Os­kar Schnei­der weiß, was in Pforz­heim los ist

Thea­ter und Mu­sik in der Ma­rio­net­ten­büh­ne

Pforzheimer Kurier - - PFORZHEIM - Von un­se­rer Mit­ar­bei­te­rin Su­san­ne Roth

„The Boys Are Back In Town“, die Jungs sind zu­rück in der Stadt, singt San­die Wol­lasch ne­ben dem in die Gi­tar­ren­sai­ten grei­fen­den Mat­thi­as Hautsch. Es sind we­ni­ger die Jungs, als viel­mehr nur ei­ner. Aber der hat es faust­dick hin­ter den Oh­ren, be­zie­hungs­wei­se hin­ter dem Vor­hang. Dort steht Ra­pha­el Mür­le, der sei­ner Fi­gur Os­kar Schnei­der über­haupt erst die „fre­che Gosch“öff­net und sich schwarz ge­klei­det in den Hin­ter­grund stellt. Ver­bor­gen und nur für die Zu­schau­er sicht­bar, die ei­nen Blick hin­ter die Ku­lis­sen wer­fen, die am Sams­tag­abend auf der Frei­licht­büh­ne hin­ter der Bröt­zin­ger Ma­rio­net­ten­büh­ne Mot­ten­kä­fig auf­ge­baut wird.

Fi­gu­ren­thea­ter und Live-Mu­sik: Das lockt min­des­tens 150 Neu­gie­ri­ge an. Die so­wohl den in der Re­gi­on be­kann­ten Mu­si­ker Mat­thi­as Hautsch mit Sän­ge­rin San­die Wol­lasch hö­ren wol­len, aber auch die, eben­falls von Gi­tar­ren­mu­sik be­glei­te­te, „schat­ten­haf­te“und fan­ta­sie­rei­che „Fa­cet­ten“-Auf­füh­rung mit Ra­pha­el Mür­le und Künst­ler Ha­rald Krö­ner se­hen möch­ten. Und die gern auf dem War­te­bänk­chen Platz neh­men, um in die Sprech­stun­de von Os­kar Schnei­der zu ge­lan­gen. Vor­hang auf und schon klin­gelt das Te­le­fon bei Os­kar Schnei­der. Er könn­te ja jetzt der Pfar­re­rin Hei­ke Reis­ner-Baral in der ers­ten Rei­he das „Wort zum Sonn­tag“ein­flüs­tern, macht er aber nicht. Oh je, da sitzt ja auch noch der Gold­stadt­ko­or­di­na­tor Ger­hard Baral, aber egal. Er sagt trotz­dem, was er denkt. Und schließ­lich ist es ja der An­ru­fer, der Pforz­heim nach dem Gold­rausch-Ti­ta­nick-Auf­tritt auf dem sin­ken­den Schiff sieht. „Aber die schreibt man doch ganz an­ders“, be­ru­higt Os­kar Schnei­der. Na ja, das muss er dann schon ein­räu­men, nicht mal die Enz will die Gold­stei­ne. Ein­fach so ver­schwun­den sind die gol­de­nen Wa­cker­stei­ne. „Wie bit­te? Rost­stadt statt Gold­stadt?“Nur, weil auf dem „Vor­zei­ge­bou­le­vard“(„der nach Chi­ca­go hät­te ver­kauft wer­den sol­len“) die Rost­kü­bel blü­hen? Os­kar Schnei­der grü­belt. Na ja, die „Gra­zi­en“hät­ten ja auch aus der Fuß­gän­ger­zo­ne wei­chen müs­sen. Eben, weil sie nicht ros­ten.

Und was ist denn bit­te­schön im Rats­kel­ler los? Nichts? Ge­nau das ist ja das Pro­blem. „Da hat die Stadt aber ganz schön Geld rein­ge­pumpt“, fin­det Os­kar

„The Boys Are Back In Town“

Schnei­der. „Drei Mil­lio­nen.“Da hät­te die Tou­rist-In­fo, so fin­det er, blei­ben kön­nen wo sie war und man hät­te „ganz schön Geld ge­spart“.

Aber für die Sün­den der Ver­gan­gen­heit kön­ne OB Pe­ter Boch ja nichts. Der ist neu. Der Ge­mein­de­rat aber ist der al­te. Apro­pos: Na­tür­lich ruft dann auch noch Ge­mein­de­rä­tin El­len Eber­le an, die sich bit­ter bei Os­kar Schnei­der be­klagt, dass man sie falsch ver­stan­den ha­be. Mit recht ha­be sie nicht rechts, son­dern recht ge­meint. Al­so nicht, dass die Po­li­zei auf dem rech­ten Au­ge blind sei, son­dern auf dem rich­ti­gen Au­ge blind sei. So zu­min­dest in­ter­pre­tiert es Os­kar Schnei­der, der leicht ver­wirrt den Hö­rer auf­legt.

Fo­to: Eh­mann

HIN­TER OS­KAR SCHNEI­DER STECKT RA­PHA­EL MÜR­LE: Das Pu­bli­kum hör­te sich am Wo­che­n­en­de an, was der vor­lau­te Os­kar Schnei­der über Pforz­heim zu sa­gen hat­te.

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