Haupt­stra­ße en­det als Sack­gas­se

Ham­berg ent­stand als Wald­hu­fen­dorf / Neck­na­me „Schnitz­hä­fa“

Pforzheimer Kurier - - ENZKREIS -

Neu­hau­sen-Ham­berg. Wer nach Ham­berg in den Ort fährt, muss ein kon­kre­tes Ziel ha­ben, denn die Stra­ße en­det nach lan­ger Durch­fahrt als Sack­gas­se. Der zweit­kleins­te Teil­ort von Neu­hau­sen mit knapp 1 000 Ein­woh­nern ent­stand als Wald­hu­fen­dorf. Ei­ne Be­son­der­heit stellt die Wald­ge­nos­sen­schaft dar. Im Jahr 1584 be­ka­men 26 ar­me Fa­mi­li­en 65 Hekt­ar Ge­rech­tig­keits­wald ge­schenkt. Das Holz durf­te nur für den Ei­gen­be­darf ver­wen­det wer­den. Jeg­li­cher Ver­kauf des Wal­des war streng ver­bo­ten. Das ist bis heu­te noch so. Durch Er­ben sind in­zwi­schen aus den 26 Fa­mi­li­en 79 An­teils­eig­ner ge­wor­den. Al­le sind in Ham­berg auf­ge­wach­sen. Der Wald­be­sit­zer mit der längs­ten An­fahrt kommt aus Bochum.

Die ein Ki­lo­me­ter lan­ge Orts­stra­ße hat zu dem Spruch im Biet ge­führt: „So lang wie Ham­berg.“Durch die ge­schütz­te La­ge ent­stan­den an dem tie­fer lie­gen­den Roß­berg die ers­ten Häu­ser. Im Lau­fe der Zeit wur­de, ent­lang der Stra­ße, im­mer wei­ter Rich­tung Schell­bronn ge­baut.

1461 wur­de Ham­berg erst­mals ur­kund­lich er­wähnt. Orts­chro­nist Jo­sef Rit­ter geht je­doch da­von aus, dass im elf­ten Jahr­hun­dert die Her­ren St­ein vom Rechtenstein in St­ei­negg die Sied­lung ver­an­lass­ten. 1407 ver­kauf­te Ja­kob von St­ein ei­nen Teil sei­nes Be­sit­zes, dar­un­ter St­ei­negg, Tie­fen­bronn und Mühl­hau­sen, an den Reichs­frei­herr Die­ther von Gem­min­gen. Des­sen Sohn, Die­ther der Sieb­te, er­hielt vom ba­di­schen Mark­gra­fen fünf Dör­fer, dar­un­ter Ham­berg, als Le­hen. 1806 kam das Biet im Zu­ge der Me­dia­ti­sie­rung an Ba­den. Bei den von Gem­min­gen hieß die Ge­gend das Ge­biet, dar­aus wur­de das Biet. 1900 wur­de in Ham­berg ei­ne Was­ser­lei­tung ge­legt, 1921 kam das elek­tri­sche Licht. Le­bens­grund­la­ge der Ein­woh­ner war frü­her die Land­wirt­schaft.

1946 wur­den 46 do­nau­schwä­bi­sche Fa­mi­li­en in Ham­berg ein­ge­wie­sen. Im Zu­ge der Ge­mein­de­re­form kam Ham­berg 1973 zu Neu­hau­sen. Es gibt ei­nen we­nig be­kann­ten Neck­na­men. Die Ham­ber­ger sind die „Schnitz­hä­fa“. Ab­ge­lei­tet vom Schnitz­brot, das sich die Ham­ber­ger ger­ne in die Sup­pe schnit­ten. 1978 wur­de die Flur­be­rei­ni­gung in Ham­berg ein­ge­lei­tet. Es gab Pro­tes­te, be­en­det wur­de sie dar­auf­hin nie. Vier Land­wir­te ha­ben sich, wenn auch größ­ten­teils ne­ben­be­ruf­lich, dem Bio­an­bau ver­schrie­ben. Dar­un­ter ist auch Geb­hard Mühl­tha­ler, Sohn des frü­he­ren Bür­ger­meis­ters und lang­jäh­ri­ger Ge­mein­de­rat. „Wir ha­ben ei­ne tol­le Land­schaft hier mit viel Le­ben­dig­keit“, schwärmt er.

Von den knapp 770 Hekt­ar Flä­che be­steht Ham­berg aus 521 Hekt­ar Wald. Nach über 25 Jah­ren ist nun wie­der ein grö­ße­res Neu­bau­ge­biet ge­plant mit 5,5 Hekt­ar. Aber seltene Schmet­ter­lin­ge, der dunk­le Wie­sen­knopf-Amei­sen­bläu­ling und der gro­ße Feu­er­fal­ter, ver­zö­gern die Pla­nung. Bis­lang gibt es ein klei­nes Läd­le, das je­doch nur mor­gens zwi­schen sie­ben und zehn Uhr ge­öff­net hat. Aber ein In­ves­tor plant ei­nen et­was grö­ße­ren Le­bens­mit­tel­markt in Ham­berg.

Der­zeit wird die Gast­stät­te „Grü­ner Wald“um­ge­baut. Dar­aus soll ein gut bür­ger­li­ches Re­stau­rant wer­den. Den größ­ten Saal gibt es in Ham­berg im ka­tho­li­schen Sankt-Wolf­gang-Zen­trum. Ham­berg hat zwei ka­tho­li­sche Kir­chen. In der Zeit des Drei­ßig­jäh­ri­gen Krie­ges wur­de die al­te Kir­che wohl er­baut. Das ge­naue Bau­da­tum ist nicht be­kannt. Die Jah­res­zahl 1748 über dem Ein­gang be­zieht sich auf ei­ne grö­ße­re Re­stau­rie­rung. 1938/1939 wur­de ne­ben der al­ten die neue Sankt-Wolf­gang-Kir­che ge­baut. Über dem Ein­gangs­por­tal wacht in St­ein die Schutz­man­tel­ma­don­na von Bild­haue­rin Gi­se­la Bär aus Pforz­heim. Heinz Rich­ter

MIT VIEL EI­GEN­LEIS­TUNG des Be­sit­zers ent­stand die­ses Schmuck­stück in Ham­berg. Das Fach­werk wur­de ori­gi­nal­ge­treu re­stau­riert. Fo­tos: Rich­ter

DIE AL­TE KIR­CHE in Ham­berg wur­de ver­mut­lich in der Zeit des Drei­ßig­jäh­ri­gen Kriegs er­baut. Die Jah­res­zahl über dem Ein­gang be­zieht sich auf ei­ne grö­ße­re Re­stau­rie­rung.

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