Schnell und un­kom­pli­ziert

Über­wei­sun­gen in Echt­zeit vor Durch­bruch

Pforzheimer Kurier - - WIRTSCHAFT - Von Bernd Rö­der und Ma­rio Beltschak

Berlin/Stutt­gart. Die Über­wei­sung auf Pa­pier ist be­reits ein Aus­lauf­mo­dell. Bald könn­te auch die War­te­zeit zwi­schen Geld­aus- und Geld­ein­gang der Ver­gan­gen­heit an­ge­hö­ren. Mög­lich ma­chen soll dies das so­ge­nann­te In­stant Pay­ment, die neue Echt­zeit­über­wei­sung, für die es ab No­vem­ber eu­ro­pa­weit ei­nen ein­heit­li­chen Rechts­rah­men gibt. Die Schnell­über­wei­sung „könn­te die Zah­lungs­welt re­vo­lu­tio­nie­ren, aber es wird si­cher noch ei­ne Zeit lang dau­ern, bis sie sich durch­ge­setzt hat“, sagt Micha­el Kem­mer, Haupt­ge­schäfts­füh­rer des Bun­des­ver­ban­des deut­scher Ban­ken (BdB).

Für die Kre­dit­in­sti­tu­te ge­be es kei­ne Ver­pflich­tung, am Sys­tem für In­stant Pay­ment teil­zu­neh­men. Kem­mer er­war­tet gleich­wohl, dass die Echt­zeit­über­wei­sung lang­fris­tig eu­ro­pa­weit flä­chen­de­ckend an­ge­bo­ten wird. Beim In­stant Pay­ment soll der Über­wei­sungs­be­trag dem Emp­fän­ger in­ner­halb von zehn Se­kun­den auf dem Kon­to des Emp­fän­gers gut­ge­schrie­ben sein. Der Auf­trag er­folgt per On­li­ne-Ban­king oder mit ei­ner Smart­pho­ne-App. Bis­lang wer­den Über­wei­sun­gen in der Re­gel am fol­gen­den Bank­ar­beits­tag gut­ge­schrie­ben. „Die Über­wei­sung in Se­kun­den könn­te ein Er­satz für Bar­geld­zah­lun­gen wer­den“, sagt Kem­mer. „Das wird vie­les er­leich­tern“, et­wa Pro­ble­me beim Wa­ren­ver­kauf ver­mei­den, die da­durch ent­ste­hen, dass das Geld dem Ver­käu­fer erst mit ei­nem Tag Ver­zö­ge­rung gut­ge­schrie­ben wird – wie bis­her üb­lich. Ein gu­tes Bei­spiel hier­für sei der Au­to­ver­kauf pri­vat zu pri­vat.

Die Ban­ken­bran­che re­agiert mit dem Sys­tem auch auf ei­ne Rei­he von An­ge­bo­ten von On­li­ne-Be­zahl­diens­ten wie Pay­pal. „Zur­zeit wech­seln Pay­ment-Di­enst­leis­ter für ho­he Sum­men den Be­sit­zer, weil hier ein er­trag­rei­ches Ge­schäfts­feld er­war­tet wird“, er­klärt Kem­mer. „In Deutsch­land fin­den sie je­doch ei­nen ex­trem har­ten Wett­be­werb vor. Das macht es für die Ban­ken schwie­rig, sol­che ho­hen In­ves­ti­tio­nen wie­der her­ein­zu­wirt­schaf­ten.“

Die Fi­nanz­in­sti­tu­te zei­gen sich der­weil durch­aus be­reit, zu in­ves­tie­ren: Auf An­fra­ge der BNN teilt et­wa der Spar­kas­sen­ver­band Ba­den-Würt­tem­berg mit, dass man „zum frü­hest­mög­li­chen Ter­min“dem In­stant Pay­ment Ver­fah­ren bei­tre­ten will. Dies brin­ge „gro­ße In­ves­ti­tio­nen – ins­be­son­de­re in den Aus­bau der tech­ni­schen In­fra­struk­tur der Re­chen­zen­tren“mit sich, ver­deut­licht Pres­se­spre­cher Ste­phan Schorn vom Spar­kas­sen­ver­band. Er geht des­halb da­von aus, dass die Um­set­zung eher in „vie­len klei­nen ein­zel­nen Schrit­ten“er­folgt. Al­ler­dings ver­spre­chen sich die Spar­kas­sen durch das In­stant Pay­ment Ver­fah­ren „deut­li­che Fort­schrit­te für die Kun­den“. Vor al­lem weil sich die Zeit zwi­schen der Ab­ga­be ei­nes Über­wei­sungs­auf­trags und der Gut­schrift des Gel­des auf dem Kon­to des Emp­fän­gers deut­lich ver­kür­ze.

Auch die Ge­nos­sen­schafts­ban­ken wol­len auf den Zug auf­sprin­gen. Der Ba­den­Würt­tem­ber­gi­sche Ge­nos­sen­schafts­ver­band er­war­tet, dass In­stant Pay­ment „ins­be­son­de­re bei klei­ne­ren Geld­be­trä­gen“ei­ne gro­ße Rol­le spie­len wird. Die Volks- und Raiff­ei­sen­ban­ken im Süd­wes­ten „wer­den im Lau­fe des kom­men­den Jah­res ih­ren Mit­glie­dern und Kun­den ers­te In­stant-Pay­ment-Pro­duk­te an­bie­ten“, kün­digt der Ver­band an.

Ei­ne ech­te Kon­kur­renz für das Bar­geld zeich­net sich durch In­stant Pay­ment noch nicht ab. Ein Be­leg da­für ist, dass sich zum Bei­spiel das kon­takt­lo­se Be­zah­len mit Kar­te oder mit ei­nem Smart­pho­ne plus App in Deutsch­land noch nicht durch­ge­setzt hat. Laut Kem­mer gibt es ver­schie­de­ne An­bie­ter, die sich auf die­sem Markt ver­su­chen. In der Flä­che sei aber noch nie­mand er­folg­reich.

Neu­es Sys­tem ist Re­ak­ti­on auf On­li­ne-Be­zahl­diens­te

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