Kein Frei­brief

Pforzheimer Kurier - - POLITIK - GER­HARD WINDSCHEID

Die laut­star­ke De­bat­te im Land­tag von Han­no­ver lässt Bö­ses ah­nen: Die Grä­ben zwi­schen der rot-grü­nen Lan­des­re­gie­rung und der Op­po­si­ti­on sind tie­fer denn je. Zwar for­der­te Noch-Mi­nis­ter­prä­si­dent Ste­phan Weil ges­tern ei­nen fai­ren Wahl­kampf, aber dar­aus wird wohl nichts wer­den. So man­ches er­in­nert in Han­no­ver an ei­ne Ba­na­nen-Re­pu­blik. Nicht nur die jet­zi­ge Lan­des­re­gie­rung stimm­te sich mit den Spit­zen des VWKon­zerns ab, son­dern of­fen­kun­dig auch die Vor­gän­ger-Re­gie­run­gen.

Die Nä­he des An­teils­eig­ners Nie­der­sach­sen zu den Au­to­bau­ern in Wolfs­burg sorg­te da­für, dass sonst üb­li­che Gren­zen über­schrit­ten wur­den. Ge­wiss, das Bun­des­land im ho­hen Nor­den der Re­pu­blik pro­fi­tiert kräf­tig von den Steu­er­zah­lun­gen

des Au­to­gi­gan­ten, aber das gibt der Po­li­tik noch kei­nen Frei­brief.

Der Mi­nis­ter­prä­si­dent sitzt im Auf­sichts­rat des Un­ter­neh­mens und da­mit an den Schalt­he­beln der Macht im Kon­zern. Sich um das Wohl der Fir­ma und die Zu­kunft der vie­len mit dem Un­ter­neh­men zu­sam­men­hän­gen­den Ar­beits­plät­ze zu küm­mern, ge­hört zur Auf­ga­be der Lan­des­po­li­tik. Aber da­zu ge­hört ge­wiss nicht, sich Par­la­ments­re­den vom Kon­zern ab­seg­nen zu las­sen. Die Po­li­tik darf nicht zum Büt­tel der In­ter­es­sen­ver­tre­ter wer­den, wenn sie nicht ih­re Glaub­wür­dig­keit ver­spie­len will. Am 15. Ok­to­ber wird sich ent­schei­den, wer künf­tig am Lei­ne-Fluss das Sa­gen hat. Die künf­ti­ge Lan­des­re­gie­rung muss dann für mehr Dis­tanz zu Volks­wa­gen sor­gen.

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