Brü­cke zur Ju­gend

Pforzheimer Kurier - - POLITIK - UDO STARK

Wie hilf­los wä­re die äl­te­re Ge­ne­ra­ti­on doch oh­ne den Du­den. Un­be­hol­fen im Um­gang mit den neu­en Me­di­en, wür­den sie die jün­ge­re Ge­ne­ra­ti­on bald nicht mehr ver­ste­hen. Wer weiß schon als über 60-Jäh­ri­ger, was Hyg­ge ist oder ein Fle­xi­ta­ri­er, ganz zu schwei­gen vom So­cia­le Bot oder dem Hoo­die. Doch wenn er sol­che Be­grif­fe im Vor­bei­ge­hen ein­mal auf­schnappt, braucht er nur im neu­en Du­den die Be­deu­tun­gen nach­schla­gen. Das ist doch toll, zu­mal heute al­les, was zur Ver­stän­di­gung oder dem Dia­log dient, eo ip­so, um nur ein­mal ein Fremd­wort von frü­her zu ge­brau­chen, als Ge­winn ver­bucht wird. Vor­bei sind die Zei­ten, in de­nen die Er­zie­hung dar­in be­stand, Tra­di­ti­on den Jün­ge­ren mit Fron­tal­un­ter­richt und Kopf­nüs­sen zu über­lie­fern. Heute ist es um­ge­kehrt: Tra­di­ti­on zählt nicht mehr, nur noch die Zu­kunft und ih­re Au­gu­ren aus Über­see, die mit ih­ren re­vo­lu­tio­nä­ren Kom­mu­ni­ka­ti­ons­in­stru­men­ten auch die Spra­che neu er­fin­den. Hier lässt sich zum Glück ei­ne his­to­ri­sche Kon­stan­te aus­ma­chen: Auf

Neu­es sind die jun­gen Ge­ne­ra­tio­nen schon im­mer ge­flo­gen, war es nun gut oder schlecht. Aber was hilft das den Äl­te­ren, sie ste­hen auf ver­lo­re­nem Pos­ten; wenn sie den An­schluss nicht ver­pas­sen wol­len, dann müs­sen sie wohl oder übel bei den Jun­gen in die Schu­le ge­hen, und auf ih­re al­ten Ta­ge die neue Spra­che ler­nen. Denn das ist auch so ei­ne his­to­ri­sche Kon­stan­te, oder soll­te man lie­ber sa­gen an­thro­po­lo­gi­sches Kon­ti­nu­um, näm­lich dass die Spra­che der Schlüs­sel zur Welt ist. So ge­se­hen leis­tet der neue Du­den Uner­mess­li­ches: End­lich steht das, was sonst nur auf Ta­blets und Com­pu­tern zu er­fah­ren wä­re, ganz klas­sisch und alt­mo­disch in ei­nem Buch. Je­der über 60-Jäh­ri­ge weiß, wie man da­mit um­geht. Die Brü­cke zur Ju­gend von heute ist ge­schla­gen, Gott sei Dank! Was heißt hier An­ge­ber-An­gli­zis­mus oder Sprach­pan­scher. Die­se Kri­tik ist ewig gest­rig, ja re­ak­tio­när und un­an­stän­dig. Sie will wo­mög­lich al­te Zei­ten be­schwö­ren, in de­nen al­les bes­ser war, das geht doch nicht!

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.