Nichts zu ver­schen­ken

CHRIS­TO­PHER TÖNGI

Pforzheimer Kurier - - POLITIK -

Der Die­sel ist tot, es le­be der Die­sel! Nach all den Skan­dal­mel­dun­gen könn­te die dunk­le Epi­so­de in der Ge­schich­te der deut­schen Au­to­her­stel­ler doch noch ein halb­wegs po­si­ti­ves En­de fin­den. Für die Her­stel­ler na­tür­lich. Denn die Preis­nach­läs­se von bis zu 10 000 Eu­ro wer­den jetzt si­cher­lich vie­le ver­un­si­cher­te Die­sel­fah­rer in die Au­to­häu­ser trei­ben. Auf der ei­nen Sei­te stei­gen da­durch die zu­letzt schwa­chen Zu­las­sungs­zah­len wie­der. Auf der an­de­ren Sei­te wird ver­hin­dert, dass der Ver­kaufs­wert ge­brauch­ter Die­sel in den Kel­ler rauscht. Die Ra­batt­schlacht ist er­öff­net, doch zu ver­schen­ken hat eben nie­mand et­was. Die Zukunft der Selbst­zün­der wä­re den­noch ge­si­chert. Zu­min­dest vor­erst. Bis zur nächs­ten Dis­kus­si­on.

Es ist noch gar nicht so lan­ge her, dass die Politik den Die­sel zum Um­weltret­ter er­klär­te. Dann kam das Die­sel-Ga­te und die dro­hen­den Fahr­ver­bo­te – und plötz­lich

war al­les an­ders. Da­bei darf man nicht ver­ges­sen: Deutsch­lands Au­to­her­stel­ler ha­ben sich selbst in die schwie­rigs­te Si­tua­ti­on seit Jahr­zehn­ten ma­nö­vriert. Am En­de muss je­doch der Bür­ger die gro­ße Ze­che zah­len. Denn mal ehr­lich: Nur die we­nigs­ten kön­nen – Preis­nach­läs­se hin oder her – sich ein­fach so ein neu­es Au­to kau­fen. Da­her hät­te die Politik die Au­to­her­stel­ler beim Die­sel-Gip­fel stär­ker in die Pflicht neh­men müs­sen. Al­ler­dings brems­te letzt­end­lich wohl die Angst vor ei­nem Stel­len­ab­bau den Ge­rech­tig­keits­sinn. Des­halb muss Ber­lin jetzt nach­le­gen und kon­se­quent han­deln. Wenn das Elek­tro­au­to in den kom­men­den Jah­ren die deut­schen Stra­ßen er­obern soll, muss die In­fra­struk­tur deut­lich ver­bes­sert wer­den. Denn die kom­pli­zier­te Su­che nach La­de­sta­tio­nen macht das Elek­tro­au­to für vie­le sch­licht­weg un­at­trak­tiv. Und so­mit blei­ben Ben­zi­ner und Die­sel eben ers­te Wahl.

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