Bei­de Sei­ten rei­ten wüs­te Atta­cken

CDU: Ge­nos­sen­filz / Mi­nis­ter­prä­si­dent Weil wehrt sich

Pforzheimer Kurier - - POLITIK - Von un­se­rem Mit­ar­bei­ter Pe­ter Mlo­doch

Han­no­ver. Ei­nen Platz als Hin­ter­bänk­le­rin er­spart die nie­der­säch­si­sche CDUFrak­ti­on ih­rem neu­en Mit­glied. Die ehe­ma­li­ge Grü­ne El­ke Twes­ten durf­te ges­tern wäh­rend der Son­der­sit­zung, in der der Land­tag sei­ne Selbst­auf­lö­sung und da­mit vor­ge­zo­ge­ne Neu­wah­len am 15. Ok­to­ber in die We­ge lei­te­te, im­mer­hin in der dritt­letz­ten Rei­he des Par­la­ments sit­zen - weit weg von den ent­täusch­ten Ex-Kol­le­gen. Tap­fer blickt Twes­ten von dort in die vie­len Ka­me­ras, ver­tei­digt er­neut ih­ren Schritt, be­klagt sich über die „vie­len An­fein­dun­gen“und wehrt sich ge­gen die „halt­lo­sen Un­ter­stel­lun­gen“, sie ha­be sich für das Plat­zen­las­sen der rot-grü­nen Ko­ali­ti­on von der Uni­on mit Kar­rie­re­zu­sa­gen „kau­fen“las­sen. Über ih­re po­li­ti­sche Zu­kunft lässt sie sich nicht viel ent­lo­cken: „Ich wer­de mei­nen Platz in der CDU fin­den.“

Ih­ren bis­he­ri­gen Schrift­füh­rer­pos­ten im 15-köp­fi­gen Par­la­ments­prä­si­di­um ist die 54-Jäh­ri­ge je­den­falls ei­ni­ge Mi­nu­ten spä­ter los. Die­se - mit kei­nem Ex­tra­sa­lär ent­lohn­te - Auf­ga­be ist laut Ge­schäfts­ord­nung des Land­tags an die je­weils auf­stel­len­de Frak­ti­on, hier al­so an die Grü­nen, ge­bun­den. We­gen der neu­en Mehr­heits­ver­hält­nis­se fällt das Amt an die CDU; die stellt da­für aber nicht wie­der Twes­ten, son­dern lie­ber ih­re lang­ge­dien­te Ab­ge­ord­ne­te Ka­rin Bert­hol­des-San­d­rock aus dem Wend­land auf. De­ren Wahl er­folgt ein­stim­mig. Da­mit je­doch ist schon die viel be­schwo­re­ne Ei­nig­keit im Ho­hen Haus vor­bei. Den An­trag auf Auf­lö­sung des Land­tags tra­gen al­le vier Frak­tio­nen na­tür­lich mit, auch die am 21. Au­gust für den end­gül­ti­gen Be­schluss er­for­der­li­che Zwei­drit­tel-Mehr­heit ist si­cher. Ent­ge­gen al­len Ap­pel­len für mehr Sach­lich­keit schal­ten aber die Noch-Re­gen­ten von Rot-Grün und die bis­he­ri­ge schwarz-gel­be Op­po­si­ti­on so­fort in ei­nen un­ge­zü­gel­ten Wahl­kampf­mo­dus und über­zie­hen sich ge­gen­sei­tig mit wüs­ten Atta­cken. CDU und FDP wer­fen der Re­gie­rung von Mi­nis­ter­prä­si­dent Ste­phan Weil (SPD) mas­sen­haf­te St­un­den­aus­fäl­le an den Schu­len, Cha­os bei der In­klu­si­on, Ge­fähr­dung der in­ne­ren Si­cher­heit, „Äm­ter­pa­tro­na­ge und Ge­nos­sen­filz“so­wie zahl­rei­che Af­fä­ren wie zu­letzt feh­ler­haf­te Auf­trags­ver­ga­ben für den neu­en Wer­be­slo­gan „Nie­der­sach­sen. Klar.“vor.

„Die­se rot-grü­ne Lan­des­re­gie­rung war lan­ge vor dem schwar­zen Frei­tag ins

Über­läu­fe­rin Twes­ten be­klagt An­fein­dun­gen

Strau­cheln ge­ra­ten“, gif­tet CDU-Frak­ti­ons­chef Björn Thüm­ler. Am ver­gan­ge­nen Frei­tag hat­ten Twes­ten in sei­nem Bei­sein ih­ren Wech­sel ver­kün­det. Ins glei­che Horn stößt FDP-Frak­ti­ons­vi­ze Ste­fan Birk­ner. „Sie sind an sich selbst ge­schei­tert und nicht an Frau Twes­ten“, ruft der Par­tei­vor­sit­zen­de dem Mi­nis­ter­prä­si­den­ten ent­ge­gen. „Es wird Ih­nen nicht ge­lin­gen, sich als be­mit­lei­dens­wer­tes Op­fer zu prä­sen­tie­ren.“Weil kon­tert mit lan­gen Aus­füh­run­gen über Wäh­ler­wil­len und frei­es Man­dat, warnt vor ei­nem Scha­den für die De­mo­kra­tie. Ein Über­tritt mö­ge zwar le­gal sein, le­gi­tim sei er da­mit noch lan­ge nicht. Ein du­bio­ser Wech­sel aus per­sön­li­chen Mo­ti­ven dür­fe kei­nes­wegs die Mehr­hei­ten be­stim­men. „Nur die Wäh­ler ha­ben das Sa­gen.“2013 hät­ten die­se sich für Rot-Grün ent­schie­den; dies müs­se dann auch bis zu ei­ner an­de­ren Ent­schei­dung der Wäh­ler gel­ten.

Der Mi­nis­ter­prä­si­dent nutzt sei­ne Re­de auch zur Ge­gen­of­fen­si­ve in Sa­chen VW. Kei­nes­wegs ha­be der Au­to­kon­zern, an dem das Land Nie­der­sach­sen 20 Pro­zent hält, sei­ne Re­gie­rungs­er­klä­rung im Herbst 2015 „weich­ge­spült“. In der „dra­ma­ti­schen Si­tua­ti­on“we­gen der Die­sel­Kri­se sei­en ju­ris­ti­sche Ab­stim­mun­gen ge­bo­ten ge­we­sen, um Scha­den vom Land ab­zu­wen­den.

IM RAM­PEN­LICHT: Die ehe­ma­li­ge Grü­ne El­ke Twes­ten blick­te ges­tern tap­fer in die Ka­me­ras. Sie sah sich schwe­ren Vor­wür­fen aus­ge­setzt. Fo­to: dpa

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