KSC schießt We­hen mit Wucht aus dem Wild­park

Fink und Bü­low bü­geln mit ih­ren se­hens­wer­ten Tref­fern Gor­dons Pat­zer aus / Mus­li­ja be­geis­tert und Wa­nit­zek sieht Gelb-Rot

Pforzheimer Kurier - - SPORT - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Re­né Dan­kert FEIN­GE­FÜHL am Ball: Flo­rent Mus­li­ja. Fo­to: GES Fo­to: ima­go

Karls­ru­he. Der Ab­pfiff im Wild­park brach­te am Sams­tag­nach­mit­tag ein kol­lek­ti­ves „Jaaa“der Er­leich­te­rung im Rund her­vor. Auch Marc Lo­renz, der flei­ßi­ge Vor­ar­bei­ter der Heim­elf, fei­er­te das 2:1 (0:1) wie ei­ne Er­lö­sung. Vis-à-vis der Gäs­te-Ban­k­rei­he hat­te er sich auf­ge­baut und bei­de Fäus­te ge­ballt. Beim SV We­hen Wies­ba­den ka­men die Po­sen des Ehe­ma­li­gen „pein­lich-pro­vo­kant“an, was bald auf de­ren Home­page nach­zu­le­sen war, samt des säu­er­li­chen Kom­men­tars: „Aber wer’s braucht.“

Es stimm­te ja. Lo­renz und der KSC hat­ten die­sen Mo­ment am vier­ten Spiel­tag nö­tig. „Rie­sig“sei der von al­len ab­ge­fal­le­ne St­ein, wür­de der KSCZu­gang aus We­hen spä­ter zu­ge­ben. Und die Be­frei­ung war auch sei­nem Trai­ner Marc-Patrick Meis­ter an­zu­mer­ken. Der klopf­te dem Tor­jä­ger An­ton Fink, der sei­nem Dritt­li­ga-Kon­to den 116. Tref­fer hin­zu­ge­fügt hat­te, in den Ka­ta­kom­ben mehr­mals kräf­tig auf die Schul­tern – und gab al­len für Sonn­tag frei.

Oben im Pres­se­raum stan­den spä­ter Vor­stand und Ma­nage­ment ei­ne Wei­le bei­sam­men. Man rät­sel­te, wes­halb nicht mehr als die of­fi­zi­ell 9 616 Zu­schau­er zu­se­hen woll­ten, als der Karls­ru­her SC die Gäs­te von der Ta­bel­len­spit­ze weh­te.

Be­son­ders wohl­tu­end war der ers­te Sai­son- und ers­te Heim­sieg seit dem 4. März (2:0 ge­gen Han­no­ver 96) für den Zweitliga-Ab­stei­ger, weil auch ein ka­pi­ta­ler Schnit­zer sei­nes In­nen­ver­tei­di­gers Da­ni­el Gor­don zur Un­zeit das Heim­team nicht um­warf. Fink (56.) von der Straf­raum­gren­ze mit ei­ner, wie selbst We­hens Coach Rü­di­ger Rehm schwärm­te, „sen­sa­tio­nel­len Di­rekt­ab­nah­me“ei­ner Lo­renz-Flan­ke und Ka­pi­tän Kai Bü­low (83.) per Kopf, eben­falls nach ge­fühl­vol­ler Vor­ar­beit von Lo­renz, wa­ren für das Vor­rü­cken des KSC auf den elf­ten Ta­bel­len­platz ver­ant­wort­lich.

Hek­tisch war es in der Schluss­pha­se zu­ge­gan­gen, als auf bei­den Sei­ten die Kräf­te schwan­den. Ei­ne Fol­ge: Mar­vin Wa­nit­zek wird das nächs­te Li­ga­spiel des KSC bei Fortu­na Köln am 18. Au­gust ver­pas­sen. Be­reits ver­warnt, soll Wa­nit­zek nach ei­nem Zwei­kampf mit Ste­phan An­d­rist beim Auf­ste­hen mit ei­nem Fuß ge­gen den We­he­ner nach­ge­sto­chert ha­ben. Als bei­de stan­den, schubs­te An­d­rist den KSC-Pro­fi weg, was ihm als Tät­lich­keit und so­mit rot-wür­dig aus­zu­le­gen ge­we­sen wä­re. Schieds­rich­ter Flo­ri­an Heft, in des­sen Rü­cken sich das ab­ge­spielt hat­te, ahn­de­te nach Rück­spra­che mit dem As­sis­ten­ten bei­des mit Gelb. Da­bei hat­te er of­fen­bar ver­ges­sen, dass Wa­nit­zek vor­be­las­tet war – mit Ver­zö­ge­rung gab’s Gelb-Rot.

Nicht Wa­nit­zek, da­für Gor­don wird dem KSC am Frei­tag (20.45 Uhr) im DFB-Po­kal­spiel ge­gen den Bun­des­li­gis­ten Bay­er Le­ver­ku­sen feh­len. Der Rou­ti­nier setzt dann das letz­te von vier Po­kal­spie­len aus, für die er nach sei­nem Feld­ver­weis am 8. Au­gust 2015 bei der bla­ma­blen KSC-Nie­der­la­ge in Reutlingen (1:3) ge­sperrt wor­den war. Drei ver­büß­te er ver­gan­ge­ne Sai­son beim Ach­tel­fi­na­lis­ten SV Sand­hau­sen. Was nach dem mä­ßi­gen Ein­stieg in die Dritt­li­ga-Sai­son für den KSC ge­gen Bay­er drin sein wird? „Da ist al­les mög­lich. Wir ha­ben ei­ne klei­ne Chan­ce, und die wol­len wir nut­zen“, sprach aus Fink fri­sches Selbst­be­wusst­sein.

Und Gor­don? Der sei nach so ei­ner Fahr­läs­sig­keit wie am Sams­tag „der ers­te, der mit der Fa­ckel in der Ka­bi­ne steht“, mein­te Meis­ter mil­de, da sich lo­cke­rer über al­les re­den ließ. Bei Gor­don selbst klang das so: „Ich woll­te es nicht un­be­dingt span­nend ma­chen. Ich bin ein­fach nur froh, dass wir das Spiel ge­dreht ha­ben“, sag­te er zur Sze­ne in der 44. Mi­nu­te, als er sich im Auf­bau den Ball zu weit vor­ge­legt und so zum We­he­ner Ste­phan An­d­rist ge­spielt hat­te, was ei­ne Drei-ge­gen-zwei-Über­zahl­si­tua­ti­on zu­guns­ten der als Spit­zen­rei­ter an­ge­reis­ten Hes­sen pro­vo­zier­te: An­d­rist setz­te Ma­nu­el Sch­äff­ler ein, nach des­sen Qu­er­pass von rechts Alf Mint­zel den Ball über die Li­nie drück­te.

Für den KSC war das bit­ter, weil kein Ab­bild der Leis­tungs­ver­hält­nis­se auf dem Platz, wo die Gäs­te meist sehr tief ge­staf­felt und im Glück ge­we­sen wa­ren, dass es die stür­misch ge­star­te­te Heim­elf vor dem Tor nie ge­nau ge­nug ge­nom­men hat­te. Fink (2., 10.), der links ver­tei­di­gen­de Alex­an­der Sie­beck (5.) und der statt Jo­nas Föh­ren­bach auf­ge­bo­te­ne Start­elf-De­bü­tant Flo­rent Mus­li­ja (16.) wa­ren na­he dran, aber eben auch nicht mehr.

Noch kurz vor Gor­dons Aus­set­zer gab es auf der rech­ten An­griffs­sei­te des KSC ei­ne Sze­ne zu be­stau­nen, die ne­ben Finks Vol­ley­ab­nah­me die fuß­bal­le­risch form­voll­endets­te des Nach­mit­tags war: Mus­li­jas but­ter­wei­cher und fein ge­tim­ter Chip in den Lauf von Fink (42.), der dann aus halb­rech­ter Po­si­ti­on an SVWW-Schluss­mann Mar­kus Kol­ke schei­ter­te, war feins­te und beim KSC die­ser Ta­ge ra­re Kost. Über­haupt be­geis­ter­te der fre­che Teen­ager wie­der mit sei­ner Un­be­küm­mert­heit, auch wenn er nach ei­ner knap­pen Stun­de raus muss­te. „Ich ha­be ei­nen Schlag auf den Ober­schen­kel be­kom­men. Ei­ne Si­cher­heits­maß­nah­me“, be­rich­te­te Mus­li­ja, der zu­frie­den war mit sich: „Re­spekt ha­be ich schon. Aber ich ver­su­che, selbst­be­wusst zu sein, mein Spiel durch­zu­zie­hen. Ich den­ke, das ist mir gut ge­lun­gen. Das gan­ze Spiel wa­ren wir die do­mi­nan­te­re Mann­schaft, ha­ben är­ger­lich das Ge­gen­tor be­kom­men, ka­men aber schnell zu­rück und ha­ben das Spiel ge­dreht.“

Un­ru­hi­ge­re Mo­men­te gab es für den KSC aber auch nach der durch Fink und Bü­low er­zwun­ge­nen Wen­de. Für We­hens Trai­ner Rehm war die 83. Mi­nu­te nach ei­ner Ecke sinn­bild­lich: „Der Pfos­ten­tref­fer pass­te ins Bild“, mein­te er zum ans Alu­mi­ni­um ge­klatsch­ten Schuss von Do­mi­nik Noth­na­gel. Rehm be­dau­er­te: „Wir hat­ten den KSC da, wo wir ihn ha­ben woll­ten. Wir müs­sen es schaf­fen, da­nach bei ei­ner un­se­rer Groß­chan­cen das 2:0 zu ma­chen. Dann ist der KSC aber mit sei­ner Wucht zu­rück­ge­kom­men.“So­wohl Sch­äff­ler (48.) als auch An­d­rist (55.) wa­ren nach der Pau­se zwei­mal am gut re­agie­ren­den KSC-Schluss­mann Ben­ja­min Uphoff ge­schei­tert.

Sta­tis­tik

Karls­ru­her SC: Uphoff, Ca­mog­lu, Pisot, Gor­don, Sie­beck, Bü­low, Mus­li­ja (58. Schleu­se­ner), Wa­nit­zek, Lo­renz, Fink (87. Meh­lem), Za­wa­da (73. StrohEn­gel).

SV We­hen Wies­ba­den: Kol­ke, Mrow­ca, Mo­cken­haupt, Ruprecht, Red­de­mann (46. Noth­na­gel), Kuhn (7. Funk, 66. And­rich), Dams, An­d­rist, Mint­zel, Blacha, Sch­äff­ler.

Schieds­rich­ter: Heft (Neu­en­kir­chen), Zu­schau­er: 9 646, To­re: 0:1 Mint­zel (44.), 1:1 Fink (56.), 2:1 Bü­low (83.). Gelb-Ro­te Kar­te: Wa­nit­zek (90.+1) –. Gel­be Kar­ten: Wa­nit­zek – Red­de­mann, Mrow­ca (2), Ruprecht (2), And­rich.

VOL­LEY INS GLÜCK: An­ton Fink, von Patrick Funk nicht mehr ge­stört, zieht ab und trifft zum zwi­schen­zeit­li­chen 1:1.

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