Ex­per­ten tes­ten mas­sen­wei­se Eier

Her­aus­for­de­rung für Le­bens­mit­tel­che­mi­ker

Pforzheimer Kurier - - BLICK IN DIE WELT - Von un­se­rer Mit­ar­bei­te­rin Kris­tin Krut­haup

Müns­ter. Wenn die Eier für die Tests auf Gift im Un­ter­su­chungs­amt an­kom­men, steht al­les be­reit. Das fünf­köp­fi­ge Team in Müns­ter re­gis­triert die Pro­ben, dann wer­den im­mer zwölf Eier in ei­ne Schüs­sel ge­schla­gen und ge­mixt. Da­nach kommt ei­ne Pro­be in ein 400 000 Eu­ro teu­res Mess­ge­rät.

„So sieht das nachher aus“, sagt Klaus Wil­mers, Lei­ter des Pes­ti­zid-La­bors am Che­mi­schen und Ve­te­ri­när­un­ter­su­chungs­amt Müns­ter­land-Em­scherLip­pe (CVUAMEL). Er deu­tet am Com­pu­ter auf ei­ne Kur­ve: „Wenn es hier Aus­schlä­ge ge­ben soll­te, ist Fi­pro­nil drin.“Seit be­kannt wur­de, dass mit dem In­sek­ti­zid Fi­pro­nil be­las­te­te Eier in den deut­schen Han­del ge­langt sind, ar­bei­ten die Ex­per­ten am CVUAMEL in Müns­ter an der Auf­klä­rung. Rund zehn Mil­lio­nen Eier könn­ten deutsch­land­weit be­trof­fen sein, viel­leicht aber auch mehr. Das Amt prüft nun für Eier aus Nord­rhein-West­fa­len – zu­sam­men mit ei­nem wei­te­ren Amt in Kre­feld –, ob und ge­ge­be­nen­falls wie viel Fi­pro­nil in den Ei­ern ent­hal­ten ist.

Dass über­haupt Fi­pro­nil in Ei­ern ist – für den Ex­per­ten war das ei­ne Über­ra­schung. „Wir prü­fen nor­ma­ler­wei­se pflanz­li­che Pro­duk­te wie Ge­mü­se und Obst auf Fi­pro­nil“, sagt er. „In tie­ri­schen Pro­duk­ten wie Ei­ern war es uns bis da­to nicht so be­kannt.“

Fi­pro­nil ist ein zu­ge­las­se­nes Pflan­zen­schutz­mit­tel, wie Pe­ter Fürst, Vor­stands­chef des CVUA-MEL, er­klärt. Es wird aber auch zur Be­kämp­fung et­wa von Läu­sen ein­ge­setzt. Die An­wen­dung bei Tie­ren, die Le­bens­mit­tel lie­fern, ist nicht er­laubt. Nach dem der­zei­ti­gen Er­mitt­lungs­stand kam es mut­maß­lich über ein bei der Stall­rei­ni­gung ein­ge­setz­tes Rei­ni­gungs­mit­tel, „De­ga-16“, in die Eier. Das Rei­ni­gungs­mit­tel hät­te ei­gent­lich nur aus äthe­ri­schen Ölen wie Menthol und Eu­ka­lyp­tus be­ste­hen dür­fen – es war aber Fi­pro­nil bei­ge­mischt. „Es soll­te emp­find­li­che Stra­fen für sol­che kri­mi­nel­len Ma­chen­schaf­ten ge­ben“, for­dert der Pro­fes­sor.

Der Ex­per­te rech­net da­mit, dass sich der Skan­dal aus­wei­tet: „Es ist na­he­lie­gend, dass es bei Ei­ern nicht blei­ben wird.“Rück­stän­de von Fi­pro­nil sei­en mög­li­cher­wei­se auch in Pro­duk­ten wie Mayon­nai­se oder Eier­li­kör zu fin­den.

„Kri­mi­nel­le Ma­chen­schaf­ten“

Fo­to: dpa

VOR DER KON­TROL­LE: Le­bens­mit­tel­che­mi­ker ste­hen we­gen des Eier-Skan­dals vor ei­ner enor­men Her­aus­for­de­rung. Sie prü­fen nor­ma­ler­wei­se pflanz­li­che Pro­duk­te auf Fi­pro­nil-Rück­stän­de.

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