Ge­gen­sei­ti­ge Vor­wür­fe in Han­no­ver

Land­tag nimmt Kurs auf Neu­wah­len / Hef­ti­ge De­bat­te über Ver­hal­ten von Twes­ten

Pforzheimer Kurier - - ERSTE SEITE -

Han­no­ver (dpa/AFP). In der Re­gie­rungs­kri­se in Nie­der­sach­sen hat der Land­tag die Wei­chen für ei­ne ra­sche vor­ge­zo­ge­ne Wahl ge­stellt. Al­le Frak­tio­nen spra­chen sich ges­tern bei ei­ner Son­der­sit­zung des Lan­des­par­la­ments in Han­no­ver da­für aus, die Ab­stim­mung am 15. Ok­to­ber ab­zu­hal­ten. SPD und Grü­ne wür­den nach ei­ner neu­en Um­fra­ge der­zeit al­ler­dings eben­so we­nig wie CDU und FDP ei­ne Mehr­heit ha­ben.

Die Re­gie­rungs­bil­dung nach der Neu­wahl könn­te al­so schwie­rig wer­den. Die Land­tags­wahl war ur­sprüng­lich für An­fang Ja­nu­ar 2018 ge­plant. Die Ab­ge­ord­ne­te El­ke Twes­ten lös­te aber ver­gan­ge­ne Wo­che mit ih­rem Wech­sel von den Grü­nen zur CDU ei­ne Re­gie­rungs­kri­se aus, die rot-grü­ne Ko­ali­ti­on von Mi­nis­ter­prä­si­dent Ste­phan Weil (SPD) ver­lor da­durch ih­re Ein-Stim­men-Mehr­heit. Twes­ten nahm ges­tern erst­mals un­ter den CDU-Ab­ge­ord­ne­ten an ei­ner Land­tags­sit­zung teil.

Für die Neu­wahl ist die Selbst­auf­lö­sung des Land­tags nö­tig, dar­über ab­stim­men wol­len die Ab­ge­ord­ne­ten am 21. Au­gust. Die De­bat­te über die Auf­lö­sung des Par­la­ments war ge­prägt von wech­sel­sei­ti­gen Vor­wür­fen. Weil rief zu ei­nem sach­li­chen und fai­ren Wahl­kampf auf. „Der in­halts­lee­re Macht­kampf scha­det die­ser de­mo­kra­ti­schen Ord­nung“, sag­te der Re­gie­rungs­chef. „Macht darf im­mer nur Mit­tel zum Zweck sein.“Wenn der po­li­ti­sche Schlag­ab­tausch der ver­gan­ge­nen Ta­ge bei­spiel­haft für den Wahl­kampf wer­de, wür­den sich die Bür­ger mit Grausen nicht nur von der Lan­des­po­li­tik, son­dern wo­mög­lich auch von der De­mo­kra­tie ab­wen­den.

SPD-Frak­ti­ons­che­fin Jo­han­ne Mod­der sag­te an die Adres­se Twes­tens ge­rich­tet: „Nicht al­les, was le­gal ist, ist auch le­gi­tim. Ih­re Ver­hal­tens­wei­se ist le­gal, aber sie hat kei­ne mo­ra­li­sche Recht­fer­ti­gung.“Die SPD-Frak­ti­ons­che­fin be­ton­te in Han­no­ver: „Über Mehr­hei­ten sol­len Wäh­ler ent­schei­den und nicht ein­zel­ne, per­sön­lich ent­täu­sche Ab­ge­ord­ne­te.“

Bun­des­ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­rin Ur­su­la von der Ley­en (CDU) ist Spe­ku­la­tio­nen ent­ge­gen­ge­tre­ten, dass es sie in die nie­der­säch­si­sche Lan­des­po­li­tik zie­hen könn­te. „Mein Platz ist in Ber­lin“, sag­te die Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­rin ges­tern der On­li­ne­aus­ga­be der „Pas­sau­er Neu­en Pres­se“.

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