Sal­to nul­lo sorgt für Frust

Holz­dep­pe er­lebt im St­ab­hoch­sprung-Fi­na­le ein De­ba­kel / Kend­ricks ganz oben

Pforzheimer Kurier - - LEICHTATHLETIK-WM IN LONDON -

Vor ei­nem Jahr bei den Olym­pi­schen Spie­len in Rio ver­goss Ren­aud La­vil­le­nie noch bit­te­re Trä­nen, weil die Zu­schau­er ihn als Ri­va­len ih­res gro­ßen Hel­den Thia­go Braz da Sil­va gna­den­los aus­pfif­fen. In Lon­don da­ge­gen wur­de der fran­zö­si­sche Olym­pia­sie­ger von 2012 am Di­ens­tag­abend von den 56 000 Zu­schau­ern be­geis­tert zu­rück­be­grüßt – und zu Höchst­leis­tun­gen ge­klatscht. Sei­nen WM-Fluch konn­te der jun­ge Va­ter al­ler­dings trotz Sai­son­best­leis­tung von 5,89 Me­tern und ei­nem Po­ker­spiel bei 6,01 Me­tern nicht über­win­den. In ei­nem hoch­ka­rä­ti­gen Fi­na­le gab es für ihn Bron­ze hin­ter Sam Kend­ricks (5,95) aus den USA und Piotr Li­sek (5,89) aus Po­len. Die 6,01 Me­ter wa­ren an die­sem Abend für al­le zu hoch.

Bei den ver­gan­ge­nen vier Welt­meis­ter­schaf­ten ge­wann der Hal­len­welt­re­kord­ler La­vil­le­nie (6,16 Me­ter) drei­mal Bron­ze und ein­mal Sil­ber (2013). WM-Gold ist die ein­zi­ge gro­ße Me­dail­le, die dem 30 Jah­re al­ten, drei­ma­li­gen Eu­ro­pa­meis­ter noch fehlt. Aber der 24 Jah­re al­te Kend­ricks, Olym­pia­drit­ter von Rio, hat­te sei­ne her­aus­ra­gen­de Form im Ju­ni bei den US-Meis­ter­schaf­ten schon un­ter­mau­ert. Er war als 22. St­ab­hoch­sprin­ger der His­to­rie in den Sechs-Me­ter-Club vor­ge­drun­gen.

Für Ra­pha­el Holz­dep­pe, den Welt­meis­ter von 2013 und WM-Zwei­ten von 2015, war der Wett­kampf schon wie­der vor­bei, be­vor er so rich­tig be­gon­nen hat­te. Der 27-Jäh­ri­ge vom LAZ Zwei­brü­cken, als ein­zi­ger deut­scher St­ab­hoch­sprin­ger in Lon­don da­bei, schei­ter­te drei­mal an der Ein­stiegs­hö­he von 5,50 Me­tern. Nach ei­ner schwie­ri­gen Sai­son 2016 mit ei­ner bö­sen Knö­chel­ver­let­zung im Früh­jahr und dem Aus in der Qua­li­fi­ka­ti­on bei Olym­pia in Rio war es in die­ser Hal­len­sai­son wie­der bis auf 5,80 Me­ter ge­kom­men. Dann brach ihm ein Stab. Und noch ei­ner. Holz­dep­pe wur­de un­si­cher und wech­sel­te den Her­stel­ler, er springt jetzt mit Stä­ben mit hö­he­rem Glas­fie­ber­und ge­rin­ge­rem Kar­bon-An­teil. „Wenn du kein Ver­trau­en mehr in die Stä­be hast, bringt das na­tür­lich Un­ru­he“, sag­te der deutsche Bun­des­trai­ner Jörn El­ber­ding. Die Pro­duk­ti­on neu­er Stä­be dau­ert rund acht Wo­chen. Holz­dep­pe lieh sich zu­nächst die fast 20 Jah­re al­ten Stä­be sei­nes Trai­ners And­reij Ti­wont­schik. Er be­kam Ma­te­ri­al von Kol­le­gen aus Le­ver­ku­sen, die sich nicht für die WM qua­li­fi­ziert hat­ten. Recht­zei­tig zur WM wa­ren die neu­en Stä­be dann da. Und die Zu­ver­sicht kam zu­rück. Bun­des­trai­ner El­ber­ding sag­te: „Ra­pha­el hat rich­tig viel Po­ten­zi­al in sich, al­le phy­si­schen Leis­tun­gen sind da.“Holz­dep­pe über­stand Qua­li­fi­ka­ti­on mit ei­nem Flug über 5,70 Me­ter sou­ve­rän. Doch als im Fi­na­le die Me­dail­len ver­ge­ben wur­den, konn­te er nur noch zu­schau­en.

„Das ist frus­trie­rend. Ich bin im Mo­ment ein­fach ent­täuscht über mich sel­ber“, sag­te Holz­dep­pe: „Ei­gent­lich lief vor­her al­les su­per, ich hat­te mir viel mehr vor­ge­nom­men. Ich ha­be mich bes­ser ge­fühlt als in der Qua­li, war su­per drauf. Ich muss jetzt erst­mal ana­ly­sie­ren, woran es ge­le­gen hat.“Su­san­ne Rohl­fing

La­vil­le­nie lan­det auf dem Bron­ze-Rang

HOCH HIN­AUS ging es für Sam Kend­ricks (USA), dem neu­en St­ab­hoch­sprung-Welt­meis­ter.

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