Sau­be­rer Neu­an­fang

Pforzheimer Kurier - - POLITIK - MAR­TIN FER­BER

Sie fei­er­ten schon den Wahl­sieg. Al­le Hoch­rech­nun­gen sa­hen am Abend des 20. Ja­nu­ar 2013 die Re­gie­rungs­par­tei­en CDU und FDP bei den Land­tags­wah­len in Nie­der­sach­sen als Sie­ger. Doch kurz vor Mit­ter­nacht herrsch­te schwei­gen­des Ent­set­zen: nach Aus­zäh­lung al­ler Stim­men hat­te Rot-Grün mit ei­ner Stim­me Mehr­heit die Na­se vorn, der ab­ge­wähl­te Mi­nis­ter­prä­si­dent Da­vid McAl­lis­ter stürm­te wort­los und wut­ent­brannt aus dem Saal. Die­se Vor­ge­schich­te muss man ken­nen, um die Ve­he­menz, mit der die CDU nun in Nie­der­sach­sen Neu­wah­len for­dert, zu ver­ste­hen. Die Nie­der­la­ge ist für sie bis heute ei­ne Art Be­triebs­un­fall, den es so schnell wie mög­lich zu kor­ri­gie­ren gilt, um die al­ten Macht­ver­hält­nis­se wie­der her­zu­stel­len. Mit dem Wech­sel der grü­nen Hin­ter­bänk­le­rin El­ke Twes­ten zur Uni­on gibt es nun auch ei­ne Mehr­heit im Par­la­ment. Im Prin­zip könn­ten CDU und FDP schon in der nächs­ten Sit­zung SPD-Mi­nis­ter­prä­si­dent Ste­phan Weil ab­wäh­len.

Ei­ne Auf­lö­sung des Par­la­ments und vor­ge­zo­ge­ne Neu­wah­len sind an­ge­sichts der Bri­sanz des Par­tei­wech­sels die sau­bers­te Lö­sung für ei­nen wirk­li­chen Neu­an­fang in Nie­der­sach­sen. Nur

so ist ge­währ­leis­tet, dass tat­säch­lich der Sou­ve­rän, das Volk, ent­schei­det, wer im flä­chen­mä­ßig zweit­größ­ten Land re­giert – und nicht ei­ne ein­zel­ne frus­trier­te Hin­ter­bänk­le­rin, die aus rein per­sön­li­chen Mo­ti­ven die Fron­ten wech­selt. Wie ver­gif­tet die At­mo­sphä­re in Hannover mitt­ler­wei­le ist, ma­chen die ge­gen­sei­ti­gen Vor­wür­fe und An­schul­di­gun­gen deut­lich, die mitt­ler­wei­le weit über das er­träg­li­che Maß hin­aus­ge­hen. Da ist von „Ver­rat“und „In­tri­gen“, von ei­nem „un­mo­ra­li­schem An­ge­bot“und von „Un­zu­ver­läs­sig­keit“die Re­de, nichts, was das Ver­trau­en in die Po­li­tik be­för­dern könn­te.

Nun ha­ben die Par­tei­en in Nie­der­sach­sen ei­nen Schluss­strich ge­zo­gen und sich für ei­nen sau­be­ren Neu­an­fang aus­ge­spro­chen. Drei Wo­chen nach der Bun­des­tags­wahl, am 15. Ok­to­ber, wird ein neu­er Land­tag ge­wählt, schnel­ler geht es nicht, weil Fris­ten ein­ge­hal­ten wer­den müs­sen und die Vor­be­rei­tung ei­ner Wahl Zeit braucht. Der Wahl­kampf in Nie­der­sach­sen dürf­te kurz, aber hef­tig wer­den, an Stoff für die par­tei­po­li­ti­sche Aus­ein­an­der­set­zung herrscht kein Man­gel. Und doch ist es der ein­zi­ge Weg, da­mit ei­ne Re­gie­rung an die Macht kommt, die vom Wäh­ler le­gi­ti­miert wor­den ist.

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