Im Schlaf­an­zug aus Flam­men ge­ret­tet

Für zwei Be­woh­ner ei­ner So­zi­al­un­ter­kunft in Mark­grö­nin­gen kommt aber je­de Hil­fe zu spät

Pforzheimer Kurier - - SÜDWESTECHO - Von uns­rer Mit­ar­bei­te­rin Le­na Müs­sig­mann

Mark­grö­nin­gen. Mit­ten in der Nacht bricht ein Feu­er in ei­ner So­zi­al­un­ter­kunft aus. Noch be­vor die Feu­er­wehr in der en­gen Alt­stadt­gas­se an­kommt, stel­len Nach­barn Lei­tern an die Fens­ter, über die Be­woh­ner ins Freie klet­tern. Doch für zwei Men­schen kommt je­de Hil­fe zu spät. Drei wei­te­re wur­den schwer ver­letzt, zwei da­von wa­ren zu­nächst noch in Le­bens­ge­fahr, wie die Po­li­zei mit­teil­te. Die Ur­sa­che ist wohl Brand­stif­tung: Ein 66-jäh­ri­ger Heim­be­woh­ner ha­be die Tat ge­stan­den und sit­ze in Un­ter­su­chungs­haft, teil­te die Po­li­zei ges­tern Abend mit. Bei den To­des­op­fern han­delt es sich um ei­ne 54 Jah­re al­te Be­woh­ne­rin der Ob­dach­lo­sen­un­ter­kunft und ih­ren 56 Jah­re al­ten Freund, der nach An­ga­ben von Bür­ger­meis­ter Rudolf Kür­ner zu Be­such war.

Das Feu­er brach ei­ner ers­ten Ein­schät­zung der Feu­er­wehr in der Kü­che aus. Be­nach­bar­te Häu­ser in der eng be­bau­ten Alt­stadt sei­en nicht be­trof­fen ge­we­sen, sag­te ei­ne Spre­che­rin der Po­li­zei. Der Brand wur­de am frü­hen Mon­tag­mor­gen ge­löscht. Neun Men­schen wa­ren zum Zeit­punkt des Feu­ers im Haus, dar­un­ter ein zehn­jäh­ri­ges Mäd­chen, das ge­ret­tet wer­den konn­te. Zehn Be­woh­ner sind dort nach An­ga­ben des Bür­ger­meis­ters ge­mel­det. Ein Paar, Asyl­be­wer­ber aus Chi­na, sei je­doch nicht da ge­we­sen. Laut Po­li­zei gin­gen in der Nacht meh­re­re No­t­ru­fe von Han­dy­num­mern ein. Wer genau an­ge­ru­fen hat, war aber nicht be­kannt. „Gott sei Dank ha­ben Nach­barn gleich Lei­tern ans Haus ge­stellt“, sag­te der Bür­ger­meis­ter der 15 000-Ein­woh­ner Stadt bei Stuttgart. So hät­ten ers­te Be­woh­ner schnell ge­ret­tet wer­den kön­nen. Ein Über­grei­fen des Feu­ers auf an­de­re Ge­bäu­de in der eng be­bau­ten In­nen­stadt sei sei­ne „al­ler­größ­te Angst“ge­we­sen. Die Gas­se vor dem Haus ist ihm zu­fol­ge kei­ne drei Me­ter breit. Die Feu­er­wehr sei aber für die­se Ge­ge­ben­hei­ten aus­ge­bil­det. „Die Ein­satz­kräf­te ha­ben klas­se Ar­beit ge­leis­tet“, sag­te Kür­ner. Die Stadt ist Ei­gen­tü­me­rin des be­trof­fe­nen Ge­bäu­des. Es ist Kür­ners An­ga­ben zu­fol­ge wie vor­ge­schrie­ben mit Rauch­mel­dern aus­ge­stat­tet. Ei­nen An­schlag auf die Un­ter­kunft hat­te der Ein­satz­lei­ter der Feu­er­wehr, Hans-Her­mann Ke­fer, von An­fang an aus­ge­schlos­sen: „Die Scher­ben fie­len ganz ein­deu­tig von in­nen nach au­ßen.“Ers­ten Er­kennt­nis­sen zu­fol­ge soll das Feu­er in ei­ner Kü­che im Erd­ge­schoss aus­ge­bro­chen sein. Der Rauch ha­be sich dann über das Trep­pen­haus im gan­zen Haus aus­ge­brei­tet. „Das Haus war kom­plett mit Rauch ge­füllt“, sag­te er. Ver­mut­lich sei­en die Be­woh­ner er­stickt. Die

Nach­barn stell­ten Lei­tern an die Fens­ter Heim­be­woh­ner ge­steht Brand­stif­tung

Po­li­zei konn­te zu­nächst kei­ne To­des­ur­sa­che nen­nen. Rund 150 Ein­satz­kräf­te wa­ren vor Ort. Das Feu­er war ge­gen 2.11 Uhr ge­mel­det wor­den. Die Po­li­zei ging in ei­ner ers­ten Schät­zung von ei­nem Sach­scha­den von rund 100 000 Eu­ro aus. Am Morgen un­ter­such­te die Spu­ren­si­che­rung das Ge­bäu­de. Das Deut­sche Ro­te Kreuz ver­sorg­te die Be­woh­ner, die nach ih­rer Ret­tung im Schlaf­an­zug auf der Stra­ße stan­den, noch nachts in ei­ner Klei­der­kam­mer mit neu­en Klei­dern, wie der Bür­ger­meis­ter sag­te. Da­nach ka­men sie für den Rest der Nacht in ei­nem Ho­tel un­ter. Noch am Mon­tag soll­ten den An­ga­ben zu­fol­ge an­de­re Not­fall-Woh­nun­gen der Stadt für sie be­reit­ste­hen.

EIN HEIM­BE­WOH­NER soll das Feu­er in der So­zi­al­un­ter­kunft in Mark­grö­nin­gen – hier die zer­stör­te Kü­che – ge­legt ha­ben. Zwei Men­schen ka­men ums Le­ben. Fo­to: dpa

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