Sei­ne Mei­nung hat noch im­mer Ge­wicht

Der ehe­ma­li­ge EKD-Rats­vor­sit­zen­de Wolf­gang Hu­ber fei­ert mor­gen sei­nen 75. Ge­burts­tag

Pforzheimer Kurier - - ZEITGESCHEHEN - Von un­se­rem Mit­ar­bei­ter Thomas Schil­ler

Ber­lin/Karls­ru­he. Die Wort­mel­dun­gen von Wolf­gang Hu­ber fin­den im­mer noch Ge­hör, auch wenn der ehe­ma­li­ge Ber­li­ner Bi­schof und Rats­vor­sit­zen­de der Evan­ge­li­schen Kir­che in Deutsch­land (EKD) seit 2009 nicht mehr im Amt ist. Aber wei­ter­hin hat sei­ne Mei­nung zu ethi­schen und po­li­ti­schen Fra­gen Ge­wicht, und sei­ne Bei­trä­ge zur De­bat­te sind poin­tiert und prä­zi­se. Mor­gen wird der re­nom­mier­te pro­tes­tan­ti­sche Theo­lo­ge 75 Jah­re alt. Ge­fei­ert wer­den soll im Kreis von Freun­den und Fa­mi­lie.

Wolf­gang Hu­ber ha­be „da­für ge­sorgt, dass die Kir­chen sich nicht in den Raum pri­va­ter Fröm­mig­keit ab­drän­gen las­sen“, wür­dig­te ihn einst Frank-Wal­ter St­ein­mei­er. Als St­ein­mei­er dies in ei­nem Vor­wort für ei­ne Hu­ber-Bio­gra­fie schrieb, war er noch Au­ßen­mi­nis­ter, heu­te ist er Bun­des­prä­si­dent – ein Amt, für das der Spit­zen­pro­tes­tant Hu­ber selbst mehr­fach im Ge­spräch war. Er wä­re es gern ge­wor­den, räum­te Hu­ber 2012 ein – aber Joa­chim Gauck sei ei­ne sehr gu­te Wahl, sag­te er da­mals. Für Hu­ber ste­hen Kir­che, Po­li­tik und Öf­fent­lich­keit stets in Be­zie­hung – ganz in der Tra­di­ti­on des von ihm ver­ehr­ten Dietrich Bon­hoef­fer. „Die Kir­che ist nur Kir­che, wenn sie für an­de­re da ist“, hat­te der von den Na­zis ver­folg­te und er­mor­de­te Theo­lo­ge pos­tu­liert. So treibt Hu­ber die Sor­ge um den Zu­sam­men­halt der Ge­sell­schaft be­son­ders um.

Ein stren­ges Leis­tungs­den­ken, das sei­ne Kar­rie­re präg­te, ist Hu­ber aus dem El­tern­haus mit­ge­ge­ben wor­den. Va­ter Ernst-Ru­dolf, ei­ner der füh­ren­den Ver­fas­sungs­recht­ler der NS-Zeit, ver­brach­te die Nach­kriegs­jah­re, in de­nen er we­gen sei­ner Ver­stri­ckung kei­ne Pro­fes­sur er­hielt, den­noch täg­lich am Schreib­tisch, wäh­rend sei­ne Mut­ter Tu­la, Toch­ter des Reichs­au­ßen­mi­nis­ters Wal­ter Si­mons, als Rechts­an­wäl­tin die Fa­mi­lie durch­brach­te. Als jüngs­ter von fünf Brü­dern wird Wolf­gang kein Ju­rist, son­dern Theo­lo­ge. Nach Vi­ka­ri­at und Aus­hilfs-Pfarr­stel­le geht er 1968 an die For­schungs­stät­te der Evan­ge­li­schen Stu­di­en­ge­mein­schaft, ei­ne pro­tes­tan­ti­sche Denk­fa­brik in Hei­del­berg. Ab 1980 lehrt er dann als Uni­ver­si­täts­pro­fes­sor, in Mar­burg So­zi­al­ethik und in Hei­del­berg sys­te­ma­ti­sche Theo­lo­gie. 1985 lei­tet Hu­ber als Prä­si­dent den Kir­chen­tag in Düs­sel­dorf.

Für die SPD steht er 1993 vor ei­ner Bun­des­tags­kan­di­da­tur, doch er ent­schei­det sich für das Bi­schofs­amt in Ber­lin, das er bis 2009 aus­übt. „Es war ein Glücks­fall für un­se­re Kir­che, dass Hu­ber 1994 nicht in die Po­li­tik ge­gan­gen ist“, sag­te sein Nach­fol­ger im Rats­vor­sitz, Ni­ko­laus Schnei­der. Hu­ber hat den deut­schen Pro­tes­tan­tis­mus ge­prägt wie kaum ein an­de­rer Rats­vor­sit­zen­der. Von 2003 bis 2009 hat er ei­nen ho­hen Maß­stab ge­setzt, an dem auch Amts­in­ha­ber Hein­rich Bed­ford-Strohm ge­mes­sen wird. Als größ­tes Glück be­trach­tet Hu­ber die Ehe mit sei­ner Frau Ka­ra, mit der er seit 51 Jah­ren ver­hei­ra­tet ist. Das Paar hat drei Kin­der und sechs En­kel. i Be­such in Karls­ru­he

Der ehe­ma­li­ge EKD-Rats­vor­sit­zen­de Wolf­gang Hu­ber kommt am 4. Ok­to­ber nach Karls­ru­he. Im Gar­ten­saal des Schlos­ses stellt er sich dann den Fra­gen von BNN-Re­dak­ti­ons­lei­ter Klaus Gaß­ner. Be­ginn ist um 19 Uhr.

Auch als Bun­des­prä­si­dent war er einst im Ge­spräch

IM KREIS DER FA­MI­LIE will Wolf­gang Hu­ber mor­gen fei­ern. Fo­to: dpa

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