Schüt­zens­wer­te Per­sön­lich­keits­rech­te

Ver­wal­tungs­ge­richts­hof ur­teilt über den Fall ei­nes Mann­hei­mer Rechts­an­walts

Pforzheimer Kurier - - SÜDWESTECHO -

Mann­heim (epd). Staats­an­wäl­te dür­fen ge­gen­über der Pres­se den Na­men von Tat­ver­däch­ti­gen nur nen­nen, wenn es um schwe­re Kri­mi­na­li­tät geht oder ein be­son­de­res öf­fent­li­ches In­ter­es­se an der Be­richt­er­stat­tung be­steht. Das Ver­fah­ren ge­gen ei­nen Rechts­an­walt, der Ko­ka­in ge­kauft und zwei Dea­ler mit­ein­an­der in Kon­takt ge­bracht ha­ben soll, ge­hört nicht in die­se Ka­te­go­rie, geht aus ei­nem vom baden-würt­tem­ber­gi­schen Ver­wal­tungs­ge­richts­hof in Mann­heim ver­öf­fent­lich­ten Be­schluss her­vor.

Ei­ne Ver­le­ge­rin woll­te die Staats­an­walt­schaft in Mann­heim per Ge­richt da­zu zwin­gen, In­for­ma­tio­nen über die Er­mitt­lun­gen ge­gen den ver­däch­ti­gen Rechts­an­walt her­aus­zu­ge­ben (Az.: 1 S 1307/17). Die Mann­hei­mer Rich­ter wei­sen dar­auf hin, dass es beim Tat­vor­wurf ge­gen den Ju­ris­ten zwar nicht um „Ba­ga­tell­kri­mi­na­li­tät“ge­he. Doch han­de­le es sich auch nicht um schwe­re Kri­mi­na­li­tät, da nur we­gen 14 Fäl­len des Er­werbs von Ko­ka­in so­wie des Her­stel­lens ei­nes Kon­takts zwi­schen sei­nen bei­den Be­täu­bungs­mit­tel­lie­fe­ran­ten er­mit­telt wor­den sei. Die Na­mens­nen­nung könn­te „zu ei­nem An­se­hens­ver­lust für den An­ge­schul­dig­ten füh­ren, der mög­li­cher­wei­se nicht wie­der­gut­zu­ma­chen wä­re“und ihn in sei­nem Per­sön­lich­keits­recht emp­find­lich trä­fe, so der Ge­richts­hof. Die Ver­le­ge­rin hat­te im Fe­bru­ar beim Ver­wal­tungs­ge­richt in Karls­ru­he ei­ne einst­wei­li­ge An­ord­nung ge­gen die Staats­an­walt­schaft Mann­heim be­an­tragt, um Aus­kunft über den Tat­ver­däch­ti­gen zu er­hal­ten. Im Mai be­kam sie teil­wei­se Recht, ih­re Fra­gen zu Er­mitt­lun­gen ge­gen an­de­re Per­so­nen und zur or­ga­ni­sier­ten Kri­mi­na­li­tät wies das Ver­wal­tungs­ge­richt aber zu­rück. Da bei­de Par­tei­en Be­schwer­de ge­gen die­sen Be­schluss ein­leg­ten, muss­te nun der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof in Mann­heim ent­schei­den. Der jetzt ver­öf­fent­lich­te Be­schluss hebt her­vor, dass laut Lan­des­pres­se­ge­setz Be­hör­den den Me­di­en Aus­künf­te er­tei­len müs­sen, die der Er­fül­lung ih­rer öf­fent­li­chen Auf­ga­be die­nen.

Ver­wei­gert wer­den könn­ten sol­che Aus­künf­te aber, wenn ein über­wie­gen­des öf­fent­li­ches oder schutz­wür­di­ges pri­va­tes In­ter­es­se ver­letzt wür­de. In ei­nem lau­fen­den Er­mitt­lungs­ver­fah­ren sei im­mer auch die Un­schulds­ver­mu­tung zu be­rück­sich­ti­gen. Der Be­schluss des Ver­wal­tungs­ge­richts­hof ist un­an­fecht­bar.

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