„Jetzt muss ich lie­fern und nicht re­den“

Fuß­ball-Pro­fi Vin­cen­zo Grifo über sei­nen Wech­sel nach Mön­chen­glad­bach und sei­ne Lie­be zu sei­ner Hei­mat­stadt Pforz­heim

Pforzheimer Kurier - - SPORT -

Pforz­heim. Der ge­bür­ti­ge Pforz­hei­mer Vin­cen­zo Grifo wech­sel­te zu Be­ginn der neu­en Sai­son vom SC Frei­burg zu Fuß­ball-Bun­des­li­ga-Kon­kur­rent Bo­rus­sia Mön­chen­glad­bach. Im Ge­spräch mit Ku­ri­er-Re­dak­teur Sebastian Kapp spricht der Ita­lie­ner über sei­ne Zie­le mit Bo­rus­sia, sei­ne ei­ge­ne Kar­rie­re und sei­ne Bin­dun­gen in die Gold­stadt.

Herr Grifo, wes­halb soll­te man sich in ei­nem Bun­des­li­ga-Ma­na­ger­spiel für Sie ent­schei­den?

Grifo: Tja, das hängt na­tür­lich da­von ab, wie gut man mit sol­chen Li­gen um­ge­hen kann. Viel­leicht, weil ich wie­der so ein­schla­ge wie in der letz­ten Sai­son. Als Pforz­hei­mer je­den­falls muss man mich neh­men!

Sie sind Ih­rer Hei­mat noch im­mer ver­bun­den – ver­fol­gen Sie denn noch den Ama­teur­fuß­ball in Pforz­heim?

Grifo: Na klar, ich ha­be mein hal­bes Le­ben in Pforz­heim ge­spielt, ob beim VfR – heu­te CfR – oder bei Ger­ma­nia Bröt­zin­gen. Ich ha­be im­mer noch viel Kon­takt zu den Jungs, die da spie­len, auch wenn die Mann­schaft beim CfR mitt­ler­wei­le ei­ne an­de­re ist. Na­tür­lich ver­fol­ge ich das, das ist ja mei­ne Hei­mat­stadt.

Ih­re Ex-Team­kol­le­gen in Frei­burg sind in der Qua­li zur Eu­ro­pa Le­ague ge­schei­tert. Ha­ben Sie sich das Spiel an­ge­schaut?

Grifo: Na­tür­lich. Was wä­re ich denn für ein Mensch, wenn nicht? Es hat mir sehr weh­ge­tan, ich ha­be auch mit ein paar Jungs ge­spro­chen. Auf die­ses Ziel hat­ten wir in Frei­burg zwei Jah­re lang hin­ge­ar­bei­tet. Das muss man erst ein­mal rea­li­sie­ren, dass man so schnell raus ist.

Von Frei­burg aus war es nicht weit bis Pforz­heim. Nun sind Sie in Mön­chen­glad­bach, al­so weit weg. Kom­men Sie denn trotz­dem noch ab und zu nach Pforz­heim?

Grifo: Al­so, „weit weg“ist Berlin. Klar muss ich jetzt drei St­un­den statt ei­ner fah­ren, es ist kein Kat­zen­sprung. Aber ich ha­be es mir schon vor­ge­nom­men. Ich bin in Pforz­heim auf­ge­wach­sen, ha­be da 20 Jah­re ver­bracht und ver­brin­ge dort auch heu­te noch Zeit, wenn ich Zeit ha­be und be­su­che mei­ne Fa­mi­lie.

Jetzt sind Sie al­ler­dings in Mön­chen­glad­bach, ei­ner ganz ei­ge­nen Stadt. Wie ha­ben Sie sich dort ein­ge­lebt?

Grifo: Die Jungs ha­ben es mir hier sehr ein­fach ge­macht. Ich bin jetzt fünf Wo­chen hier, ha­be aber das Ge­fühl, dass es schon viel mehr ist. Ich füh­le mich hier wohl – und das ist bei mir wich­tig. Wenn ich glück­lich bin, dann steigt auch die Leis­tung.

Wie ha­ben Sie das Um­feld in Glad­bach wahr­ge­nom­men?

Grifo: Das ist hier al­les viel grö­ßer, al­lein schon die Zu­schau­er­zah­len. Da­bei ist die Stadt ei­gent­lich nur so groß wie Frei­burg und es gibt vie­le grö­ße­re Städ­te in der Nä­he. Die Leu­te hier sind sehr fa­na­tisch und ge­ben ei­nem das Ge­fühl, et­was Be­son­de­res zu sein. Mit Pforz­heim möch­te ich es aber nicht ver­glei­chen – was ver­gleicht man schon ger­ne mit sei­ner Hei­mat­stadt?

Apro­pos fa­na­tisch, ih­re ers­ten bei­den Pflicht­spie­le ha­ben Sie im Po­kal mor­gen ge­gen Rot-Weiß Es­sen und dann kommt zum Li­ga­auf­takt der 1. FC Köln. Spü­ren Sie als Zu­ge­zo­ge­ner die­ses Der­by­Fie­ber?

Grifo: Nun, wir wis­sen ja, dass erst ein­mal das Spiel ge­gen Es­sen kommt. Das wird kei­ne leich­te Auf­ga­be für uns, aber da müs­sen wir lie­fern. Und dann kommt Köln ...

Grifo: Je­der, der die Bun­des­li­ga ein biss­chen ver­folgt, weiß ja, dass das et­was ganz Hei­ßes ist. Da kann sich die ge­sam­te Bun­des­li­ga drauf freu­en, nicht nur wir Spie­ler. Ich bin selbst ge­spannt, ich ha­be schon vie­les dar­über ge­hört und wer­de das auf mich zu­kom­men las­sen.

Bei Glad­bach ha­ben Sie auf der lin­ken Seite mehr Kon­kur­renz als in Frei­burg. Wie schät­zen Sie Ih­re Chan­cen auf ei­nen Stamm­platz ein? Grifo: Das ent­schei­det der Trai­ner, ich kann nur Gas ge­ben. Es war ja auch mein Ziel, dort­hin zu wech­seln, wo die Kon­kur­renz grö­ßer ist und sich mit de­nen zu mes­sen. Des­halb ha­be ich mich ja auch für die­sen Ver­ein ent­schie­den. Ich möch­te der Mann­schaft so oft wie mög­lich hel­fen und mit Glad­bach wie­der dort­hin zu kom­men, wo der Ver­ein zu­letzt ja öf­ters war – in die Eu­ro­pao­der viel­leicht so­gar Cham­pi­ons Le­ague.

Wenn ei­nes Ta­ges ei­ner der ganz Gro­ßen an­klopft – hät­ten Sie da ei­ne Prä­fe­renz? Liegt Ih­nen als Ita­lie­ner die Se­rie A be­son­ders na­he?

Grifo: Na­tür­lich träumt je­der, bei den Rie­sen­clubs zu spie­len. Und klar gibt es auch in Ita­li­en in­ter­es­san­te Ver­ei­ne. Man will ja sein Ta­lent so groß ma­chen wie mög­lich. Glad­bach ge­hört üb­ri­gens mitt­ler­wei­le auch zu den Rie­sen­clubs – auch wenn es grö­ße­re gibt. Aber um in die­se Ka­te­go­ri­en zu kom­men, muss ich lie­fern und nicht re­den. Soll­te das mal ei­nes Ta­ges kom­men, dann be­spre­che ich das so­wie­so erst ein­mal mit mei­ner Fa­mi­lie. Man soll­te auch bo­den­stän­dig sein.

NEU­ER­DINGS IM TRI­KOT VON BO­RUS­SIA MÖN­CHEN­GLAD­BACH agiert der Pforz­hei­mer Vin­cen­zo Grifo (rechts) in der Bun­des­li­ga. Hier führt er den Ball in ei­nem Test­spiel vor dem Hof­fen­hei­mer Ste­ven Zu­ber. Fo­to: Ma­ri­us Be­cker/dpa

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