Nie­der­sach­sens lan­ger Schat­ten

Schlech­te Nach­rich­ten aus Hannover drü­cken auf die Stimmung des Kanz­ler­kan­di­da­ten der SPD

Pforzheimer Kurier - - POLITIK -

Ber­lin. Das nie­der­säch­si­sche Dra­ma ist das Letz­te, was die SPD und ihr Kanzlerkandidat Martin Schulz ge­ra­de brau­chen. Als lie­fe der Wahl­kampf der So­zi­al­de­mo­kra­ten nicht schon holp­rig ge­nug. Drei ver­lo­re­ne Land­tags­wah­len. Stra­te­gi­sche Feh­ler im Ber­li­ner Wil­lyBrandt-Haus. Ein Kan­di­dat, der je­den­falls in der öf­fent­li­chen Wahr­neh­mung im­mer wie­der ab­taucht, und des­sen in­halt­li­che Vor­stö­ße nicht so rich­tig ver­fan­gen. 15 Pro­zent­punk­te Rück­stand auf die CDU kann die SPD nicht schön­rech­nen. Sie hört aber auch nicht auf, da­ge­gen an­zu­ren­nen. Ges­tern brach Schulz zum vier­ten und letz­ten Teil sei­ner Som­mer­rei­se auf. Er war im Horst-See­ho­fer-Land Bay­ern, zu Hau­se in NRW, in Ham­burg nach den G-20-Kra­wal­len. Dies­mal geht es in den Os­ten, wo die So­zi­al­de­mo­kra­ten auch we­gen der star­ken Lin­ken Pro­ble­me ha­ben. Schulz be­sucht ein Bil­dungs­werk bei Frei­berg, TechnologieUnternehmen in Chem­nitz und ein Mehr­ge­ne­ra­tio­nen­haus in Je­na. Er grillt in ei­ner Klein­gar­ten-An­la­ge im sach­sen-an­hal­ti­ni­schen Lands­berg und schaut in ei­nem Pots­da­mer Wis­sen­schafts­park vor­bei. „An­er­ken­nung der Le­bens­leis­tung der Men­schen im Os­ten“– da­mit will die SPD punk­ten in Sach­sen, Thü­rin­gen, Sach­sen-An­halt und Bran­den­burg. Bil­dung, Forschung, Ge­ne­ra­tio­nen­ge­rech­tig­keit, die Sor­gen der ganz nor­ma­len Klein­gärt­ner – das sind schö­ne Wahl­kampf­the­men, aber ist es das, was Deutsch­land jetzt in­ter­es­siert?

Span­nen­der dürf­te wer­den, was Schulz zu El­ke Twes­ten zu sa­gen hat, der Ex-Grü­nen, die es zur CDU zieht, und die da­mit die rot-grü­ne Ko­ali­ti­on in Nie­der­sach­sen kippt. Und zur Rol­le der Lan­des­re­gie­rung in die VW-Die­sel-Af­fä­re, die Mi­nis­ter­prä­si­dent und VWAuf­sichts­rat Ste­phan Weil zu­sätz­lich un­ter Be­schuss bringt. Bei­des bringt auch der Bun­des-SPD Pro­ble­me: Die Uni­on kann ge­gen Rot-Grün kei­len. Ei­ne kom­plet­te Re­gie­rungs­er­klä­rung zum Pro­be­le­sen an Volks­wa­gen schi­cken, das wirkt nun mal schräg – selbst wenn es sich be­grün­den lässt und auf VW-Wunsch nicht viel ge­än­dert wur­de. Bis auf ei­nen knap­pen Face­book-Post zu Twes­ten hat Schulz bis­her weit­ge- hend ge­schwie­gen zur Nie­der­sach­senK­ri­se – dem Re­dak­ti­ons­netz­werk Deutsch­land sag­te er nur, er rech­ne dort mit ei­nem La­ger­wahl­kampf Rot-Grün ge­gen Schwarz-Gelb.

Über ei­nes ist sich Schulz je­doch jetzt schon si­cher: Auch im Fall ei­ner Nie­der­la­ge bei der Bun­des­tags­wahl im Sep­tem­ber will er SPD-Vor­sit­zen­der blei­ben. „Ich wer­de mich auf dem nächs­ten Par­tei­tag na­tür­lich um ei­ne Wie­der­wahl be­wer­ben“, kün­dig­te Schulz bei ei­ner Le­ser­ver­an­stal­tung des Re­dak­ti­ons­netz­werks Deutsch­land in Ber­lin an. Die SPD kön­ne „län­ge­re Rhyth­men“in der Amts­zeit ih­rer Vor­sit­zen­den ganz gut ge­brau­chen, füg­te er an. Auch dem nächs­ten Bun­des­tag will der SPD-Po­li­ti­ker un­ab­hän­gig vom Wah­l­er­geb­nis an­ge­hö­ren, so­fern er ge­wählt wird. Te­re­sa Dapp/AP

Schulz will auf je­den Fall SPD-Chef blei­ben

BE­SUCH BEI EI­NEM TECHNOLOGIEUNTERNEHMEN in Chem­nitz: SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz macht der­zeit Wahl­kampf in den neu­en Län­dern. Sei­ne Bot­schaft heißt: „An­er­ken­nung der Le­bens­leis­tung der Men­schen im Os­ten“. Fo­to: dpa

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.