Den Bau­schutt will kei­ner

Den Ab­riss der AKWs be­für­wor­ten vie­le – doch wo­hin mit dem Müll?

Pforzheimer Kurier - - ZEITGESCHEHEN -

Karls­ru­he. Der Bau­schutt aus dem Ab­riss der Atom­kraft­wer­ke (AKW) sorgt für er­heb­li­chen Streit im Land. Die grün-schwar­ze Re­gie­rung müs­se es ver­mei­den, die Abla­ge­rung auf Kreis­ge­biet ge­gen die Sor­gen und Ängs­te der Men­schen zu er­zwin­gen, bat der Land­rat des Neckar-Oden­wald-Krei­ses, Achim Brö­tel (CDU), schrift­lich Mi­nis­ter­prä­si­dent Win­fried Kret­sch­mann und Um­welt­mi­nis­ter Franz Un­ter­stel­ler (bei­de Grü­ne). Brö­tel ist sich si­cher: Es gibt „al­ter­na­ti­ve Ent­sor­gungs­sze­na­ri­en“für die so­ge­nann­ten frei­ge­mes­se­nen Ab­fäl­le aus dem Rück­bau der Kraft­wer­ke.

Mi­nis­ter Un­ter­stel­ler hat­te neu­lich we­nig Ver­ständ­nis ge­äu­ßert. Ei­ne Gra­nit­plat­te in der Kü­che oder ein Sack Kunst­dün­ger aus dem Bau­markt strahl­ten stär­ker als der Müll, der beim Ab­bruch der AKW nach Mes­sun­gen aus dem Atom­ge­setz fal­len und auf De­po­ni­en der Krei­se ent­sorgt wer­den müss­ten. Sar­kas­tisch füg­te er hin­zu: Der mit Gra­nit aus­ge­leg­te Markt­platz von Schwie­ber­din­gen, auf dem jüngst ge­gen die Abla­ge­rung von frei­ge­mes­se­nem Schutt aus dem AKW Neckar­west­heim de­mons­triert wur­de, strah­le mehr als die De­po­nie, um die es ge­he. Doch auch die Ab­fall­wirt­schafts­ge­sell­schaft des Neckar-Oden­wald-Krei­ses AWN stellt sich quer. Man hal­te es „der­zeit we­der für sinn­voll noch für po­li­tisch ver­ant­wort­bar“Ab­fäl­le aus dem Rück­bau des AKW Ob­rig­heim bei Bu­chen ein­zu­la­gern, leg­te der Auf­sichts­rat fest, des­sen Chef Land­rat Brö­tel ist. Die­ser wur­de be­auf­tragt, das Land auf­zu­for­dern, in ei­nen Dia­log ein­zu­tre­ten. Das Land är­ger­te sich vor al­lem über ei­ne äl­te­re Äu­ße­rung Brö­tels, die An­nah­me frei­ge­mes­se­ner Ab­fäl­le aus dem Rück­bau des AKW Ob­rig­heim ge­ne­rell zu­rück­zu­wei­sen. Nach dem Kreis­lauf­wirt­schafts­ge­setz des Bun­des sei­en die je­wei­li­gen Land­krei­se zur Ent­sor­gung ver­pflich­tet, schrieb das Mi­nis­te­ri­um. Mit der De­po­nie San­sen­he­cken ver­fü­ge der Neckar-Oden­wald-Kreis über ei­ne ge­eig­ne­te zu­ge­las­se­ne De­po­nie.

Rund 3 000 Ton­nen Be­ton­müll aus Ob­rig­heim sol­len dort ent­sorgt wer­den. Ein Zu­rück­wei­sen sei ein Ver­stoß ge­gen das Ge­setz, hieß es. Brö­tel müs­se da­für sor­gen, dass der Kreis sei­ner Pflicht nach­kom­me. Beim Streit geht es um die Ab­fäl­le, die nach Mes­sun­gen aus der strah­len­schutz­recht­li­chen Über­wa­chung ent­las­sen wer­den. Das sind laut Mi­nis­te­ri­um je­ne Rest­stof­fe aus nu­klea­rer Nut­zung, de­ren Ra­dio­ak­ti­vi­tät ge­gen­über der na­tür­li­chen Ra­dio­ak­ti­vi­tät prak­tisch kei­ne Rol­le spie­le. „Es ist in­ter­na­tio­na­ler Kon­sens un­ter Strah­len­schutz­ex­per­ten und -me­di­zi­nern, dass ei­ne Strah­len­ex­po­si­ti­on, die im Be­reich von zehn Mi­kro­sie­vert pro Jahr liegt, zu ver­nach­läs­si­gen ist“, so Un­ter­stel­ler. Je­der Mensch sei in Deutsch­land na­tür­li­cher Strah­lung von durch­schnitt­lich 2 100 Mi­ko­sie­vert im Jahr aus­ge­setzt.

„Das gel­ten­de Zehn-Mi­kro­sie­ver­tKon­zept ge­währ­leis­tet den Schutz der Bür­ger“, stärk­te der Prä­si­dent der Lan­des­ärz­te­kam­mer, Ul­rich Cle­ver, Un­ter­stel­ler den Rü­cken. Das Frei­ga­be­ver­fah­ren in Ob­rig­heim und Neckar­west­heim sei „ge­sund­heit­lich ver­ant­wort­bar“. Ro­land Böhm

Un­ter­stel­ler: „Markt­platz strahlt mehr“

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