Die Rech­nung liegt schon bei

Buch­händ­ler Tha­lia for­dert von Ver­lags­part­nern Zah­lung für In­ves­ti­tio­nen

Pforzheimer Kurier - - WIRTSCHAFT - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Ma­rio Belt­schak

Karls­ru­he/Ha­gen. Ein Klein­ver­le­ger aus Karls­ru­he hielt das Schreiben zu­nächst für ei­nen April­scherz: „Dann ha­be ich fest­ge­stellt, dass wir schon En­de Ju­li hat­ten“. Der Brief, auf den sich der Mann be­zieht, stammt von Tha­lia. Der Buch­händ­ler mit Sitz in Ha­gen und mit deutsch­land­weit et­wa 220 Fi­lia­len ver­schick­te Post an sei­ne „stra­te­gi­schen Lie­fe­ran­ten und Ver­lags­part­ner“, wie es in dem Schreiben mit dem Titel „Lang­fris­ti­ge Si­che­rung un­se­rer Ge­schäfts­be­zie­hun­gen“heißt, das den BNN vor­liegt.

Der Karls­ru­her Ver­le­ger – na­ment­lich möch­te er we­gen mög­li­cher Rechts­strei­tig­kei­ten nicht ge­nannt wer­den – zählt zu den be­sag­ten Part­nern. Mit sei­nem Ver­lag pro­du­ziert er Wa­re, die er un­ter an­de­rem über Tha­lia ver­treibt. Nun wird er von dem Ha­ge­ner Un­ter­neh­men auf­ge­for­dert, 100 Eu­ro zu zah­len, „für be­reits ge­tä­tig­te und wei­ter ge­plan­te In­ves­ti­tio­nen“, be­grün­det Tha­lia in dem Brief die For­de­rung. „Ei­ne Rech­nung liegt bei. Das ist schon cle­ver ge­macht“, sagt der Karls­ru­her. Dass Tha­lia nun über die be­reits be­ste­hen­de Ver­trags­be­zie­hung hin­aus Geld von ihm ver­langt, sei mehr als frag­wür­dig. „Da ich die Art und Wei­se der Geld­be­schaf­fung höchst be­fremd­lich fin­de, ha­be ich die Be­zah­lung ab­ge­lehnt.“Ähn­lich wie der Ver­le­ger aus der Fä­cher­stadt se­hen es auch an­de­re Lie­fe­ran­ten des Buch­händ­lers. Vie­le von ih­nen sind in Sa­chen Um­satz auf den Fi­lia­lis­ten aus Nord­rhein-West­fa­len an­ge­wie­sen. Was bei ei­ner Zah­lungs­wei­ge­rung pas­siert, ist nicht klar. Tha­lia lässt die­je­ni­gen, die sich ge­gen die Auf­for­de­rung weh­ren, zwar wis­sen, dass es „un­mit­tel­ba­re Kon­se­quen­zen nicht ge­ben wird“. Was das für die lang­fris­ti­gen Ge­schäfts­be­zie­hun­gen be­deu­tet, bleibt in­des of­fen.

Über­haupt gibt sich Tha­lia im Zu­sam­men­hang mit der ver­schick­ten Post äu­ßerst ver­schlos­sen. Auf ei­ne Rei­he von Fra­gen der Ba­di­schen Neu­es­ten Nach­rich­ten ant­wor­tet die Pres­se­stel­le des Un­ter­neh­mens nur mit we­ni­gen Sät­zen. Be­grün­det wird die Geld­for­de­rung un­ter an­de­rem mit dem „sta­gnie­ren­den Preis­ni­veau und der rück­läu­fi­gen Kun­den­fre­quenz“. Bei­des Din­ge, über die bei­spiels­wei­se auch Mo­de- oder Le­bens­mit­tel­händ­ler kla­gen. Das führt zu stei­gen­den Kos­ten. „Des­halb ist es not­wen­dig, in die Wei­ter­ent­wick­lung un­se­res Ge­schäfts­mo­dells zu in­ves­tie­ren und auch un­se­re Ver­lags­part­ner dar­an zu be­tei­li­gen“, teilt Tha­lia mit. Ob die nun er­grif­fe­ne Maß­nah­me da­für ge­eig­net ist, be­zwei­feln je­doch nicht nur Ver­lags­part­ner der Buch-Ket­te, son­dern auch ei­ni­ge Ju­ris­ten. Von die­sen ist zu hö­ren, dass ei­ne ein­sei­ti­ge Ve­rän­de­rung der Ver­trags­kon­di­tio­nen nicht mach­bar sei. Tha­lia selbst äu­ßert sich nicht da­zu, ob ei­ne sol­che Geld­for­de­rung über­haupt ju­ris­tisch sau­ber sei. Wie vie­le Brie­fe an Ver­lags­part­ner ver­schickt wur­den, bleibt eben­falls un­klar. Auch da­zu schweigt Tha­lia. „Wir bit­ten um Ver­ständ­nis, dass wir De­tails zu Ver­hand­lun­gen mit un­se­ren Ge­schäfts­part­nern grund­sätz­lich nicht kom­men­tie­ren“, heißt es aus der Pres­se­stel­le des Un­ter­neh­mens.

Wie er­folg­reich die Ak­ti­on ist, hängt wohl auch da­mit zu­sam­men, wie vie­le Ver­la­ge und Lie­fe­ran­ten der Zah­lungs­auf­for­de­rung nach­kom­men wer­den. Wie groß die Markt­macht von Tha­lia je­doch ist, ver­deut­lich un­ter an­de­rem der Um­stand, dass die meis­ten Part­ner nicht öf­fent­lich ge­gen den Buch­händ­ler und des­sen jüngst ver­schick­te Schreiben auf­be­geh­ren. Tha­lia war­tet sei­ner­seits ab: „Wir wer­den die Ak­ti­on in den nächs­ten Wo­chen be­wer­ten und dann ent­schei­den, wel­che wei­te­ren Schrit­te wir un­ter­neh­men wer­den.“

Vie­le Fra­gen blei­ben of­fen

EI­NE GRÖSSE AUF DEM BÜ­CHER-MARKT ist Tha­lia. Das Un­ter­neh­men ar­bei­tet mit zahl­rei­chen Ver­la­gen und Lie­fe­ran­ten zu­sam­men. Von die­sen for­dert Tha­lia nun ei­ne Ex­tra-Zah­lung für In­ves­ti­tio­nen. Fo­to: dpa

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