Die gan­ze Stadt im Spiel­trieb

„Ravensburg spielt“am 9. und 10. Sep­tem­ber

Pforzheimer Kurier - - WAS - WANN - WO - Von un­se­rem Mit­ar­bei­ter Hel­ge Bendl

Ravensburg. Die Gas­sen der ehe­mals Frei­en Reich­stadt Ravensburg sind ei­ne Fund­gru­be für Fla­neu­re – und ver­wan­deln sich ein­mal im Jahr bei der Ak­ti­on „Ravensburg spielt“in ei­nen Spiel­platz un­ter frei­em Him­mel. Die­ses Jahr ist es am 9. und 10. Sep­tem­ber so­weit, gut 30 000 Be­su­cher wer­den an den bei­den Ta­gen er­war­tet.

Die Kleins­ten to­ben mit Mi­nia­tur­au­tos durch ei­nen Par­cours vol­ler Stroh­bal­len. Im Zelt der Pup­pen­kli­nik ha­ben Kran­ken­schwes­tern und Ärz­te al­le Hän­de voll zu tun, denn ei­ne gan­ze Ar­ma­da an Ku­schel­tie­ren be­nö­tigt ei­nen Ge­sund­heits­check. Jun­ge Bau­meis­ter er­rich­ten Mi­nia­tur-Städ­te aus Bam­bus und St­ein. Hier kann man sich beim Ge­trän­ke­kis­ten sta­peln und Mehl­sä­cke wer­fen be­wei­sen, dort in al­ler Ru­he T-Shirts be­ma­len und die bes­te Freun­din schmin­ken. Der Ober­bür­ger­meis­ter spielt Carrom mit Ge­flüch­te­ten, der Na­tur­schutz­bund hilft beim Nist­kas­ten­bau.

Ra­vens­burgs Ho­no­ra­tio­ren, de­ko­riert mit Kuh­horn-Müt­ze und Schel­le um den Hals, tre­ten beim so­ge­nann­ten Vie­h­ath­lon ge­gen die Schwes­ter­stadt Wein­gar­ten an. Weil sich je­des der bei­den Fün­fer­team ein paar Ski tei­len und da­mit übers Pflas­ter rut­schen muss, ist Cha­os pro­gram­miert. Im Schwör­haus­saal ar­bei­ten hun­der­te von Hel­fern dar­an, ein Puz­zle mit 40 000 Tei­len zu­sam­men­zu­set­zen.

Auf den Bier­ti­schen in den Stra­ßen tür­men sich der­weil die Brett­spie­le. Es wird ge­schwitzt, ge­lacht, ge­flucht, ge­wür­felt, ge­trickst und am En­de auch ge­won­nen. Wenn sich die Alt­stadt am Abend leert, geht es bei der lan­gen Spie­le­nacht im Korn­haus­saal näm­lich erst so rich­tig los. Of­fi­zi­ell ist hier bei den Rol­len­spie­len und Ma­gi­crun­den des Spie­le­ver­eins Wel­ten­wan­de­rer zwar um zwei Uhr mor­gens Schluss. Doch sind die Par­ti­en dann im­mer noch nicht ent­schie­den, geht das Spek­ta­kel in die Ver­län­ge­rung. „Ravensburg spielt“steigt – bei je­dem Wet­ter – im­mer am letz­ten Wo­che­n­en­de der Som­mer­fe­ri­en.

Ei­ner der­je­ni­gen, die hier die Men­schen ins Spiel bringt, ist Hei­ner Wöh­ning. „Es muss schnell ge­hen: Die ers­ten paar Mi­nu­ten sind ent­schei­dend. Dann muss man die Ge­schich­te ei­nes Spiels er­fasst ha­ben und Lust be­kom­men, wei­ter­zu­ma­chen.“Der Mann mit dem wu­sche­li­gen Haar er­klärt In­ter­es­sier­ten pau­sen­los die Re­geln neu­er Spie­le – und weil so vie­le Men­schen auf den Bier­bän­ken sit­zen und sei­ne Stim­me zwei Tage durch­hal­ten muss, macht er das mit dem Mi­kro­fon. „An­de­re Leu­te sam­meln Brief­mar­ken. Mein Hob­by ist das Spie­len“, er­zählt er. „Vor 30 Jah­ren kann­te man Ravensburg zwar im gan­zen Land als die Stadt, aus der die Spie­le kom­men. Doch vor Ort hat man da­von da­mals über­haupt nichts ge­merkt – nur am Bahn­hof gab es ein klei­nes Schild“, er­zählt Hei­ner Wöh­ning. Mit sei­nem Kol­le­gen Ber­tram Ka­es hat­te der Spie­leer­fin­der aus Bie­le­feld da­mals „Das Nil­pferd in der Ach­ter­bahn“ent­wi­ckelt: 2,8 Mil­lio­nen Mal wur­de das Spiel ge­kauft und in 20 Spra­chen ver­öf­fent­licht.

Die bei­den Er­fin­der stell­ten dann auch das ers­te Fes­ti­val auf die Bei­ne. „So­fort war klar: Es kommt su­per an, dass man über­all in der Stadt ak­tiv sein und neue Spie­le aus­pro­bie­ren kann.“In­zwi­schen en­ga­gie­ren sich nicht nur vie­le Ver­ei­ne aus Ravensburg und Un­ter­neh­men aus der Re­gi­on mit An­ge­bo­ten. Auch et­li­che Ver­la­ge aus ganz Deutsch­land prä­sen­tie­ren Klas­si­ker wie Male­fiz und Me­mo­ry, Sied­ler von Ca­tan und Sa­ga­land, tes­ten ins­ge­heim aber auch so man­che Neu­heit. Doch nicht nur am tru­be­li­gen Wo­che­n­en­de von „Ravensburg spielt“hat die Stadt ein Herz für Spiel­ge­sel­len.

Au­ßer­halb der Stadt gibt es das al­les im Groß­for­mat und un­ter frei­em Him­mel. Das Ra­vens­bur­ger Spie­le­land ist ein Frei­zeit­park zum Aus­pro­bie­ren statt zum Kon­su­mie­ren. So kann man hier durch das „Ver­rück­te La­by­rinth“stö­bern und Me­mo­ry vom Hub­schrau­ber aus spie­len. Beim Feu­er­wehr­spiel muss man in Win­des­ei­le Häu­ser lö­schen, im Melk­spiel ge­gen Her­aus­for­de­rer ant­re-

RA­VENS­BUR­GER SPIELSTRASSEN prä­gen am 9. und 10. Sep­tem­ber zur gro­ßen Ak­ti­on „Ravensburg spielt“das Bild der Stadt. Fo­tos: Bendl

DIE BEI­DEN STADTMASKOTTCHEN „Meh­li“und „Kat­zen­liesl“spie­len na­tür­lich ger­ne mit.

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