PFC-Nach­weis auch in To­ma­ten, Wei­zen und Fisch

Laut Re­gie­rungs­prä­si­di­um Karls­ru­he sind die auf den Markt ge­brach­ten Le­bens­mit­tel un­be­denk­lich

Pforzheimer Kurier - - SÜDWESTECHO - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Bernd Kam­leit­ner IN EI­NER TOMATENPROBE wur­de PFC nach­ge­wie­sen. Fo­to: dpa

Ras­tatt/Baden-Baden. Die gu­te Nach­richt: Bis auf ei­ne Aus­nah­me bei To­ma­ten und meh­re­ren be­an­stan­de­ten Pro­ben von Wei­zen sind bei Gemüse und Sa­lat von PFC-be­las­te­ten land­wirt­schaft­li­chen Flä­chen aus dem Raum Baden-/Baden/Ras­tatt und Mann­heim kei­ne er­höh­ten Wer­te fest­ge­stellt wor­den. Das teilt das Re­gie­rungs­prä­si­di­um Karls­ru­he mit. Die schlech­te Nach­richt: Ein En­de des Um­welt­skan­dals, flä­chen­mä­ßig ei­ner der größ­ten in Deutsch­land, ist nicht in Sicht. Un­ter an­de­rem soll­ten Klein­gärt­ner in der be­trof­fe­nen Re­gi­on auf Gieß­was­ser aus Brun­nen ver­zich­ten, heißt es.

Nach An­sicht von Re­gie­rungs­prä­si­den­tin Ni­colet­te Kressl (SPD) ist es mit dem so ge­nann­ten Vor­ern­te­mo­ni­to­ring von land­wirt­schaft­li­chen Er­zeug­nis­sen von PFC-be­las­te­ten Flä­chen im Raum Baden-Baden/Ras­tatt und bei Mann­heim ge­lun­gen, „dass die dort er­zeug­ten und auf den Markt ge­brach­ten Le­bens­mit­tel für den Ver­brau­cher un­be­denk­lich sind“. Laut ei­ner Mit­tei­lung der Mit­tel­be­hör­de sei­en die Pro­ben vom Land­wirt­schaft­li­chen Tech­no­lo­gie­zen­trum Au­gus­ten­berg (LTZ) auf ih­re Ge­hal­te an ver­schie­de­nen PFC-Ver­bin­dun­gen un­ter­sucht wor­den. Als Maß­stab gel­ten Beur­tei­lungs­wer­te, die vom Stutt­gar­ter Agrar­mi­nis­te­ri­um fest­ge­legt wur­den. Wie von den BNN be­rich­tet, wa­ren auch bei Erd­beer­pro­ben kei­ne PFC-Rück­stän­de ge­fun­den wor­den. Das gilt eben­so für neun Spar­gel­pro­ben. Bei ei­ner Spar­gel­char­ge sei ein Wert „un­ter­halb der Be­stim­mungs­gren­ze“ge­mes­sen wor­den.

Die Be­hör­de schließt dar­aus, dass die Er­zeu­ger „mit die­sen emp­find­li­chen Kul­tu­ren auf un­be­las­te­te bzw. ge­ring­be­las­te­te Flä­chen aus­ge­wi­chen sind“. Beim Ge­trei­de sei­en da­ge­gen zum Teil die Beur­tei­lungs­wer­te über­schrit­ten wor­den, die Zahl der be­an­stan­de­ten Pro­ben sei aber ge­rin­ger als im Vor­jahr. „Be­son­ders sen­si­bel be­züg­lich der Auf­nah­me von PFC“sei je­doch Wei­zen. „Die ent­spre­chen­den Par­ti­en sind nicht als Le­bens­mit­tel ver­mark­tet wor­den“, teilt das Re­gie­rungs­prä­si­di­um da­zu mit. Bei Pro­ben von Fi­schen, die von An­gel­sport­ver­ei­nen ge­fan­gen wur­den, gab es eben­falls PFC-Nach­wei­se – un­ter an­de­rem bei Aal, Barsch, Bra­xen und Fo­rel­le. Eben­so in ei­ner von drei Eier-Pro­ben.

Wie mehr­fach be­rich­tet sind al­lein im Land­kreis Ras­tatt und im Stadt­kreis Baden-Baden fast 500 Hekt­ar Flä­che mit PFC be­las­tet – das ent­spricht rund 670 Fuß­ball­fel­dern. Als Ver­ur­sa­cher des Um­welt­skan­dals wer­den Schläm­me aus der Pa­pier­in­dus­trie ver­mu­tet, die zwi­schen 1999 und 2008 mit Kom­post auf den Fel­der aus­ge­bracht wur­den. Ers­te Ve­r­un­rei­ni­gun­gen wa­ren je­doch erst im Herbst 2013 im Trink­was­ser des Ras­tat­ter Was­ser­werks auf­ge­fal­len. In der Fol­ge wur­den auch Be­las­tun­gen im Was­ser aus Brun­nen im vor­de­ren Murg­tal, in Bühl, Hü­gels­heim und Baden-Baden fest­ge­stellt. In­zwi­schen gilt der mit­tel­ba­di­sche PFC-Skan­dal als ei­ne der größ­ten Um­welt­ver­schmut­zun­gen im Süd­wes­ten – mit der­zeit noch nicht über­schau­ba­ren Fol­gen.

Nicht er­fasst vom Vor­ern­te­mo­ni­to­ring ist die Ern­te aus Klein­gär­ten. Auch dort kön­nen Pflan­zen PFC über den Bo­den oder das Gieß­was­ser auf­neh­men. Klein­gärt­ner soll­ten da­her in den be­trof­fe­nen Re­gio­nen auf Brun­nen­was­ser ver­zich­ten und ih­re Pflan­zen mit ge­sam­mel­tem Re­gen­was­ser oder mit dem Nass aus der öf­fent­li­chen Was­ser­ver­sor­gung gie­ßen, emp­fiehlt das Re­gie­rungs­prä­si­di­um.

Be­hör­de: Kein Gieß­was­ser aus Brun­nen ver­wen­den

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