Stadt dreht den Geld­hahn zu

Zwei­fel an Mit­tel­ver­wen­dung beim Tier­schutz­ver­ein / Ab­ge­wähl­te Funk­tio­nä­re ge­ben Hin­weis

Pforzheimer Kurier - - KARLSRUHE - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Kirs­ten Et­zold

Der Tier­schutz­ver­ein Karls­ru­he und Um­ge­bung er­hält ab so­fort kei­ne Zah­lun­gen mehr von der Stadt. Bis auf Wei­te­res ge­stoppt sind laut Käm­me­rei so­wohl In­ves­ti­ti­ons­zu­schüs­se als auch die Kos­ten­er­stat­tung für die Ver­sor­gung von Fund­tie­ren. Ei­ne ak­tu­ell fäl­li­ge Ra­te von 50 000 Eu­ro wer­de eben­so wie jeg­li­che an­de­re Zah­lung erst aus­be­zahlt, wenn „nä­he­re In­for­ma­tio­nen“ein­ge­gan­gen und Zwei­fel auf­ge­klärt sei­en, sag­te ges­tern auf BNN-An­fra­ge der ko­or­di­nie­ren­de Sach­be­ar­bei­ter in der Käm­me­rei. „Wir wis­sen nicht, ob Gel­der

Sa­lisch sieht sich aus dem Amt kom­pli­men­tiert

zu Recht oder zu Un­recht ver­wen­det wur­den“, prä­zi­sier­te er. Nach ent­spre­chen­den Hin­wei­sen ab­ge­lös­ter Vor­stands­mit­glie­der ha­be die Stadt dem „Vor­sicht­s­prin­zip“fol­gend so­fort den Aus­zah­lungs­stopp ver­an­lasst.

Es geht um nen­nens­wer­te Sum­men. Als Kos­ten­er­stat­tung zahlt die Stadt seit An­fang 2016 dem Ver­ein jähr­lich 100 000 Eu­ro, und sie ver­zich­tet auf 60 000 Eu­ro Jah­res­mie­te fürs Ge­län­de des Tier­heims in Rap­pen­wört. Zu­sätz­lich be­zu­schusst sie In­ves­ti­tio­nen. Zum ak­tu­el­len Neu­bau ei­nes Hun­de­hau­ses steu­ert sie 100 000 Eu­ro bei, eben­so viel üb­ri­gens auch das Land.

Dass Karls­ru­he den Geld­hahn zu­dreht, folgt ei­nem un­har­mo­ni­schen Füh­rungs­wech­sel im Tier­schutz­ver­ein. Die Vor­sit­zen­de Hein­ke Sa­lisch, ehe­mals Karls­ru­her Bau­bür­ger­meis­te­rin, wur­de nach 13 Jah­ren ab­ge­wählt in ei­ner Stimm­ab­ga­be, die ei­ni­ge Teil­neh­mer als „chao­tisch“kri­ti­sie­ren. Die Schatz­meis­te­rin und de­ren Stell­ver­tre­tung gin­gen dar­auf­hin selbst von Bord. Sie­ben von zwölf Vor­stands­mit­glie­dern sind weg. Der neue Vor­sit­zen­de Cars­ten Bo­bert hat nun noch Stell­ver­tre­ter Mar­kus Rich­ter und Schrift­füh­re­rin Ju­lia­ne Po­ser in un­ver­än­der­ter Po­si­ti­on an der Sei­te. Sa­lisch sieht sich aus hei­te­rem Him­mel hin­aus­kom­pli­men­tiert. Das sei „per­fekt or­ga­ni­siert“, Grün­de nicht ge­nannt wor­den. Sa­lisch glaubt, ih­re Ab­wahl sol­le ver­hin­dern, dass „ak­ten­kun­di­ge Miss­stän­de“im Ver­ein auf­ge­klärt wür­den, die An­fang 2017 of­fen­bar ge­wor­den und de­ren Auf­klä­rung „zwin­gend nö­tig“sei. „Man woll­te wohl die los­wer­den, die dar­an in­ter­es­siert sind“, so Sa­lisch. Kon­kre­ter wird sie nicht, doch Äm­ter prüf­ten schon.

Zu­schüs­se, Spenden, Ge­mein­nüt­zig­keit: Es steht viel auf dem Spiel für den Tier­schutz­ver­ein, der her­ren­lo­se Hun­de, Kat­zen und Ka­nin­chen ver­sorgt. Sa­lisch traf An­fang 2016 mit der Stadt die ak­tu­el­len Ver­ein­ba­run­gen – auch, dass Karls­ru­he In­ves­ti­tio­nen in Ge­bäu­de­er­halt und Aus­bau zu zwei Drit­teln be­zahlt. Da­mit en­de ei­ne Pha­se fi­nan­zi­el­ler Schief­la­ge beim Tier­schutz­ver­ein, hat­te Sa­lisch er­klärt, als sie und Ober­bür­ger­meis­ter Frank Men­trup den Ver­trag un­ter­schrie­ben. Nun sagt die ab­ge­wähl­te Ver­eins­che­fin, sie hin­ter­las­se „so­li­de Fi­nan­zen, ein star­kes Team mit gut aus­ge­bil­de­ten Re­vier­lei­te­rin­nen und vol­le Kas­sen“. Ei­ne Rück­kehr schließt Sa­lisch ka­te­go­risch aus.

Über dem Tier­schutz­ver­ein schwe­ben noch an­de­re dunk­le Wol­ken. Ju­ris­tisch be­ra­ten, kün­di­gen lang­jäh­ri­ge Mit­strei­ter der Ab­ge­wähl­ten an, „wahr­schein­lich“

Ju­ris­ten be­rei­ten Wahl­an­fech­tung vor

noch in die­ser Wo­che beim Amts­ge­richt die Wahl an­zu­fech­ten. Un­ter an­de­rem sei­en vie­le Hun­de­aus­füh­rer in der Jah­res­haupt­ver­samm­lung in den Ver­ein auf­ge­nom­men und dann di­rekt zur Wahl zu­ge­las­sen wor­den, wäh­rend man an­de­re Auf­nah­me­an­trä­ge will­kür­lich ab­ge­lehnt ha­be. Das Wah­l­er­geb­nis sei da­durch ent­schei­dend ver­zerrt.

Der neue Ver­eins­vor­sit­zen­de Cars­ten Bo­bert, Jahr­gang 1966, Ser­vice­lei­ter in ei­nem Karls­ru­her Au­to­haus, en­ga­giert sich erst seit gut ei­nem Jahr im Tier­heim des Tier­schutz­ver­eins, auch als Hun­de­aus­füh­rer. Ihm sei „Un­zu­frie­den­heit zu Ohren ge­kom­men“, ver­schie­de­ne Sei­ten hät­ten ihn ge­be­ten, für den Vor­sitz zu kan­di­die­ren. 70 Jaund 22 Nein­stim­men hät­ten ihn über­rascht: „Ich hat­te nicht so ein ein­deu­ti­ges Er­geb­nis er­war­tet.“Wel­chen An­teil dar­an frisch Auf­ge­nom­me­ne hat­ten, wis­se er nicht.

Bo­bert nennt „Trans­pa­renz“als vor­ran­gi­ges Ziel. Die sei für vie­le „nicht mehr er­kenn­bar“ge­we­sen. „Der Vor­stand hat sich von der Ba­sis ent­fernt“, sagt der neue Mann an der Ver­eins­spit­ze. Ei­ne Über­ga­be der „Amts­ge­schäf­te und Vor­gän­ge“durch Sa­lisch und die Schatz­meis­te­rin sei „nach dem über­ra­schen­den Wech­sel lei­der nicht mög­lich“. Nach amt­li­chen Prü­fun­gen be­fragt, er­klärt Bo­bert le­dig­lich, dass ihm sei­ne Amts­vor­gän­ge­rin per Post „et­was zu­ge­stellt“ha­be, „mit dem man sich na­tür­lich be­fas­sen muss“. Kom­men­tar

DAS NEUE HUNDEHAUS des Tier­schutz­ver­eins Karls­ru­he star­te­te noch Hein­ke Sa­lisch als Pro­jekt. Nach der über­ra­schen­den Ab­wahl der Ver­eins­vor­sit­zen­den hat die Stadt we­gen ent­spre­chen­der Hin­wei­se Zah­lun­gen an den Ver­ein bis auf Wei­te­res ge­stoppt. Fo­to: jo­do

VER­GAN­GE­NE ZEI­TEN: Hein­ke Sa­lisch und OB Frank Men­trup un­ter­zeich­nen im Ja­nu­ar 2016 wich­ti­ge Ver­trä­ge zwi­schen Tier­schutz­ver­ein und Stadt. Fo­to: Ro­land Fränk­le

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