Vie­les rich­tig ge­macht

Pforzheimer Kurier - - POLITIK - WOLF­GANG VOIGT

Nahm die Eu­ro­pa­po­li­tik in frü­he­ren Jah­ren vor al­lem die Mit­glieds­staa­ten als Gan­zes in den Blick, so­bald es um In­no­va­ti­ons­kraft und Wirt­schafts­ent­wick­lung ging, so ist der Fo­kus heu­te un­gleich dif­fe­ren­zier­ter: Die Re­gio­nen und ih­re öko­no­mi­sche Po­tenz ha­ben zwi­schen­zeit­lich ein gro­ßes Ge­wicht. Die­se klein­tei­li­ge Be­stands­auf­nah­me ist zeit­ge­mäß. Sie er­mög­licht die nö­ti­ge re­gio­na­le Trenn­schär­fe und im Be­darfs­fall punkt­ge­nau­es Nach­steu­ern. Mit ei­nem Er­geb­nis wie dem ak­tu­el­len: Die Re­gi­on Karls­ru­he hat vie­les rich­tig ge­macht in den ver­gan­ge­nen Jah­ren. Ih­re Per­spek­ti­ven im re­gio­na­len Wett­be­werb der Zu­kunft sind dem­zu­fol­ge er­freu­lich.

Na­tür­lich dür­fen sich die In­no­va­ti­ons­Prot­ago­nis­ten jetzt nicht auf die fau­le Haut le­gen. Denn die al­te Weis­heit, wo­nach die Luft dün­ner wird, je wei­ter man es nach oben schafft, gilt erst recht im har­ten Wett­be­werb um Zu­kunfts­ide­en. Le­bens­qua­li­tät setzt Pro­spe­ri­tät vor­aus, und Wohl­stand braucht In­no­va­ti­on. Dass hier Karls­ru­he gut im Ren­nen liegt, zeigt schon das an­hal­ten­de Be­völ­ke­rungs­wachs­tum

im Ober­zen­trum. Da­mit ist der zu­nächst so abs­trakt klin­gen­de In­no­va­ti­ons­be­griff höchst kon­kret: Oh­ne In­no­va­ti­ons­kraft blei­ben Ur­ba­ni­tät, Kul­tur und Le­bens­qua­li­tät auf der Stre­cke.

Die ak­tu­el­le In­no­va­ti­ons­stu­die der EU zeigt aber noch et­was an­de­res: Die al­ler­meis­ten re­gio­na­len In­no­va­ti­ons­füh­rer fin­den sich in je­nen Län­dern, de­ren Zen­tral­re­gie­run­gen ih­rer­seits ei­nen gu­ten Job in For­schungs- und Wirt­schafts­po­li­tik ma­chen. Re­gio­na­le Ex­zel­lenz­ni­schen sind auf dem gan­zen Kon­ti­nent die gro­ße Aus­nah­me. Prag ist da­für ein Bei­spiel: Im Eu­ro­pa­ver­gleich spielt die tsche­chi­sche Ka­pi­ta­le weit vorn, die Re­pu­blik selbst ist in Sa­chen In­no­va­ti­ons­kraft aber kaum der Re­de wert.

Die gu­te Per­for­mance der Karls­ru­her Re­gi­on ist kein Selbst­läu­fer. Ähn­lich wie ein Ster­ne­koch, der sein Ni­veau Jahr für Jahr mit viel Auf­wand zu ver­tei­di­gen sucht, muss auch die In­no­va­ti­ons­re­gi­on am Ball blei­ben. Da­zu braucht es das schnellst­mög­li­che In­ter­net und es braucht Krea­ti­vi­tät – für The­men wie Ver­kehrs­ver­net­zung und Elek­tro­mo­bi­li­tät.

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