Ali­ce lässt Ma­ri­lyn alt aus­se­hen

Matsch­wet­ter und Me­tal­ve­te­ra­nen: Ein­drü­cke vom 28. Wa­cken-Fes­ti­val

Pforzheimer Kurier - - KULTUR - Mi­nea Lin­ke

Je­des Jahr am ers­ten Au­gust­wo­chen­en­de er­obern Bil­der von Schlamm ge­ba­de­ten Hea­vy-Me­tal-Fans die Me­di­en. Der Schlamm ist mitt­ler­wei­le, ne­ben dem le­gen­dä­ren Kuh­schä­del, das Mar­ken­zei­chen des größ­ten Hea­vy-Me­tal-Fes­ti­vals der Welt und blieb auch im 28. Fes­ti­valJahr nie­man­den er­spart. Die Ver­an­stal­ter hat­ten aber erst­mals zu­min­dest die Haupt­we­ge mit Geh­weg-Plat­ten be­fes­tigt. Für die Ori­en­tie­rung im Cam­pin­gSumpf wur­den zu­dem Weg­schil­der in­stal­liert. Und na­tür­lich gleich in der ers­ten Nacht bier­fröh­lich in al­le Rich­tun­gen ver­dreht.

Schon am Mitt­woch­abend wur­den Früh­an­rei­sen­de mit Kult­bands wie Flot­sam and Jet­sam, Ugly Kid Joe oder der Trash-Me­tal Le­gen­de An­ni­hilator im Par­ty-Zelt warm ge­macht. Der Don­ners­tag war wie üb­lich ge­prägt von den Rock Klas­si­kern. Sta­tus Quo, die buch­stäb­lich schon die gan­ze Welt ge­rockt ha­ben, wirk­ten et­was schwäch­lich und konn­ten erst mit ih­rem Su­per­hit „In The Ar­my Now“die Men­ge für sich be­geis­tern. Eu­ro­pe hin­ge­gen legt nach dem le­gen­dä­ren Wa­cken-Auf­tritt 2015 noch­mal or­dent­lich nach und spiel­te sich er­neut in die Her­zen der Me­tal-Ge­mein­de.

Mit der So­lin­ger Stahl­schmie­de Ac­cept läu­ten dann end­lich die har­ten Glo­cken. Ge­mein­sam mit ei­nem Orches­ter spie­len sie ne­ben Klas­si­kern wie „Pan­de­mic“oder „Rest­less and Wild“, erst­mals auch Stü­cke ih­rer neu­en Schei­be „The Ri­se Of Cha­os“. Gleich mit dem ers­ten neu­en Song „Die By The Sword“packt Ac­cept die Fans beim Na­cken und lässt sie nicht mehr los. Tau­sen­de Fäus­te schie­ßen in die Luft – für vie­le be­gann Wa­cken erst mit die­sem Auf­tritt rich­tig. Kein leich­ter Start für Vol­beat. Die Band aus Ko­pen­ha­gen, die ge­fühlt nie ein Ge­heim­tipp war, son­dern vor zehn Jah­ren senk­recht nach oben star­te­te, schüt­tel­te trotz­dem sou­ve­rän-lo­cker ei­ne über­zeu­gen­de Show aus dem Är­mel. Be­son­de­res High­light: Grow­ling Mas­ter Mark „Bar­ney“Gre­en­way von Na­palm De­ath kam für den Song „Eve­lyn“mit auf die Büh­ne – mit Si­cher­heit ei­ne Stern­stun­de des Wa­cken-Wo­che­n­en­des.

Am Frei­tag ga­ben sich ne­ben Tri­vi­um, Gra­ve Dig­ger oder Em­peror auch Me­ga­deth und Ma­ri­lyn Man­son die Eh­re. Da­ve Mustai­ne von Me­ga­deth zeig­te sich un­ge­wöhn­lich gut ge­launt und ging auf Tuch­füh­lung mit dem Pu­bli­kum. Grin­send spiel­te er sich durch sein kom­plet­tes Re­per­toire „You’ve be­en gre­at! And we are Me­ga­deth!“. Dan­ke, Da­ve! Der mit gro­ßer Neu­gier er­war­te­te Auf­tritt des Schock-Ro­ckers Ma­ri­lyn Man­son hin­ge­gen be­gann schon ver­däch­tig un­mo­ti­viert, wirk­te un­nö­tig lang­ge­zo­gen und wur­de auch we­der durch ho­he Stel­zen, die er recht un­be­hol­fen trug, noch durch sein Mi­kro­fon das wie ein gro­ßes, blut­ver­schmier­tes Mes­ser aus­sah, in­ter­es­san­ter.

Der Sams­tag star­tet mit Bey­ond the Black und Hea­ven Shall Burn, be­vor Po­wer­wolf die Büh­ne be­tre­ten – die weiß ge­schmink­ten Saar­län­der im­mer wie­der ein gern ge­se­he­ner Gast in Wa­cken. Das Wet­ter ist aus­nahms­wei­se gut und die Me­tal-Men­ge be­ginnt wie­der fes­ten Bo­den un­ter den Fü­ßen zu be­kom­men. Auch Kin­der mit gro­ßen Kopf­hö­rern zie­ren hier und da die Schul­tern ih­rer El­tern. Da kommt es schon ein­mal vor, dass sich ein Lut­scher vom Se­cu­ri­ty­Gr­a­ben crowd­sur­fend über die Köp­fe zu klei­nen Hän­den auf­macht. Mit vol­ler Wucht be­tritt dann end­lich Ali­ce Cooper die Büh­ne und gibt mit „Bru­tal Pla­net“ei­ne kla­re An­wei­sung an die trock­nen­den Fans. Mit­ma­chen oder Heim­ge­hen! Kei­ner wagt den Platz zu ver­las­sen. Denn nie­mand gewinnt so schnell die Ober­hand über ein Pu­bli­kum wie der Alt­meis­ter Cooper. 75 000 Me­tal-Fans stim­men bei „Poi­son“mit ein. Ali­ce di­ri­giert mit sei­nem Stock die Mas­sen. Hier hät­te sich Ma­ri­lyn Man­son ei­ne gro­ße Schei­be mit sei­nem Mi­kro­fon ab­schnei­den kön­nen.

Es fol­gen un­ter an­de­rem Amon Amarth, Krea­tor und Avan­ta­sia, be­vor Wa­cken mit Sub­way to Sally das Fes­ti­val aus­klin­gen lässt. Die ers­ten Ban­dan­kün­di­gun­gen für Wa­cken 2018 sind Night­wish, Epi­ca, Do­ro, Se­pul­tu­ra und Run­ning Wild. Es bleibt span­nend wel­che Bands die Ma­cher in den nächs­ten Mo­na­ten noch aus dem Hut zau­bern wer­den. Auf ei­ne treue Fan-Ge­mein­de kann sich Wa­cken auch im kom­men­den Jahr ver­las­sen.

Fo­to: Lin­ke

WAS WÄ­RE WA­CKEN oh­ne Schlamm? Für vie­le Fans nur halb so lus­tig.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.