Kie­sel­gur statt Fi­pro­nil

Re­gio­na­le Hüh­ner­hal­ter spü­ren nach Eierskan­dal er­höh­te Nach­fra­ge

Pforzheimer Kurier - - PFORZHEIM - Von un­se­rem Mit­ar­bei­ter Jür­gen Pe­che

Mit dem In­sek­ti­zid Fi­pro­nil ver­seuch­te Eier be­un­ru­hi­gen die Kon­su­men­ten. Wäh­rend die Dis­coun­ter sämt­li­che ver­däch­ti­gen Eier aus den Re­ga­len ge­nom­men ha­ben, re­agie­ren Kun­den in Pforz­heim und Enz­kreis mit ei­ner ver­stärk­ten Nach­fra­ge nach Bio-Ei­ern oder Ei­ern von re­gio­na­len Er­zeu­gern. Die Pro­du­zen­ten wie der Bio­hof Rei­ser in Strau­ben­hardt, kom­men mit der Pro­duk­ti­on nicht mehr nach – schließ­lich le­gen ih­re 1 800 frei­lau­fen­den Hüh­ner jetzt nicht plötz­lich mehr als die üb­li­chen 1 500 bis 1 600 Eier am Tag. „Man muss früh auf­ste­hen, um in un­se­rem Hof­la­den noch si­cher Eier zu be­kom­men“, rät El­ke Rei­ser. Meist ge­hen sie im Ta­ges­ver­lauf wirk­lich aus. „Ich se­he jetzt bei uns Leu­te, die noch nie im La­den wa­ren“, so die Bäue­rin zum plötz­li­chen Nach­fra­ge­an­stieg. Ne­ben den Hof­la­den-Kun­den wer­den auch noch meh­re­re Le­bens­mit­tel­lä­den und Na­tur­kost­ge­schäf­te mit Bio­land-Ei­ern be­lie­fert.

„Rest­los weg“ge­hen die Eier auch bei Mül­lers Hüh­ner­glück in Bir­ken­feld, kann Ra­fa­el Mül­ler be­rich­ten. „Nor­ma­ler­wei­se ha­ben wir jetzt das Som­mer­loch, wo vie­le un­se­rer Kun­den in Ur­laub sind.“Da wer­de üb­li­cher­wei­se die Nach­fra­ge ge­rin­ger. Doch da­von spürt Mül­ler die­ses Jahr nichts. Wo sonst die über­schüs­si­gen Eier ver­mehrt zum Ku­chen­ba­cken im hof­ei­ge­nen Ca­fé ver­wen­det wer­den, kann Mül­ler nun ge­ra­de noch zwei Ede­ka-Märk­te in Bir­ken­feld und Hu­chen­feld be­lie­fern, die di­rekt bei ei­nem Er­zeu­ger ein­kau­fen wol­len. Mül­ler hat in­zwi­schen drei mo­bi­le Hüh­ner­stäl­le im Ein­satz mit zu­sam­men 1 600 Tie­ren, die im­mer wie­der auf neu­en Wie­sen fres­sen und schar­ren dür­fen.

Der Loh­wie­sen­hof in Hu­chen­feld in­for­miert „aus ak­tu­el­lem An­lass“auf sei­ner Web­site de­tail­liert über die Rei­ni­gung sei­ner Hüh­ner­stäl­le. „Wir ha­ben vier Hüh­ner­stäl­le, je­weils mit Hüh­nern un­ter­schied­li­chen Al­ters. Wenn ei­ne Al­ters­grup­pe die Le­ge­pe­ri­ode be­en­det hat, wer­den die Hüh­ner aus­ge­stallt und die Hüh­ner­stal­lein­rich­tung kom­plett aus- be­zie­hungs­wei­se ab­ge­baut. Die Stal­lein­rich­tung wird in Ein­zel­tei­le meh­re­re Ta­ge in Was­ser ein­ge­weicht und an­schlie­ßend mit hei­ßem Was­ser, wel­ches mit der Ab­wär­me von der Bio­gas­an­la­ge er­hitzt wur­de und reich­lich vor­han­den ist, je­des ein­zel­ne Teil mit sehr ho­hem Druck ab­ge­strahlt.“Da­bei wer­den laut Bau­er Frank Burg­hardt auch Mil­ben aus den feins­ten Rit­zen ent­fernt. „Zur Rei­ni­gung wer­den kei­ner­lei Rei­ni­gungs­mit­tel be­nö­tigt und ver­wen­det“, ver­si­chert er. Die­ses Vor­ge­hen sei zwar sehr auf­wen­dig, „aber un­se­re ge­sun­den Tiere dan­ken es uns.“4 000 Le­ge­hen­nen hält Loh­wie­sen-Bau­er Burg­hardt, die tags­über zwi­schen Wie­se und Stäl­len wäh­len kön­nen. Die Nach­fra­ge nach sei­nen Ei­ern sei deut­lich ge­stie­gen: „Die Leu­te kau­fen lie­ber re­gio­nal, weil sie si­cher sind, hier nicht an­ge­schmiert zu wer­den.“ Im Som­mer­loch pro­du­ziert Burg­hardt aus den über­schüs­si­gen Ei­ern sonst Nu­deln, was jetzt we­gen der stär­ke­ren Nach­fra­ge ver­nach­läs­sigt wird.

Ähn­lich wie Burg­hardt rei­nigt auch Mül­ler sei­ne Stäl­le im „Rein-Raus-Ver­fah­ren“: Nach dem Aus­mus­tern der Le­ge­hen­nen wer­den bei ihm die Stäl­le zu­nächst be­sen­rein ge­säu­bert. „Mit Dampf wird dann 95 Pro­zent der Ve­r­un­rei­ni­gung ent­fernt“. Den Rest be­sor­gen dann so­ge­nann­te Ef­fek­ti­ve Mi­kro­or­ga­nis­men (EM), mit de­nen die Stäl­le drei­mal ein­ge­sprüht wer­den. „Che­mi­sche Des­in­fek­ti­ons­mit­tel brau­chen wir nicht“, ver­si­chert der Hüh­ner­hal­ter. Pro­ble­me mit Mil­ben, die je­der Be­trieb ha­be, geht Mül­ler mit Kie­sel­gur an, den er eben­falls spritzt oder zer­stäubt im lau­fen­den Be­trieb. „Ei­ne rein bio­lo­gi­sche Be­hand­lung al­so.“

Das Fut­ter baut Mül­ler selbst an und ach­tet dar­auf, dass kein gen­ma­ni­pu­lier­tes So­ja da­bei ist. Auch auf dem Bio­hof Rei­ser in Strau­ben­hardt wird das Fut­ter nach Bio­land-Vor­schrif­ten selbst her­ge­stellt. „Wir set­zen au­ßer­dem nur Rei­ni­gungs­mit­tel ein, die von Bio­land zu­ge­las­sen sind“, ver­si­chert El­ke Rei­ser. Die­se Rei­ni­gungs­mit­tel auf bio­lo­gi­scher Ba­sis wer­den dann auch bei der Kom­plett­rei­ni­gung beim Hüh­ner­wech­sel ein­ge­setzt.

„Hier wer­den die Leu­te nicht an­ge­schmiert“

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