Er­do­gans lan­ger Arm

Spa­ni­sche Po­li­zei nimmt den schwe­disch-tür­ki­schen Jour­na­lis­ten Ham­za Yal­zin fest

Pforzheimer Kurier - - POLITIK - Von un­se­rem Kor­re­spon­den­ten Mar­tin Dahms

Ma­drid. „Die Po­li­zei hat mich ver­haf­tet. Ich glau­be es ist In­ter­pol.“Das ist ei­ne der letz­ten Nach­rich­ten, die Ham­za Yal­zin vor ein paar Ta­gen per SMS an Freun­de ab­setz­te, mit de­nen das schwe­di­sche Fern­se­hen SVT ge­spro­chen hat. Yal­zin, ein 59-jäh­ri­ger schwe­disch-tür­ki­scher Jour­na­list, war für ein paar Tage zu Be­such in Bar­ce­lo­na. Als er dort ein Flug­zeug nach Lon­don neh­men woll­te, wur­de er wäh­rend der Pass­kon­trol­le fest­ge­nom­men. Sein Na­me tauch­te in ei­ner Lis­te von In­ter­pol auf. Die tür­ki­schen Be­hör­den su­chen ihn, weil er den tür­ki­schen Prä­si­den­ten Re­cep Tay­yip Er­do­gan be­lei­digt ha­be und an ter­ro­ris­tis­ti­schen Ak­ti­vi­tä­ten be­tei­ligt ge­we­sen sei.

Die spa­ni­sche Jus­tiz be­han­delt den Fall wie je­des an­de­re in­ter­na­tio­na­le Aus­lie­fe­rungs­be­geh­ren. En­de ver­gan­ge­ner Wo­che über­stell­te die Po­li­zei Yal­zin zum Na­tio­na­len Ge­richts­hof nach Ma­drid, wo er seit­dem in U-Haft sitzt. Die Tür­kei hat 40 Tage Zeit, um ih­ren Aus­lie­fe­rungs­wunsch zu be­grün­den, da­nach ent­schei­det das Ge­richt. In letz­ter In­stanz kann die spa­ni­sche Re­gie­rung ei­ne Aus­lie­fe­rung ab­leh­nen. Ei­ne Spre­che­rin der schwe­di­schen Bot­schaft in Ma­drid be­stä­tig­te jetzt, dass man in Kon­takt mit den spa­ni­schen Be­hör­den sei, um die Einzelheiten des Fal­les zu er­fah­ren. „Im Mo­ment ha­ben wir nur sehr we­nig In­for­ma­tio­nen.“

Jo­na­than Lund­qvist, Prä­si­dent der schwe­di­schen Sek­ti­on von Re­por­ter oh­ne Gren­zen, nann­te die Fest­nah­me ei­nen „Miss­brauch der in­ter­na­tio­na­len po­li­zei­li­chen Zu­sam­men­ar­beit“. Die Si­tua­ti­on von Jour­na­lis­ten in­ner­halb der Tür­kei sei schon lan­ge kri­tisch. „Dies ist ein Ver­such Er­do­gans, sei­ne Macht auf jen­seits der tür­ki­schen Gren­zen aus­zu­wei­ten. Er will zei­gen, dass er kri­ti­sche Stim­men an­grei­fen kann, auch wenn sie nicht im Land sind.“Die Vor­wür­fe ge­gen Yal­zin hält Lund­qvist für „fa­bri­ziert“. Der tür­ki­sche Jour­na­list lebt nach In­for­ma­tio­nen von Re­por­ter oh­ne Gren­zen seit 1984 im schwe­di­schen Exil und be­sitzt ne­ben der tür­ki­schen auch die schwe­di­sche Staats­bür­ger­schaft. Er schrei­be für die tür­ki­sche Dis­si­den­tenZeit­schrift Odak Der­gi­si. Der spa­ni­sche Straf­recht­ler Ós­car Ar­re­don­do ist den­noch skep­tisch, dass Yal­zin so bald wie­der auf frei­en Fuß kom­men wird. „Nach mei­ner Er­fah­rung dau­ert das län­ger als 40 Tage.“Der Na­tio­na­le Ge­richts­hof müs­se die von der Tür­kei ge­nann­ten Aus­lie­fe­rungs­grün­de prü­fen. Wenn sich da­bei her­aus­stel­le, dass die­se po­li­tisch mo­ti­viert sei­en, wä­re das ein Grund für sei­ne Frei­las­sung. Dem Ge­richt sei aber kaum et­was an­de­res üb­rig ge­blie­ben, als Yal­zin in Haft zu neh­men. So­lan­ge die Tür­kei „zum Rah­men von In­ter­pol“ge­hö­re, müss­ten de­ren Fest­nah­me­er­su­che über­prüft wer­den. Da Yal­zin kei­nen fes­ten Wohn­sitz in Spa­ni­en ha­be, müs­se er auf den Ge­richts­ter­min, der über sei­ne mög­li­che Aus­lie­fe­rung ent­schei­det, im Ge­fäng­nis war­ten.

Kri­tik von Men­schen­recht­lern

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.