Fin­ger­ab­drü­cke sind ein­deu­tig zu­zu­ord­nen

Lan­des­kri­mi­nal­amt er­fasst in Pforz­heim die Da­ten un­be­glei­te­ter min­der­jäh­ri­ger Flücht­lin­ge

Pforzheimer Kurier - - PFORZHEIM - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Thors­ten Esch­mann

In den ver­gan­ge­nen Jah­ren sind zahl­rei­che un­be­glei­te­te min­der­jäh­ri­ge Flücht­lin­ge nach Deutsch­land ge­kom­men. Vie­le von ih­nen ha­ben in­zwi­schen in Pforz­heim ei­ne neue Hei­mat ge­fun­den, wur­den er­ken­nungs­dienst­lich bis­her je­doch noch nicht er­fasst. Dies wird nun vom Lan­des­kri­mi­nal­amt in Zu­sam­men­ar­beit mit dem Po­li­zei­prä­si­di­um Karls­ru­he nach­ge­holt.

Aus der Stadt Pforz­heim wur­den 65 un­be­glei­te­te Flücht­lin­ge schrift­lich von der Aus­län­der­be­hör­de ge­be­ten, ins Pforz­hei­mer Po­li­zei­re­vier Nord zu kom­men, aus dem Enz­kreis wa­ren es 38. Hin­zu ka­men 50 Ju­gend­li­che aus Calw.

„Es wur­de fest­ge­stellt, dass vie­le Ju­gend­li­che hier bei uns sind, die noch nicht er­fasst sind“, sag­te Bür­ger­meis­te­rin Mo­ni­ka Mül­ler. „Wir möch­ten die­se nicht stig­ma­ti­sie­ren, wir müs­sen aber Dop­pel­erfas­sun­gen ver­mei­den.“Da­her wird zu­nächst durch ei­nen Fin­ger­ab­druck ge­prüft, ob die Flücht­lin­ge be­reits in ei­nem an­de­ren Land re­gis­triert wur­den. Meh­re­re 75 Mil­lio­nen Per­so­nen sei­en in der Da­ten­bank des Bun­des­kri­mi­nal­am­tes be­reits er­fasst. Fast zwei Mi­nu­ten brau­che das Com­pu­ter­pro­gramm da­her zur Ab­glei­chung.

Soll­ten die Ju­gend­li­chen noch nicht im Sys­tem hin­ter­legt sein, wer­den zu­nächst die per­sön­li­chen Da­ten wie Na­me, Ge­burts­da­tum oder Kör­per­grö­ße auf­ge­nom­men. An­schlie­ßend wer­den die Fin­ger­ab­drü­cke mit Hil­fe ei­nes spe­zi­el­len Scan­ners ge­spei­chert und ein Licht­bild ge­macht. Zwar hät­ten die meis­ten un­be­glei­te­ten Asyl­be­wer­ber, die über­wie­gend zwi­schen 16 und 18 Jah­re alt sind, kei­ne Pa­pie­re aus ih­rem Hei­mat­land da­bei, Pro­ble­me bei der Da­ten­er­fas­sung ge­be es den­noch nur we­ni­ge, schließ­lich wä­ren die Deutsch­kennt­nis­se bei den meis­ten Flücht­lin­gen sehr gut.

Pforz­heim ist der 17. Stand­ort in Baden-Würt­tem­berg, an dem die­se Nacher­fas­sung von un­be­glei­te­ten min­der­jäh­ri­gen Flücht­lin­gen statt­fin­det. Die nächs­te Sta­ti­on wird Karls­ru­he sein. Fünf Be­am­ten des Lan­des­kri­mi­nal­am­tes sind an der Ak­ti­on be­tei­ligt. Un­ter­stützt wer­den sie von den ört­li­chen Kol­le­gen in den Prä­si­di­en und Po­li­zei­dienst­stel­len. Ni­co­le Mann, Team­lei­te­rin Aus­län­der­be­hör­de und Leis­tungs­ge­wäh­rung Asyl­bLG, be­tont, dass oh­ne die Mit­hil­fe der Po­li­zei ei­ne solch groß an­ge­leg­te Nacher­fas­sung nicht mög­lich sei. „Die Aus­län­der­be­hör­den sind com­pu­ter­tech­nisch nicht so gut aus­ge­stat­tet. Da­her sind wir über die Hil­fe der Kol­le­gen sehr dank­bar.“

Der­zeit leb­ten rund 180 un­be­glei­te­te min­der­jäh­ri­ge Flücht­lin­ge in Pforz­heim. Da­bei han­de­le es sich haupt­säch­lich um Ira­ker. Im Enz­kreis sei­en 151 jun­ge Asyl­be­wer­ber un­ter­ge­bracht, von de­nen die Mehr­zahl aus Sy­ri­en oder Af­gha­nis­tan nach Deutsch­land ge­kom­men war. Das jüngs­te un­be­glei­te­te Kind sei erst vier Jah­re alt ge­we­sen. Dies zeigt, dass hin­ter je­dem Da­ten­satz, der nun im Com­pu­ter er­fasst ist, auch ein mensch­li­ches Schick­sal steckt.

Jüngs­tes un­be­glei­te­tes Kind war erst vier Jah­re alt

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