„Pforz­heim ist das So­zi­al­la­bor des Lan­des“

So­zi­al­mi­nis­ter Lu­cha be­sucht Flücht­lings­pro­jekt

Pforzheimer Kurier - - PFORZHEIM - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Ro­land Wei­sen­bur­ger

Die Lan­des­re­gie­rung scheint Ge­fal­len an der Gold­stadt ge­fun­den zu ha­ben. Nach­dem Lan­des­va­ter Kret­sch­mann vor ei­ni­gen Wo­chen von Pforz­heim als sei­nem „Sor­gen­kind“sprach, um das er sich ganz be­son­ders küm­mern müs­se, nann­te So­zi­al­mi­nis­ter Man­fred Lu­cha die Stadt ges­tern das „So­zi­al­la­bor“des Lan­des, in dem sich Pro­ble­me und Lö­sun­gen stu­die­ren lie­ßen. „Pforz­heim ist ein für uns wich­ti­ges So­zi­al­la­bor, in der sich die Här­te des Le­bens in ei­ner ehe­mals rei­chen Stadt zeigt durch ei­nen Struk­tur­wan­del, auf den sie nicht vor­be­rei­tet war.“

Ge­kom­men war der Mi­nis­ter auf den Son­nen­hof, um dort ein ein­zig­ar­ti­ges Wohn­pro­jekt in der Flücht­lings­un­ter­brin­gung an­zu­schau­en. Der Wohn­kom­plex in der Paul-Lö­be-Stra­ße soll­te ei­gent­lich längst ab­ge­ris­sen sein. Doch die Stadt mie­te­te das Ge­bäu­de an und brach­te dort bis­lang 115 Flücht­lin­ge un­ter. Das be­son­de­re hier ist die Mi­schung. Ne­ben den vor­läu­fig oder auch in An­schluss­un­ter­brin­gung dort le­ben­den Flücht­lin­gen be­woh­nen auch noch 25 ur­sprüng­li­che „Son­nen­höf­ler“das Haus. „Wir ha­ben hier al­so jun­ge Fa­mi­li­en, vie­le Kin­der, aber auch äl­te­re und al­te Men­schen“, er­klär­te So­zi­al­bür­ger­meis­te­rin Mo­ni­ka Mül­ler dem So­zi­al­mi­nis­ter. Be­treut wer­den al­le Be­woh­ner von Mit­ar­bei­tern der Dia­ko­nie, die nicht nur we­gen der hell­hö­ri­gen Bau­wei­se des 70er-Jah­re-Ge­bäu­des vor kei­ner leich­ten Auf­ga­be ste­hen. „Be­schwer­den und Kon­flik­te sind aber mitt­ler­wei­le stark zu­rück­ge­gan­gen“, be­rich­te­te Dia­ko­nieChe­fin Sa­bi­ne Jost. „Teil­wei­se ha­ben sich zwi­schen den äl­te­ren Haus­be­woh­nern und den Flücht­lings­fa­mi­li­en nach­bar­schaft­li­che Un­ter­stüt­zungs­for­men und Freund­schaf­ten ent­wi­ckelt.“

Lu­cha zeig­te sich an­ge­tan von den In­te­gra­ti­ons­fort­schrit­ten auf dem Son­nen­hof. „Was Sie hier tat­säch­lich leis­ten, bleibt nicht im Ver­bor­ge­nen. Was Pforz­heim in der Wohl­fahrts­pfle­ge macht, ist vor­bild­lich“, sag­te der Mi­nis­ter. In dem Haus le­ben Flücht­lin­ge aus Sy­ri­en, dem Irak, Af­gha­nis­tan, Eri­trea und Ka­me­run. Von 20 Kin­dern im Vor­schul­al­ter ha­ben le­dig­lich fünf ei­nen Kin­der­gar­ten­platz. Um auch die an­de­ren nicht un­vor­be­rei­tet in die Schu­le zu schi­cken, macht die Dia­ko­nie Lern- und Spiel­an­ge­bo­te. Für Schul­kin­der gibt es Haus­auf­ga­ben­be­treu­ung, für die Müt­ter Sprach­kur­se. Bei al­ler Be­treu­ung bleibt

„Die Kon­flik­te sind stark zu­rück­ge­gan­gen“

die Wohn­si­tua­ti­on je­doch schwie­rig. Zum Teil sind fünf­köp­fi­ge Fa­mi­li­en in klei­nen Zwei­zim­mer­woh­nun­gen un­ter­ge­bracht.

Für Ent­las­tung sorgt un­ter an­de­rem die Dach­ter­ras­se, auf der ges­tern die Fa­mi­lie Al­ab­du­la für die Be­wir­tung der po­li­ti­schen Gäs­te sorg­te. Wenn gera­de kei­ne hoch­ka­rä­ti­gen Be­su­cher be­grüßt wer­den, kön­nen sich die Kin­der im Sand­kas­ten, der Spiel­ecke und auch an der Schul­ta­fel die Zeit ver­trei­ben.

Lu­cha zeig­te Ver­ständ­nis für Pforz­heims be­son­de­ren Be­darf. „Sie sind hier nicht von der Him­beer­son­ne ge­küsst“, mein­te er viel­sa­gend. Er wis­se sehr wohl, dass die Hil­fe des Lan­des nie aus­rei­che. „Und wenn sie es doch ein­mal tut, dann gibt man das na­tür­lich nicht zu.“

ÜBER DEN DÄCHERN DER STADT ging es um ein be­son­de­res Wohn­pro­jekt. Von links Bür­ger­meis­te­rin Mo­ni­ka Mül­ler, Land­tags­ab­ge­ord­ne­te Ste­fa­nie See­mann, Mi­nis­ter Man­fred Lu­cha so­wie Meh­di, Le­na und Sham Al­ab­dul­la. Fo­to: Wa­cker

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