„Es muss ja mal ein En­de ha­ben“

De­ri­va­te-Pro­zess: Ka­me­ras und Film­teams be­glei­ten die An­ge­klag­ten in den Ge­richts­saal

Pforzheimer Kurier - - PFORZHEIM - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Ca­ro­lin Frey­tag

Oh­ne gro­ße Re­gung schau­en die drei An­ge­klag­ten mal zu Staats­an­walt Uwe Sieg­rist, der auf der Sei­te ge­gen­über ge­ra­de die An­kla­ge ver­liest, mal auf Pa­pier­sta­pel, die vor ih­nen lie­gen. Pforz­heims Ex-Ober­bür­ger­meis­te­rin und der frü­he­re Käm­me­rei-Stell­ver­tre­ter Kon­rad We­ber hö­ren sich die Vor­wür­fe an – und ver­zie­hen kaum ei­ne Mie­ne. Die ehe­ma­li­ge Käm­me­rin Su­san­ne Weishaar scheint der Pro­zess mehr zu be­we­gen. Im­mer wie­der huscht ihr ein skep­ti­scher Blick übers Ge­sicht. Man­che Aus­sa­gen von Sieg­rist kommentiert sie mit hoch­ge­zo­ge­nen Au­gen­brau­en. Auf der An­kla­ge­bank im Mann­hei­mer Land­ge­richt wer­den die drei in den kom­men­den Mo­na­ten häu­fig sit­zen. Ih­nen wird vor­ge­wor­fen, Pforz­heim mit De­ri­va­te-Käu­fen ei­nen Mil­lio­nen-Scha­den zu­ge­fügt zu ha­ben. Selbst aus­sa­gen müs­sen die An­ge­klag­ten vor der Gro­ßen Wirt­schafts­straf­kam­mer am Tag des Auf­tak­tes noch nicht.

Auch sonst sind die Wor­te an die­sem Tag eher knapp – schon mor­gens vor Pro­zess­be­ginn. „Das wird schon wer­den“, sagt We­ber kaum hör­bar und ver­schwin­det kurz dar­auf in der Ein­gangs­tür des Land­ge­richts. We­ni­ge Mi­nu­ten da­nach hal­ten die Wa­gen von Au­gen­stein und ih­rem pro­mi­nen­ten An­walt Wolf­gang Ku­bi­cki vor dem Ge­richts­ge­bäu­de. Mit Ka­me­ra­teams und Fo­to­gra­fen auf den Fer­sen geht es zum Sit­zungs­saal. Au­gen­stein ver­steckt sich nicht. State­ments gibt es aber kei­ne, dar­um ist An­walt Ku­bi­cki sicht­lich be­müht. Weishaar lässt sich vor den Fo­to­gra­fen ab­schir­men. Fo­tos will sie nicht.

An­ders als in sol­chen Pro­zes­sen üb­lich, wol­le er dies­mal nach der An­kla­ge­ver­le­sung „Ope­ning-State­ments“der Ver­tei­di­ger zu­las­sen, er­klärt Rich­ter Andre­as Lin­den­thal gleich zu Be­ginn. Weis­haars An­walt Ed­do Com­part und Au­gen­steinVer­tei­di­ger Ku­bi­cki nut­zen die Chan­ce. Die An­kla­ge selbst sei für die Be­trof­fe­nen be­reits ei­ne schlim­me Sa­che. „Die Me­dien­be­rich­te kom­men ei­ner Vor­ver­ur­tei­lung gleich, weil kaum je­mand den Ver­lauf des Ver­fah­rens ver­folgt“, sagt Com­part. Durch die De­ri­va­te-Käu­fe sei frag­los ein Scha­den ent­stan­den. „Straf­recht­lich re­le­vant ist der al­ler­dings nicht.“Ge­schäf­te sei­en nun ein­mal mit Ri­si­ken ver­bun­den. Den Vor­wurf, Weishaar hät­te nicht ver­su­chen dür­fen, Ver­lus­te durch wei­te­re De­ri­va­te aus­zu­glei­chen, lässt er nicht ste­hen: „Wä­re es nicht auch Un­treue, wenn sie nicht al­les ge­tan hät­te, um den Ver­lust zu ver­mei­den?“Die Be­ra­tungs­ge­büh­ren für J. P. Mor­gan sei­en auch kein Scha­den für die Stadt. Schließ­lich sei­en die Be­ra­tungs­leis­tun­gen nö­tig ge­we­sen. Ob der Gemeinderat aus­rei­chend in­for­miert wur­de oder nicht, hält Ku­bi­cki für ir­re­le­vant: „Die De­ri­va­te-Ver­trä­ge wa­ren Ge­schäf­te der lau­fen­den Ver­wal­tung, und da ist das nicht nö­tig.“Ab­ge­se­hen da­von: „Wür­de man ei­nen Gemeinderat über ver­bo­te­ne Ge­schäf­te in­for­mie­ren, dann wä­ren sie im­mer noch ver­bo­ten.“Au­gen­stein ha­be je­den­falls stets das Bes­te für ih­re Stadt ge­wollt. Das Spre­chen mit den Me­di­en­ver­tre­tern nach dem Auf­takt über­nimmt Ku­bi­cki. „Es muss ja mal ein En­de ha­ben“ist der ein­zi­ge Satz, den Au­gen­stein sagt, be­vor ihr An­walt ihr na­he­legt, doch lie­ber zu schwei­gen. Süd­west­echo

AN­KUNFT AM MANN­HEI­MER LAND­GE­RICHT: Die ehe­ma­li­ge Pforz­hei­mer Ober­bür­ger­meis­te­rin Chris­tel Au­gen­stein wird von ih­rem An­walt Wolf­gang Ku­bi­cki emp­fan­gen. Fo­to: Roth

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