Kein Spiel­raum für Feh­ler

Bei der For­mu­la Stu­dent wird auch au­to­mo­ti­ves Neu­land be­tre­ten

Pforzheimer Kurier - - SÜDWESTECHO - Von un­se­rem Mit­ar­bei­ter Mar­kus Mer­tens

Ho­cken­heim. Wenn 135 Teams aus al­ler Welt am Ho­cken­heim­ring um die bes­ten Kon­struk­tio­nen jun­ger In­ge­nieurs­kunst wett­ei­fern, herrscht an der Tra­di­ti­ons-Renn­stre­cke im Süd­wes­ten wie­der die For­mu­la Stu­dent Ger­ma­ny. Nicht nur lo­gis­tisch ist die­se Se­rie ein Meis­ter­werk, in dem je­des Zahn­rad prä­zi­se mit dem nächs­ten ver­bun­den sein muss: Hier geht es an je­der Stel­le um Mil­li­me­ter. Um For­mel­bo­li­den von Welt­klas­se, die im­mer ein­ma­lig sind – und der Mo­bi­li­tät von Mor­gen mit mu­ti­gen Ent­wick­lun­gen ei­nen mit­un­ter gi­gan­ti­schen Di­enst er­wei­sen kön­nen.

Wer in den Se­ri­en Elek­tro, Ver­bren­nungs­mo­to­ren oder au­to­no­mes Fah­ren ganz vor­ne ran­giert, könn­te schon mor­gen die Ent­wick­lung in­dus­tri­el­ler Fer­ti­gungs­pro­zes­se we­sent­lich be­ein­flus­sen – und hat in Wett­be­werbs­zei­ten da­bei doch kei­nen Spiel­raum für Feh­ler. Wenn man so will, kom­bi­niert die For­mu­la Stu­dent den Drang zum Ex­pe­ri­ment mit ei­nem An­spruch ge­leb­ter Per­fek­ti­on – und ei­nem un­ver­meid­li­chen Wi­der­streit mit der Tech­nik. Denn was ge­nau wie, wann und wo pas­siert an wel­chem Fahr­zeug ge­schieht, ist hier nie ge­wiss, nur ei­nes ist si­cher: Die Si- cher­heit darf für den nicht­pro­fes­sio­nel­len Wo­che­n­end­renn­fah­rer, für den die Teams ih­re Bo­li­den kon­zi­pie­ren, nie­mals auf dem Spiel ste­hen – und das gilt nicht nur für die fah­rer­lo­sen Bo­li­den.

Denn noch lan­ge be­vor Aus­dau­er­ren­nen und Hoch­ge­schwin­dig­keits­tests, Ge­fah­ren­brem­sun­gen und spe­zi­el­le Kipp­me­tho­den die Qua­li­tä­ten ei­nes je­den Ren­ners im Prak­ti­schen un­ter die Lu­pe neh­men, gilt es für die Teams erst ein­mal die tech­ni­sche Ab­nah­me zu meis­tern – und be­reits das ist für vie­le Teams ein Test aufs Ex­em­pel. Denn was für den nor­ma­len Au­to­fah­rer der TÜV, wird hier der kri­ti­sche Blick ins Mi­kro­skop, bei dem die In­spek­teu­re kei­ne Gna­de ken­nen. Je­de ein­zel­ne Kom­po­nen­te vom Mo­tor über die Ak­kus, Ver­bin­dungs­dräh­te und Mecha­nis­men wird ge­prüft – im Zwei­fel müs­sen die Te­am­mit­glie­der die Lo­gik ih­res Au­tos in je­der ein­zel­nen Schrau­be er­klä­ren kön­nen. Vor al­lem bei ei­ner neu­en Klas­se wie der For­mu­la Stu­dent Dri­ver­less (FSD) wer­den sol­che An­for­de­run­gen zur Mam­mut­auf­ga­be. „Da wir hier prak­tisch kei­nen Re­gel­fall ha­ben, son­dern je­des Team sei­ne ei­ge­ne Lö­sung fin­den muss, bei der Ma­schi­ne und Soft­ware als per­fek­te Lö­sung har­mo­nie­ren, be­tre­ten wir hier wirk­lich au­to­mo­ti­ves Neu­land“wie Stef­fen Hem­mer von der For­mu­la Stu­dent er­klärt.

Zwar sei man mit La­ser­scan­nern, Mo­no- be­zie­hungs­wei­se Ste­reo­ka­me­ra­sys­te­men so­wie Ra­dar­sen­so­ren be­reits in der La­ge, Ober­flä­chen- und Um­welt­ein­flüs­se prä­zi­se zu er­ken­nen, „doch bis wir mit der Ent­wick­lung wirk­lich so weit sind, dass die Tech­nik auch in kri­ti­schen, und nicht nur un­ter Op­ti­mal­be­din­gun­gen funk­tio­niert, wird noch ei­ni­ges zu tun sein.“Auf die­sem har­ten Weg hin zur Zu­kunft au­to­no­mer Mo­bi­li­tät wagt die For­mu­la Stu­dent nun ei­nen wei­te­ren cou­ra­gier­ten Schritt nach vor­ne – es könn­te ein ent­schei­den­der sein.

NACHWUCHSINGENIEURE zei­gen bei der For­mu­la Stu­dent am Ho­cken­heim­ring ihr Kön­nen. Fo­to: Mer­tens

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