Die US-Wirt­schaft steht im Saft Die Wo­che an der Bör­se Von Fi­nanz­jour­na­lis­tin Ve­ro­ni­ka Csi­zi

Dem deut­schen Leit­in­dex Dax fehlt die Dy­na­mik der ame­ri­ka­ni­schen Märk­te

Pforzheimer Kurier - - WIRTSCHAFT -

„Vie­le Men­schen in Deutsch­land über­schät­zen das Ri­si­ko der Ak­ti­en­märk­te und un­ter­schät­zen die Chan­cen“, sagt Ve­ro­ni­ka Csi­zi. Die Fi­nanz­jour­na­lis­tin lässt für die Le­se­rin­nen und Le­ser je­de Wo­che das Bör­sen­ge­sche­hen Re­vue pas­sie­ren und er­klärt da­bei die Zu­sam­men­hän­ge.

Acht­mal in Fol­ge hat der US-Leit­in­dex Dow Jo­nes zu­letzt ei­nen neu­en Re­kord­wert er­klom­men. Auch wenn die mas­si­ve Stär­ke der ame­ri­ka­ni­schen Ak­ti­en­märk­te vie­len Eu­ro­pä­ern in­zwi­schen un­heim­lich er­scheint, so hat sie ih­ren Grund: Denn die Re­kor­de an den Bör­sen sind durch Re­kor­de oder zu­min­dest sehr gu­te Wer­te aus der Re­al­wirt­schaft ge­deckt. Zu­letzt et­wa sank die Ar­beits­lo­sen­ra­te auf den nied­rigs­te Wert seit 16 Jah­ren. Dies zeigt: die USWirt­schaft steht satt im Saft.

Auch der Dax pro­fi­tier­te da­von und stieg im Wo­chen­ver­lauf um 1,1 Pro­zent auf 12 298 Punk­te. Die Dy­na­mik der US-Märk­te aber fehlt ihm. Hart an­ge­schla­gen sind, nicht erst seit der Die­sel­af­fä­re und dem Vor­wurf der Kar­tell­bil­dung, vor al­lem die Au­to­wer­te. Daim­ler no­tiert ak­tu­ell 17 Pro­zent un­ter sei­nem Jah­res­hoch aus dem Ja­nu­ar, VW 15 und BMW im­mer noch gut zehn Pro­zent. Die Kurs-Ge­winn-Ver­hält­nis­se sind auf Wer­te zwi­schen fünf und gut sie­ben zu­sam­men­ge­schmol­zen, ei­ne fast schon ab­surd nied­ri­ge Be­wer­tung. Al­ler­dings: Ge­mes­sen am Pes­si­mis­mus der meis­ten Kom­men­ta­re zum The­ma Au­to­in­dus­trie hät­ten die Kur­se ei­gent­lich noch deut­lich stär­ker ein­bre­chen müs­sen.

Die re­la­ti­ve Be­son­nen­heit vie­ler An­le­ger zeigt: Die Stim­mung ist deut­lich schlech­ter als die La­ge. Al­le drei Kon­zer­ne ver­die­nen satt. Das Die­sel­pro­blem ist zu­dem vor al­lem ei­nes der Ver­gan­gen­heits-Be­wäl­ti­gung, die deut­schen Au­to­her­stel­ler blei­ben tech­no­lo­gisch „sta­te of the art“, wenn ab Herbst der neue Stan­dard Eu­ro-6-D auf den Markt kommt. Soll­ten Straf­zah­lun­gen auf die Au­to­fir­men zu­kom­men, so dürf­ten sie an­ge­sichts der spru­del­nen Ge­win­ne durch­aus zu ver­kraf­ten sein. Ob deut­sche Au­to­her­stel­ler lang­fris­tig at­trak­tiv sind, lässt sich aus heu­ti­ger Sicht nicht be­ant­wor­ten.

Nach­dem im Au­gust nun die Nord­halb­ku­gel größ­ten­teils in der Som­mer­fri­sche ist, die Bör­sen­um­sät­ze wohl eher nied­rig blei­ben wer­den, ist trotz der Sta­bi­li­sie­rung der ver­gan­ge­nen Wo­che in Deutsch­land wie­der mit schwa­chen Ta­gen zu rech­nen. In den USA wer­den nach der jüngs­ten Re­kord­fahrt frü­her oder spä­ter Kor­rek­tu­ren an­ste­hen, die dann auch die Kur­se in Eu­ro­pa drü­cken könn­ten.

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