Wir­bel mit spie­le­ri­scher Hei­ter­keit

Volks­schau­spie­le Ötig­heim zei­gen Sha­ke­speares Ko­mö­die „Ein Som­mer­nachts­traum“

Pforzheimer Kurier - - KULTUR - Mar­kus Mer­tens

Viel­leicht ist das in Ötig­heim ja al­les nur ein Traum, der in gro­ßem Ju­bel auf­geht. Ein Traum, der viel­leicht nie so le­ben­dig war wie jetzt. Nach knapp drei St­un­den spen­det das Pu­bli­kum im aus­ver­kauf­ten Halb­rund der Volks­schau­spie­le ste­hend Bei­fall, um dem 40-köp­fi­gen En­sem­ble zu sei­ner Deu­tung von Sha­ke­speares „Som­mer­nachts­traum“zu­zu­ju­beln.

Re­gis­seur Tho­mas Höh­ne hat­te es im Ge­spräch zur Ge­ne­ral­pro­be schon ge­sagt: „Der ‚Som­mer­nachts­traum’ lässt sich nicht aus­er­zäh­len. So­lan­ge wir Men­schen sind und da­mit die­se Ge­schöp­fe blei­ben, die zwi­schen Macht und Lie­be hin- und her­ge­wor­fen wer­den, wird uns die­ser Stoff im­mer be­tref­fen.“Und Höh­ne hat Wort ge­hal­ten. Der Schau­spie­ler und Re­gis­seur schafft hier ei­ne Fan­ta­sie­welt, die die na­tür­li­chen Ge­ge­ben­hei­ten das opu­len­ten Ge­län­des prä­zi­se aus­lo­tet, zu ei­nem phan­tas­ti­schen Ort ma­gi­scher Rea­lis­men aus­ge­stal­tet – und ihn da­bei doch nicht über­reizt. Es ist ein Ort, der uns be­trifft.

Das nimmt schon in der Op­tik sei­nen An­fang. Ko­s­tüm­bild­ne­rin Ul­ri­ke Weß­be­cher hat die El­fen- und Men­schen­welt mit Stof­fen zwi­schen Na­tu­ra­lis­mus und Rea­lis­mus zwar scharf von­ein­an­der ge­trennt, mit dem drei­fach weib­li­chen Puck (Sa­rah Be­cker, An­na Be­ckert und Ma­de­lei­ne Kühn) je­doch ei­ne Fi­gur spie­le­ri­scher Hei­ter­keit in die Mit­te ge­setzt, die bei­de Sei­ten kräf­tig durch­ein­an­der­wir­belt, um für ei­ne – durch und durch ge­nieß­ba­re – Span­nung zu sor­gen. Das macht den Ötig­hei­mer „Som­mer­nachts­traum“auch zu ei­nem Glück zeit­lo­ser Gül­tig­keit. Dass nicht hier oder dort noch ein Or­na­ment an­ge­bracht, son­dern auf die Wir­kungs­kraft des Tex­tes ver­traut wird, die nach wie vor er­gie­big ist – je­den­falls, wenn er so le­ben­dig durch die Rei­hen schallt wie hier.

Im durch­weg star­ken En­sem­ble sind es die lei­ten­den Fi­gu­ren, die den 160 Mi­nu­ten vor der gro­ßen stei­ner­nen Burg Tie­fe ver­lei­hen und die Wild­heit und Hu­mor des Stof­fes kei­nes­wegs schwä­chen. Zu­vor­derst ist da Eric van der Zwaag, der Pro­fi-Gast im am­bi­tio­nier­ten Ama­teurEn­sem­ble, zu nen­nen, der den El­fen­fürs­ten Obe­ron nicht nur Bos­haf­tig­keit und Scharf­sinn, son­dern auch Ver­ant­wor­tungs­be­wusst­sein und ei­ne em­pha­ti­sche Moral mit­gibt, was die Fi­gur zwi­schen Sor­ge und Hoch­mut schwe­ben lässt. Auch die drei Pucks spen­den dem Abend durch­weg fast schon un­ver­schämt lus­ti­ge Spit­zen ei­nes Hu­mors, des­sen gu­ter Ge­schmack kaum ei­ne Gren­ze fin­det. Doch auch und vor al­lem Paul Hug ist zu lo­ben. Mit wel­chem Ta­ten­drang er als in der Rol­le des thea­ter­be­geis­ter­ten Hand­wer­kers Ni­ko­laus Zet­tel sei­ne Mit­hand­wer­ker an­treibt, je­doch auch selbst zu ei­ner Traum­ge­stalt wird, als er – zum Esel ver­wan­delt – von der El­fen­kö­ni­gin Ti­t­an­tia (stark, Lis­si Hatz) ver­wöhnt wird: schlicht­weg herr­lich.

Das die Hand­lung aus­lö­sen­de Ver­wirr­spiel um zwei jun­ge Lie­bes­paa­re hat mit Ju­li­an Baum­stark als De­me­tri­us, Ste­pha­nie Kuhn als Her­mia, Leo­no­ra Mi­ha­jl­ov als gran­di­os zer­ris­se­ne He­le­na und Jo­han­nes Tüg als stren­gem Ly­san­der ei­ne Be­set­zung, die sich ih­re Fi­gu­ren aufs Bes­te zu ei­gen macht. Und dann gibt es noch pracht­vol­le Bil­der wie je­nes der irr­lich­tern­den El­fen am Ab­hang der Fest­spiel­wie­se – da ist al­les, was ei­nen Sha­ke­speare im bes­ten Sin­ne aus­ma­chen kann: be­herz­ter Scherz, dra­ma­ti­scher Ernst, tief­grün­di­ge Pas­si­on und ei­ne Hand­lungs­strin­genz, die selbst über die Stre­cke nichts an Span­nung ver­liert. Was kann, was soll Thea­ter mehr?

i Ter­mi­ne

11., 12., 19. und 26. Au­gust, je­weils um 20 Uhr, Volks­schau­spie­le Ötig­heim. – In­ter­net: www.volks­schau­spie­le.de.

Fo­to: Klenk

IM BANN DES ELFENWALDES lan­det der so ta­ten­durs­ti­ge wie toll­pat­schi­ge Hand­wer­ker Ni­ko­laus Zet­tel (Paul Hug), der sich nach ei­ner Ver­wand­lung plötz­lich von der El­fen­kö­ni­gin Ti­ta­nia (Lis­si Hatz) ver­wöhnt sieht.

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