Glo­ba­lis­ten ge­gen Na­tio­na­lis­ten

Flü­gel­kämp­fe und Frak­tio­nen be­stim­men den All­tag im Wei­ßen Haus

Pforzheimer Kurier - - ZEITGESCHEHEN -

Wa­shing­ton. Nach 200 Ta­gen Do­nald Trump kann es nie­man­den wun­dern, dass die­ses Wei­ße Haus ei­ne Re­no­vie­rung nö­tig hat. Es ist zwar nur die Kli­ma­an­la­ge, tech­nisch ge­se­hen. Doch was in die­sem Som­mer im Sitz des US-Prä­si­den­ten der drin­gen­den Re­pa­ra­tur be­darf, dürf­te kom­ple­xer sein als Pro­ble­me von warm und kalt. Un­ter Trump sind Seil­schaf­ten und Schüt­zen­grä­ben ent­stan­den. Dies ist kei­ne Re­gie­rungs­zen­tra­le aus ei­nem Guss.

Trumps „Ar­beits­ur­laub“hin oder her, die Herz­kam­mer der Su­per­macht hat tie­fe in­ne­re Ris­se. „Der Ge­ne­ral in sei­nem La­by­rinth“: Auf wel­chen der Trump­schen Ex-Mi­li­tärs trifft der Titel des Ro­mans von Ga­b­ri­el Gar­cía Már­quez die­ser Ta­ge mehr zu? Der ei­ne ist der neue St­abs­chef, Ex-Ge­ne­ral John F. Kel­ly. Als „Auf­räuma­tor“ge­kom­men, soll er die Re­gie­rungs­ar­beit sta­bi­li­sie­ren, muss als Ex­ter­ner aber erst mal das Ge­flecht der Macht ver­ste­hen und ent­wir­ren.

Der an­de­re ist H.R. McMas­ter, als Ex-Ge­ne­ral in sechs Mo­na­ten Re­gie­rung schon Trumps zwei­ter Si­cher­heits­be­ra­ter. Er folg­te Micha­el Flynn – ei­nem Ex-Ge­ne­ral. Aus­ge­rech­net McMas­ter muss­te zu­letzt um sei­ne Si­cher­heit fürch­ten. Als er aus dem – sei­nem – na­tio­na­len Si­cher­heits­rat drei Loya­lis­ten des Chef­stra­te­gen Ste­ve Ban­non ent­fern­te, rit­ten die so­ge­nann­ten Na­tio­na­lis­ten im Wei­ßen Haus ei­ne hef­ti­ge Atta­cke ge­gen ihn, mit ex­ter­ner Un­ter­stüt­zung rechts­ge­rich­te­ter Me­di­en. Stän­dig wi­der­spre­che er Trump, zer­set­ze des­sen Agen­da, sei zu in­ter­na­tio­nal und zu bünd­nis­ori­en­tiert aus­ge­rich­tet. Das letz­te Ge­rücht: Wenn er die US-Trup­pen schon so gern in Af­gha­nis­tan be­las­sen wol­le, statt sie ab­zu­zie­hen, war­um er sie dann nicht gleich an­füh­re, al­so vor Ort? Kaum im Amt, sprang St­abs­chef Kel­ly McMas­ter bei. Dann war an die­ser Front erst­mal Ru­he. Die reich­lich gu­te Pres­se über ers­te Er­fol­ge Kel­lys wird Trump arg­wöh­nisch ver­fol­gen, will er doch im­mer und im­mer selbst das un­an­ge­foch­te­ne Zen­trum al­len Ruh­mes sein. Ban­non und Ste­phen Mil­ler wer­den von US-Me­di­en als die Haupt­geg­ner McMas­ters be­schrie­ben. Der Chef­stra­te­ge soll in den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten ein paar Mal hef­tig ge­wa­ckelt ha­ben, agiert aber nach wie vor als ei­ne Art dunk­ler Lord des Wei­ßen Hau­ses. Be­ra­ter Mil­ler wur­de zu­letzt als Nach­fol­ger des pom­pö­sen Ant­ho­ny Sca­ra­muc­ci ge­han­delt, als be­stall­ter Kom­mu­ni­ka­ti­ons­chef bin­nen zehn Ta­gen ver­glüht. Das La­ger Ban­non/Mil­ler kennt Be­rich­ten zu­fol­ge in sei­ner so rück­sichts­lo­sen wie ge­schickt ins Land ver­kauf­ten Durch­set­zung von Trumps Agen­da kei­ne Ver­wand­ten. In der Kon­fi­gu­ra­ti­on des Wei­ßen Hau­ses ist das aber ein Pro­blem, denn Fa­mi­li­en­ban­de gibt es un­ter Trump ja reich­lich. Ivan­ka Trump und Jared Kush­ner, im pro­mi­ver­lieb­ten Ame­ri­ka als Toch­ter und Schwie­ger­sohn des Prä­si­den­ten zärt­lich mit dem gla­mou­rö­sen „Ja­van­ka“ge­stem­pelt, wa­ren in sechs Mo­na­ten Trump schon vie­les. Ei­gent­li­che Macht­ach­se, die gro­ßen Prä­si­den­ten­be­sänf­ti­ger, New Yorks li­be­ra­les Ge­gen­ge­wicht zur rechts­ge­la­ger­ten Kern­mann­schaft – nichts da­von stimm­te wirk­lich. Ihr Ein­fluss ist of­fen­kun­dig be­grenzt, und Trumps viel­ge­prie­se­ner Al­les­be­ra­ter Kush­ner kocht er­sicht­lich auch nur mit Was­ser, manch­mal so­gar mit recht we­nig. Pro­blem: Das Paar zählt zu den „Glo­ba­lis­ten“, die wie et­wa auch Wirt­schafts­be­ra­ter Ga­ry Kohn die USA ger­ne in Bünd­nis­sen ver­an­kert las­sen wol­len. In elek­tro­ni­scher Post wird Kohn von sei­nen Geg­nern mit dem Sym­bol ei­ner Welt­ku­gel ver­se­hen, für die Ban­nons und Mil­lers ist das in Zei­ten von „Ame­ri­ka zu­erst“ein Kampf­be­griff. Die Rei­be­flä­che Glo­ba­lis­ten ge­gen Na­tio­na­lis­ten ge­hört im Wei­ßen Haus zu den größ­ten und rau­es­ten. Schon als Ge­schäfts­mann war Trump da­für be­kannt, Zwist un­ter sich be­wusst zu er­zeu­gen, mö­ge der Stär­ke­re gewinnen.

Zu all den Grup­pen und An­füh­rern die­ses mas­si­ven Ge­gen­ein­an­ders ge­sel­len sich Ein­zel­ne aus dem weit­ver­zweig­ten Re­gie­rungs­ap­pa­rat. So ver­schie­den ih­re In­ter­es­sen sein mö­gen, ei­nes eint sie: Der Kampf ge­gen Trump. An­ders lässt sich der ste­te Fluss durch­ge­sto­che­ner ver­trau­li­cher In­for­ma­tio­nen nicht er­klä­ren. Die US-Re­gie­rung hat die­sem „Lea­ken“so­eben den ver­schärf­ten Kampf an­ge­sagt. Ob das dem be­la­ger­ten Prä­si­den­ten hilft, kann noch nicht ge­sagt wer­den. Kann Ex-Ge­ne­ral Kel­ly die­se Schlacht­ord­nung be­frie­den? Oh­ne den Chef si­cher nicht. Trump aber wech­selt Ko­ali­tio­nen, Sym­pa­thi­en und In­ter­es­sen wei­ter nach Be­lie­ben. Auch aus dem Ur­laub her­aus twit­tert er, als gä­be es kein Mor­gen. Martin Biale­cki

DAS WEIS­SE HAUS gilt als Schlan­gen­gru­be, zu­min­dest seit US-Prä­si­dent Trump dort ein­ge­zo­gen ist. Er selbst hält es für ei­ne „gut ge­öl­te Ma­schi­ne“. Fo­to: dpa

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