Sol­da­ten als Pla­ce­bo

Pforzheimer Kurier - - POLITIK - CHRISTINE LONGIN

7 000 Sol­da­ten in den Stra­ßen von Pa­ris und an­de­ren Städ­ten kön­nen kei­ne An­schlä­ge ver­hin­dern. Statt­des­sen zie­hen die Mi­li­tärs, die in Frank­reich zum Stra­ßen­bild ge­hö­ren, nur At­ten­tä­ter an. Die jüngs­te Au­to-Atta­cke von Le­val­loisPer­ret, bei der sechs Sol­da­ten ver­letzt wur­den, ist das bes­te Bei­spiel da­für. Be­en­den wol­len den Ein­satz der Ar­mee im In­ne­ren, den drei Vier­tel der Fran­zo­sen un­ter­stüt­zen, aber nur we­ni­ge. Denn die Prä­senz der Sol­da­ten er­füllt vor al­lem ei­ne psy­cho­lo­gi­sche Auf­ga­be: sie be­ru­higt die Men­schen in Frank­reich.

Sie ist ei­ne Art Pla­ce­bo, das die Re­gie­rung ih­ren Bür­gern seit zwei­ein­halb Jah­ren ver­ab­reicht. Das ei­gent­li­che Me­di­ka­ment ge­gen den Ter­ror wirkt da­ge­gen im Ver­bor­ge­nen. Es sind die Ge­heim­diens­te,

de­ren Ver­sa­gen die An­schlä­ge von Pa­ris an den Tag brach­ten. Ei­ne Umor­ga­ni­sa­ti­on und mehr Ko­or­di­na­ti­on sind ge­fragt. Denn neue At­ten­ta­te kön­nen nur von den „Schlapp­hü­ten“ver­hin­dert wer­den und nicht von Uni­for­mier­ten un­ter dem Eif­fel­turm. Aber es gilt, noch ei­nen an­de­ren Aspekt zu be­den­ken. Der Ein­satz des Mi­li­tärs im In­nern führt auf lan­ge Sicht zu ei­ner Über­for­de­rung der Ar­mee. Die Ein­hei­ten, die jetzt Stra­ßen und Plät­ze be­wa­chen, feh­len an an­de­rer Stel­le. Ex­per­ten war­nen be­reits, nicht ge­ra­de bei der Ar­mee zu spa­ren, so­lan­ge das En­de des Ein­sat­zes im In­nern nicht ab­zu­se­hen ist. Das Wa­che­schie­ben auf den Stra­ßen nagt zu­dem am Stolz der Trup­pe. Sie will nicht zu Hilfs­kräf­ten der Po­li­zei de­gra­diert wer­den.

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