Ma­jo­li­ka ist vi­tal an Lü­pertz-Auf­trag in­ter­es­siert

Stif­tungs­vor­stand Lin­de­mann hofft auf Ret­tung der Ke­ra­mik-Pro­duk­ti­on als Kun­st­in­sti­tu­ti­on durch die Stadt

Pforzheimer Kurier - - KARLSRUHE - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Ru­pert Huste­de

Für die Ma­jo­li­ka ist das Lü­pert­zU-Strab-Kun­stpro­jekt wich­tig. Klaus Lin­de­mann, Vor­stand der Ma­jo­li­kaStif­tung, spricht von ei­ner „wun­der­ba­ren Sa­che“und ei­nem „vi­ta­len In­ter­es­se“, ei­nen sol­chen Auf­trag für Kunst am Bau zu be­kom­men. „Mar­kus Lü­pertz ist ein in­ter­na­tio­nal re­nom­mier­ter Künst­ler, und die Ma­jo­li­ka kann sich mit sei­ner Ke­ra­mik im öf­fent­li­chen Raum zei­gen“, be­tont er. Schließ­lich geht es um ins­ge­samt 120 Qua­drat­me­ter Ke­ra­mik­flä­che an den U-Strab-Bahn­stei­gen.„Wir hof­fen, dass es mög­lichst rasch klappt.“

Al­ler­dings müs­se die Ma­jo­li­ka ab­war­ten, bis die Fi­nan­zie­rung durch den Lü­pertz-Pro­mo­ter An­ton Goll, der einst ab­rupt als Ma­jo­li­ka-Ge­schäfts­füh­rer aus­schied, steht. „Das ist ein pri­va­tes Pro­jekt“, mit der Ein­wer­bung des Gel­des ha­be die Ma­jo­li­ka nichts zu tun.

Folg­lich ha­be die Ma­jo­li­ka bis­lang nur ger­ne ih­re grund­sätz­li­che Be­reit­schaft auf An­fra­ge Golls ver­si­chert. „Wir sind als Auf­trag­neh­mer nicht im Boot der Pro­jekt­be­trei­ber“, er­läu­tert Lin­de­mann. Von ei­nem durch Goll noch nicht ge­grün­de­ten Lü­pertz-Kunst-Ver­ein wer­de der Zu­schlag er­war­tet. Im­mer­hin hat Lü­pertz jüngst mit Lin­de­mann schon mal den Raum mit der gro­ßen Staf­fe­lei im Hardtwald in­spi­ziert. Laut Lin­de­mann sei der Kunst­schöp­fer da­mit zu­frie­den. Lü­pertz hat schon ei­ni­ge klei­ne­re Pro­jek­te mit der Ma­jo­li­ka ver­wirk­licht. In der Ma­nu­fak­tur gibt es des­halb ein nach ihm be­nann­tes „Lü­pertz Ate­lier“.

Von der von Goll in der Öf­fent­lich­keit ge­nann­ten ei­ne Mil­li­on Eu­ro er­war­tet die Ma­jo­li­ka laut Lin­de­mann ei­nen sechs­stel­li­gen Be­trag, deut­lich über 100 000 Eu­ro. Die Stadt­ver­wal­tung hat­te jüngst von ei­ner nur fünf­stel­li­gen Sum­me ge­spro­chen. „Wir müs­sen da­zu bei­de gro­ßen Öfen in Be­trieb neh­men. Das sind enor­me Brenn­zei­ten bei 1 240 Grad. Da­zu die Ma­te­ria­li­en, die Far­ben der Ton, die Gla­su­ren – und un­ser Personal“, zählt Lin­de­mann auf. Der gro­ße Rest der Mil­li­on geht an den Schöp­fer Lü­pertz be­zie­hungs­wei­se ei­ne laut Goll „klei­ne Pro­vi­si­on“an ihn selbst, den Pro­jekt­mo­tor und Geld­be­schaf­fer.

„Das ist ein gro­ßes Pro­jekt, das bringt wich­ti­ges Re­nom­mee.“Die an­ge­schla­ge­ne Ma­jo­li­ka be­nö­ti­ge gro­ße, in­ter­es­san­te Auf­trä­ge für Kunst am Bau. „Mit Es­pres­so­tas­sen und Wein­küh­lern kön­nen wir den Be­trieb nicht ret­ten“, er­klärt Lin­de­mann das Pro­gramm der Stif­tung. Bin­nen zwei Jah­ren ha­be man da­bei mit 16 gro­ßen Auf­trä­gen Er­fol­ge er­zielt, meint Lin­de­mann.

„Auch die Lü­pertz-Ge­ne­sis al­lein kann die Ma­jo­li­ka nicht ret­ten, aber es kann als Si­gnal in die rich­ti­ge Rich­tung sehr hilf­reich sein“, sagt Lin­de­mann. Ent­schei­dend für die Zu­kunft der 116 Jah­re al­ten Kun­st­in­sti­tu­ti­on sei das Han­deln der Stadt­po­li­tik. Die Ma­jo­li­ka wer­de ge­ret­tet, wenn die Stadt sich da­zu be­ken­ne, „wir wol­len die Ma­jo­li­ka als kul­tu­rel­le In­sti­tu­ti­on be­wah­ren und nicht als Her­stel­lungs­be­trieb von Ton­wa­ren ein­stu­fen.“

EI­NE RUN­DE SA­CHE kann der Groß­auf­trag zur Fer­ti­gung der Lü­pertz-Re­liefs für die Ma­jo­li­ka wer­den. Die ge­fähr­de­te Tra­di­ti­ons­in­sti­tu­ti­on, er­hofft sich da­durch ei­nen star­ken Image­ge­winn im sons­ti­gen Wett­kampf für Ka­cheln bei „Kunst am Bau“. Fo­to: jo­do

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