Ver­net­zung als Prin­zip

Mu­se­ums­chef und Ma­cher: Mar­tin Roth ge­stor­ben

Pforzheimer Kurier - - KULTUR -

Am be­kann­tes­ten war Mar­tin Roth wohl da­für, als ers­ter deut­scher Mu­se­ums­ma­cher mit dem tra­di­ti­ons­rei­chen Vic­to­ria and Al­bert Mu­se­um in Lon­don ein bri­ti­sches Top-Mu­se­um zu lei­ten. Doch auch vor die­sem Amt, das er von 2011 bis 2016 aus­üb­te, hat­te der 1955 in Stutt­gart ge­bo­re­ne Kul­tur­wis­sen­schaft­ler, der ges­tern nach schwe­rer Krank­heit in Ber­lin ge­stor­ben ist, mit sei­ner Ar­beit viel Auf­se­hen er­regt. So war er im Jahr 2000 bei der Ex­po in Han­no­ver für die The­men­parks zu­stän­dig. Von 2001 bis 2011 war er Ge­ne­ral­di­rek­tor der Staat­li­chen Kunst­samm­lun­gen Dres­den. In Lon­don schließ­lich or­ga­ni­sier­te er Aus­stel­lun­gen über Da­vid Bo­wie oder den Mo­de­de­si­gner Alex­an­der McQueen, die bei Pu­bli­kum und Kri­ti- kern glei­cher­ma­ßen gut an­ka­men. Auch die Kon­zep­ti­on zur Aus­stel­lung über die Band Pink Floyd war noch un­ter sei­ner Ägi­de vor­ge­stellt wor­den. 2016 wur­de das Vic­to­ria and Al­bert Mu­se­um mit dem „Art Fund Pri­ze Mu­se­um of the Ye­ar“aus­ge­zeich­net – im glei­chen Jahr ver­ließ Roth das Haus. Da­bei führ­te er un­ter an­de­rem an, er emp­fin­de den Br­ex­it als „per­sön­li­che Nie­der­la­ge“. Hier­bei wen­de­te er sich aus­drück­lich ge­gen „na­tio­na­lis­ti­sche und an­ti­eu­ro­päi­sche Strö­mun­gen“. Im Deutsch­land­funk sag­te er da­mals, es sei „er­bärm­lich“, was die Kunst- und Kul­tur­welt ge­gen po­li­ti­sche und ge­sell­schaft­li­che Be­dro­hun­gen un­ter­neh­me. Man schaue nur zu und be­fas­se sich mit sich sel­ber.

Über­re­gio­na­le und in­ter­na­tio­na­le Ver­net­zung war ein Mar­ken­zei­chen sei­ner Ar­beit. In der On­line-Nach­richt der „Dresd­ner Neu­es­ten Nach­rich­ten“zu sei­nem Tod hieß es, Roth ha­be „den Dresd­ner Mu­se­ums­ver­bund in sei­nen Lei­tungs­jah­ren wie­der stär­ker auf die Land­kar­te in­ter­na­tio­na­ler Aus­stel­lun­gen“ge­setzt, „vor al­lem in Ko­ope­ra­ti­on mit den Staat­li­chen Mu­se­ums­ver­bün­den in Ber­lin und Mün­chen“. Auch in ei­ner of­fi­zi­el­len Er­klä­rung zu sei­nem Ab­schied aus Lon­don hieß es, Roth wol­le sich ver­stärkt ver­schie­de­nen in­ter­na­tio­na­len Kul­tur­be­ra­tun­gen wid­men. Als er dann al­ler­dings im ver­gan­ge­nen Mai als KoKu­ra­tor des Pa­vil­lons von Aser­bai­dschan auf der ak­tu­el­len Bi­en­na­le von Ve­ne­dig auf­trat, weh­te ihm auf­grund sei­nes En­ga­ge­ments für die Au­ßen­dar­stel­lung ei­nes au­to­ri­tär ge­führ­ten Lan­des har­sche Kri­tik ent­ge­gen – auch, weil er das Land zu­nächst als „Blue­print für To­le­ranz“be­zeich­ne­te, be­vor er er­klär­te, die Rol­le der Zi­vil­ge­sell­schaft stär­ken zu wol­len.

Roth hat­te in Tü­bin­gen Em­pi­ri­sche Kul­tur­wis­sen­schaft stu­diert und war dort 1987 pro­mo­viert wor­den. 1991 wur­de er Di­rek­tor des Deut­schen Hy­gie­ne­Mu­se­ums in Dres­den, 2001 wech­sel­te er zu den Kunst­samm­lun­gen und wirk­te in Dres­den zu­dem als Ho­no­rarpro­fes­sor für Kul­tur­po­li­tik und Kul­tur­ma­nage­ment an der Tech­ni­schen Uni­ver­si­tät. Zu­letzt war er eh­ren­amt­lich als Prä­si­dent des in Stutt­gart an­säs­si­gen In­sti­tuts für Aus­lands­be­zie­hun­gen (IfA) tä­tig. Zu sei­nen Aus­zeich­nun­gen ge­hört die Er­nen­nung zum Rit­ter im fran­zö­si­schen „Ord­re des Arts et des Lettres“2008. ja/dpa

Fo­to: dpa

IN­TER­NA­TIO­NAL BE­KANNT: Mar­tin Roth.

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