Kreis­lauf mit Krebs und Fel­chen

For­schungs­pro­jekt in Lan­dau soll Im­pul­se für die Zucht in Aqua­kul­tu­ren ge­ben

Pforzheimer Kurier - - WISSENSCHAFT - FORSCHUNGSOBJEKT: der Pas­sau­naS­tau­see in Bra­si­li­en. Fo­to: Scheer

Lan­dau (ei). Selt­sa­mes tut sich in ei­nem alt­ehr­wür­di­gen Bür­ger­haus am Lan­dau­er Schil­ler­park. Hun­der­te Bo­den­see­fel­chen sau­sen dort in ei­nem ehe­ma­li­gen Wein­kel­ler in run­den, blau­en Was­ser­be­cken im Kreis. Edel­kreb­se su­chen ei­ne Be­hau­sung in Plas­ti­kröh­ren un­ter­schied­li­cher Grö­ße und An­ord­nung, die auf­ge­schich­tet auf dem Grund von ei­ni­gen der Was­ser­be­cken lie­gen. Übe­r­all hän­gen Sen­so­ren und tech­ni­sche Ap­pa­ra­tu­ren, die die Be­find­lich­keit der Was­ser­be­woh­ner und den Zu­stand ih­res Le­bens­raums rund um die Uhr lü­cken­los über­wa­chen.

Der Kel­ler ge­hört zur Fir­ma Senect, ei­ner Aus­grün­dung der Uni­ver­si­tät Lan­dau, die hier zu­sam­men mit drei wei­te­ren Pro­jekt­part­nern un­ter­sucht, wie sich Bo­den­see­fel­chen und Edel­kreb­se in ei­ner Aqua­kul­tur un­ter op­ti­ma­len Be­din­gun­gen züch­ten las­sen. Da­bei kon­zen­triert sich Senect auf die tech­ni­sche Sei­te, wäh­rend die For­schung rund um Fel­chen und Kreb­se vom In­sti­tut für Um­welt­wis­sen­schaf­ten der Uni Lan­dau über­nom­men wird.

„Wir wer­den in der Zu­kunft neun Mil­li­ar­den Men­schen auf der Er­de ver­sor­gen müs­sen. Da­zu sind Aqua­kul­tu­ren gut ge­eig­net. Aber je mehr Fische man hat, um­so mehr Tech­nik braucht man auch“, um­reißt Andre­as Mäck, Ge­schäfts­füh­rer von Senect, die Pro­blem­stel­lung. Tech­nik, um Fut­ter­mit­tel und Energie mög­lichst ef­fi­zi­ent zu nut­zen, das Was­ser op­ti­mal zu rei­ni­gen und Fi­schen und Kreb­sen ein mög­lichst art­ge­rech­tes Le­ben zu er­mög­li­chen. Des­we­gen sind die La­bor­be­cken mit ei­gens ent­wi­ckel­ten Sen­so­ren und Mess­ge­rä­ten aus­ge­stat­tet. Tem­pe­ra­tur, Sau­er­stoff­ge­halt, pH-Wert, nichts ent­geht den Mess­ap­pa­ra­tu­ren, de­ren Da­ten auch auf mo­bi­len Ge­rä­ten wie Smart­pho­nes je­der­zeit ab­ge­ru­fen wer­den und dort auch Alarm aus­lö­sen kön­nen.

Das Merk­mal der Lan­dau­er Ver­suchs­an­la­ge ist, dass die Fisch­kul­tur in ei­nem zu­sam­men­hän­gen­den Was­ser­kreis­lauf als so­ge­nann­te Po­ly­kul­tur or­ga­ni­siert ist, bei der zwei Ar­ten ge­mein­sam ge­züch­tet wer­den. Das soll Vor­tei­le brin­gen, und zwar für al­le – Bo­den­see­fel­chen, Krebs und Mensch.

„Wir ha­ben den Eu­ro­päi­schen Edel­krebs und das Bo­den­see­fel­chen ge­nom­men, weil wir vom Ver­hal­ten her wuss­ten: das könn­te gut ge­hen“, er­läu­tert Pro­jekt­lei­ter Nor­bert Wa­ge­mann vom Tü­bin­ger St­ein­beis-For­schungs­zen­trum, das eben­falls an dem Vor­ha­ben be­tei­ligt ist.

Die bis­he­ri­gen Er­geb­nis­se hät­ten das be­stä­tigt. Die Edel­kreb­se ha­ben bei­spiels­wei­se den Vor­teil, dass sie die Aus­schei­dun­gen der Fel­chen fres­sen, eben­so das bei der Füt­te­rung der Fische auf den Grund sin­ken­de Fut­ter. Bei­des führt da­zu, dass das Be­cken­was­ser deut­lich we­ni­ger ver­schmutzt wird, er­läu­tert Wa­ge­mann.

Die Wis­sen­schaft­ler un­ter­su­chen auch, wie sich die Tie­re am wohls­ten füh­len. Sind zu vie­le Kreb­se auf en­gem Raum ver­sam­melt, wer­den die Tie­re ag­gres­siv und ver­letz­ten sich ge­gen­sei­tig. Hier kom­men auch die Plas­ti­kröh­ren ins Spiel, mit de­nen aus­ge­tes­tet wer­den soll, wel­che Kon­struk­ti­on sich am bes­ten als Rück­zugs­raum für die Sche­ren­trä­ger eig­net.

So ge­he es zum ei­nen um wis­sen­schaft­li­che Er­kennt­nis­se, sagt Wa­ge­mann. Doch dies mit ei­ner „ganz kla­ren Pra­xis­aus­rich­tung“. Der wis­sen­schaft­li­che Er­kennt­nis­ge­winn sol­le das als Was­ser­kreis­lauf an­ge­leg­te Po­ly­kul­tur-Sys­tem auch gut am Markt po­si­tio­nie­ren. „Un­ser Ziel ist ei­ne tier­ge­rech­te Haltung, wir wol­len aber auch hoch­wer­ti­ge Aqua­pro­duk­te an­bie­ten und da­mit Im­pul­se für die Fort­ent­wick­lung der Aqua­kul­tur in Deutsch­land ge­ben“, um­reißt Wa­ge­mann den An­spruch hin­ter dem Pro­jekt.

FISCH­ZUCHT IM UN­TER­GRUND: In ei­ner Ver­suchs­an­la­ge in ei­nem Kel­ler­raum un­ter­su­chen meh­re­re Pro­jekt­part­ner, dar­un­ter das In­sti­tut für Um­welt­wis­sen­schaf­ten der Uni­ver­si­tät Lan­dau, wie sich Bo­den­see­fel­chen und Edel­kreb­se op­ti­mal ver­meh­ren las­sen. Fo­to: ei

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