tek­tur, wo seit dem 18. Jahr­hun­dert Whis­key de­stil­liert wird. 1 000 Fäs­ser la­gern in Mid­le­ton, je­des Fass ist 40 000 Eu­ro wert. Auch im Zug ist die Aus­wahl an iri­schen Whis­keys groß. Dar­auf ach­tet Sha­ne, der Bar­mann. Ei­ne Fla­sche Mid­le­ton gibt’s schon ab 60 Eu­ro, ein Schnäpp­chen.

Beim Din­ner zeigt Chef­koch Al­lan Woods, was Ir­lands Kü­che her­gibt. Der 41-Jäh­ri­ge aus Cork hat den Ehr­geiz, die Land­schaft auf den Tisch zu brin­gen und be­rück­sich­tigt bei der Pla­nung der Ge­rich­te die Rou­te des Zu­ges. Am liebs­ten mag er’s wild: wild wach­sen­de Kräu­ter, wild le­ben­de Fi­sche, frei ge­hal­te­ne Käl­ber.

Am nächs­ten Mor­gen geht es nach Blar­ney Cast­le, zum be­rühm­ten Blar­ney Sto­ne, den all­jähr­lich ei­ne hal­be Mil­li­on Men­schen küs­sen. Der enor­me Zu­spruch liegt wohl an der Le­gen­de, die sich um die­sen glatt po­lier­ten St­ein rankt, der an­geb­lich aus dem Hei­li­gen Land stammt. Da­nach soll je­der, der ihn küsst, die Ga­be der Elo­quenz er­lan­gen. Und wer möch­te nicht mit Be­red­sam­keit über­zeu­gen?

Ir­lands längs­ter und si­cher auch schöns­ter Pas­sa­gier­zug ist ein Hin­gu­cker. Das weiß auch Tom Ryan, der Lo­ko­mo­tiv­füh­rer aus Tip­pera­ry, der seit 35 Jah­ren bei Irish Rail ar­bei­tet. Der nächs­te Pro­gramm­punkt ist ei­ne Pfer­de­kutsch­fahrt. Patrick ist ein Ire wie aus dem Bil­der­buch, blau­äu­gig und mit­teil­sam. Wäh­rend er sei­ne Witz­chen reißt, übers iri­sche Wet­ter phi­lo­so­phiert und Fuß­gän­ger vom Weg scheucht, trot­tet sein Pferd Jack er­ge­ben vor sich hin. Die Aus­flüg­ler sind um­ge­ben von ei­nem Zau­ber­wald, aus

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