Evo­lu­ti­on statt Re­vo­lu­ti­on

Pforzheimer Kurier - - POLITIK -

MA­RIO BELTSCHAK

Es ist von ei­ner Re­vo­lu­ti­on im Zah­lungs­ver­kehr die Re­de. So­gar über das Aus für Di­ens­te wie Pay­pal wird spe­ku­liert. Aus­lö­ser sol­cher Re­ak­tio­nen ist das so­ge­nann­te In­stant Pay­ment, al­so die Geld­über­wei­sung in Echt­zeit. Ab No­vem­ber gibt es da­für eu­ro­pa­weit ei­nen ein­heit­li­chen Rechts­rah­men. Die Ban­ken kön­nen an­schlie­ßend da­mit los­le­gen – rein theo­re­tisch zu­min­dest.

In der Pra­xis dürf­te das In­stant Pay­ment eher ei­ne Evo­lu­ti­on als ei­ne Re­vo­lu­ti­on wer­den. Und es zie­hen si­cher nicht al­le Ban­ken um­ge­hend mit. Vie­len Fi­nanz­in­sti­tu­ten ge­nügt das bis­he­ri­ge Tem­po beim Über­wei­sen. Auch weil neue Tech­nik für das Echt­zeit-Sys­tem ge­braucht wird. Das macht In­ves­ti­tio­nen nö­tig, die im der­zei­ti­gen Nied­rig­zins­um­feld schmerz­vol­le Kos­ten ver­ur­sa­chen. Al­ler­dings bie­tet sich den Häu­sern nun die Chan­ce, den Di­rekt­zah­lungs-Platz­hir­schen wie Pay­pal ernst­haft die Stirn zu bie­ten.

Denn die Echt­zeit­über­wei­sung wird vor al­lem im Zu­sam­men­hang mit Ein­käu­fen in­ter­es­sant. Pay­pal und Co ha­ben den Ban­ken des­halb mäch­tig Was­ser ab­ge­gra­ben, weil sie im so­ge­nann­ten Con­su­mer-To-Bu­si­ness-Be­reich

für ei­nen schnel­len und rei­bungs­lo­sen Zah­lungs­ver­kehr sor­gen. Wer bei­spiels­wei­se ei­ne Wasch­ma­schi­ne übers In­ter­net ver­kauft, wi­ckelt sein Ge­schäft auf die­se Art viel ein­fa­cher ab. Hier wie­der Bo­den gut­zu­ma­chen, ist ein gro­ßes An­lie­gen der Ban­ken. Das wird aber nur dann ge­lin­gen, wenn die Geld­häu­ser den Kun­den mit der Über­wei­sung in Echt­zeit auch ei­nen Mehr­wert bie­ten. Schnel­lig­keit al­lein wird kein Ar­gu­ment sein, um von Pay­pal zum Di­enst der Bank zu wech­seln. In­stant Pay­ments müs­sen letzt­lich ge­nau­so ein­fach wer­den wie Bar­geld­zah­lun­gen.

Soll­te das ge­lin­gen, wird si­cher auch wie­der ei­ne neue Bar­geld-Dis­kus­si­on los­ge­tre­ten. Brau­chen wir es dann über­haupt noch, wenn wir – zu je­der Zeit – bin­nen we­ni­ger Se­kun­den Geld von ei­nem Kon­to aufs an­de­re über­wei­sen kön­nen? Ei­ni­ge Ban­ken wer­den dar­auf mit „Nein“ant­wor­ten, schon al­lein, um Kos­ten zu ver­rin­gern. Die Ge­sell­schaft soll­te in­des et­was kri­ti­scher mit der Fra­ge um­ge­hen. Bloß weil et­was ein­fach und schnell ist, wird es da­durch nicht zwangs­läu­fig auch bes­ser.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.