Haft­stra­fe trotz Läu­te­rung

Kei­le­rei in Bahn­hofs­un­ter­füh­rung vor Ge­richt

Pforzheimer Kurier - - PFORZHEIM - Von un­se­rer Mit­ar­bei­te­rin Chris­tia­ne Vieh­weg

Das ju­ris­ti­sche Nach­spiel ei­ner Kei­le­rei am 15. Ju­li ver­gan­ge­nen Jah­res ist am Mon­tag be­en­det wor­den. Wie be­rich­tet, la­gen in der Nacht nach 1 Uhr zwei jun­ge Män­ner am Bo­den der Bahn­hofs­un­ter­füh­rung. Ei­ner be­wusst­los, der an­de­re da­ne­ben blut­über­strömt mit ei­ner Platz­wun­de an der Stirn. Vor dem Ju­gend­schöf­fen­ge­richt un­ter Vor­sitz von Rich­te­rin Mi­ri­am Strei­cher muss­ten sich zwei jun­ge Män­ner ver­ant­wor­ten; Kim (20) und Ab­bas (22). Kim hat­te wie­der­holt ver­si­chert, nur da­bei­ge­stan­den zu ha­ben, was meh­re­re Zeu­gen auch be­stä­tig­ten. Ge­gen ihn wur­de das Ver­fah­ren ein­ge­stellt (Na­men von der Re­dak­ti­on ge­än­dert). Ab­bas da­ge­gen war, laut Zeu­gen­aus­sa­gen, der­je­ni­ge, der wie­der­holt ge­gen den Kopf des am Bo­den Lie­gen­den ge­tre­ten hat­te. Ihn ver­ur­teil­ten die Rich­ter nach Er­wach­se­nen­straf­recht zu ei­ner Frei­heits­stra­fe von ein­ein­halb Jah­ren oh­ne Be­wäh­rung.

Für den jun­gen Mann, der nach dem Abitur jetzt auch ei­nen Aus­bil­dungs­platz ge­fun­den hat, ei­ne „bit­te­re Pil­le“. Den Rich­tern blieb al­ler­dings kei­ne Wahl. Ab­bas hat­te zu­vor schon zwei Be­wäh­rungs­stra­fen be­kom­men; zwei Jah­re die ei­ne, acht Mo­na­te die an­de­re. Bei­de Be­wäh­run­gen wa­ren mit der neu­er­li­chen Tat ge­bro­chen wor­den. Ei­ne drit­te Be­wäh­rungs­stra­fe konn­ten die Rich­ter nicht ver­hän­gen.

Ab­bas’ Woh­nungs­ge­ber hielt ein ge­ra­de­zu flam­men­des Plä­doy­er für den An­ge­klag­ten; seit Sep­tem­ber ha­be er sich „um 180 Grad ge­dreht“, ar­bei­te pünkt­lich und flei­ßig, was auch zu sei­nem Aus­bil­dungs­ver­trag ab 1. Sep­tem­ber ge­führt hat­te, ha­be ei­nen gänz­lich an­de­ren Freun­des­kreis und sei, wenn auch et­was ver­spä­tet, nun „rich­tig er­wach­sen ge­wor­den“. Es half nichts. Sein Mit­tä­ter, der in ei­nem ge­son­der­ten Ver­fah­ren be­reits ver­ur­teilt wur­de und als Zeu­ge aus­sa­gen muss­te, be­rich­te­te recht wi­der­wil­lig, dass Ab­bas zu­ge­tre­ten ha­be. Sei­nen Freund zu be­las­ten war ihm sicht­lich un­an­ge­nehm. Staats­an­wäl­tin Re­gi­na Schmid sah in der Tat zwei­fa­che ge­fähr­li­che Kör­per­ver­let­zung. Nach ins­ge­samt 13 Vor­stra­fen sah sie kei­ne Mög­lich­keit ei­ner Be­wäh­rung mehr, sie be­an­trag­te ei­ne Frei­heits­stra­fe von ei­nem Jahr und zehn Mo­na­ten.

„Al­les Ju­gend­sün­den“, be­fand Ver­tei­di­ger Ste­phan Ro­then­stein das Ver­gan­ge­ne. In je­ner Nacht sei­en die Ge­schä­dig­ten an der Es­ka­la­ti­on si­cher nicht ganz un­schul­dig ge­we­sen. Sein Man­dant ha­be sich fehl­lei­ten las­sen. Er ging nicht von ge­fähr­li­cher, son­dern nur von ein­fa­cher Kör­per­ver­let­zung aus. Ei­ne kon­kre­te Stra­fe be­an­trag­te Ro­then­stein nicht, son­dern ei­ne sol­che, die zur Be­wäh­rung aus­ge­setzt wer­den mö­ge.

Die Rich­ter konn­ten dem nicht fol­gen. Trit­te ge­gen den Kopf sei­en im­mer ei­ne le­bens­ge­fähr­li­che Be­hand­lung, be­grün­de­te Rich­te­rin Strei­cher das Ur­teil. Au­ßer­dem sei schon die Be­wäh­rungs­zeit „aus dem Ru­der“ge­lau­fen. Ei­ne noch­ma­li­ge Be­wäh­rung sei nicht mög­lich.

„Trit­te ge­gen den Kopf im­mer le­bens­ge­fähr­lich“

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