Prä­ven­tiv­schlag birgt gro­ße Ri­si­ken

Wa­shing­ton kann Nord­ko­rea schwer tref­fen, aber Pjöng­jangs Re­ak­ti­on hät­te un­kal­ku­lier­ba­re Fol­gen

Pforzheimer Kurier - - POLITIK -

Wa­shing­ton. Im Kon­flikt mit Nord­ko­rea hat US-Prä­si­dent Do­nald Trump den Macht­ha­bern in Pjöng­jang mit „Feu­er, Wut und Macht“und da­mit mit ei­nem Mi­li­tär­ein­satz ge­droht. Auch die USA­tom­waf­fen brach­te er ins Spiel. Je­des mi­li­tä­ri­sche Ein­grei­fen der USA könn­te je­doch ei­nen Ge­gen­schlag Nord­ko­reas zur Fol­ge ha­ben. Im fol­gen­den wird in der Fra­ge-Ant­wort-Form er­ör­tert, wel­che Op­tio­nen das Wei­ße Haus hat.

Der prä­ven­ti­ve Erst­schlag?

Die Trump-Re­gie­rung könn­te sich im Ein­ver­neh­men mit ih­ren Ver­bün­de­ten zu ei­nem prä­ven­ti­ven Erst­schlag ge­gen Nord­ko­rea und sei­ne mi­li­tä­ri­schen Ein­rich­tun­gen ent­schlie­ßen. Selbst ein be­grenz­ter Mi­li­tär­an­griff könn­te je­doch ei­nen un­ver­hält­nis­mä­ßi­gen Ge­gen­schlag Pjöng­jangs zur Fol­ge ha­ben. Nach US-Ge­heim­dienst­in­for­ma­tio­nen soll es Nord­ko­rea ge­lun­gen sein, ei­nen ato­ma­ren Spreng­kopf für sei­ne In­ter­kon­ti­nen­tal­ra­ke­ten zu bau­en.

Wo liegt das größ­te Ri­si­ko?

Die Achil­les­fer­se für die Geg­ner Pjöng­jangs ist die Geo­gra­fie. Süd­ko­reas Haupt­stadt Seo­ul mit ih­ren zehn Mil­lio­nen Ein­woh­nern ist nur 55 Ki­lo­me­ter von der in­ner­ko­rea­ni­schen Gren­ze ent­fernt. Seo­ul be­fin­det sich al­so in Reich­wei­te von Ar­til­le­rie und Ra­ke­ten Nord­ko­reas – mit mög­li­cher­wei­se ver­hee­ren­den Fol­gen für die Zi­vil­be­völ­ke­rung. Au­ßer­dem könn­ten in ei­nen mi­li­tä­ri­schen Kon­flikt mit Nord­ko­rea rasch auch an­de­re Staa­ten der Re­gi­on hin­ein­ge­zo­gen wer­den – et­wa Chi­na als Ver­bün­de­ter Pjöng­jangs. Wel­che US-Waf­fen könn­ten zum Ein­satz kom­men?

Die USA ver­fü­gen über die mi­li­tä­ri­schen Mit­tel, Nord­ko­reas ato­ma­re Pro­duk­ti­ons­stät­ten und Waf­fen­ar­se­na­le zu ver­nich­ten. Sie ha­ben bun­ker­bre­chen­de Bom­ben, die selbst dicks­te un­ter­ir­di­sche Be­ton­schich­ten durch­schla­gen. So kam die Gui­ded Bomb Unit-28 (GBU-28) ge­nann­te lasergesteuerte US-Lenkwaffe be­reits 1991 im Krieg ge­gen den Irak und spä­ter in Af­gha­nis­tan zum Ein­satz. Mit ih­rer Spreng­stoff­la­dung von mehr als 300 Ki­lo­gramm kann sie et­wa 30 Me­ter tief un­ter die Erd­ober­flä­che ein­drin­gen oder sechs Me­ter ar­mier­ten Be­ton durch­schla­gen. Be­reits vor Jah­ren schick­ten die USA hoch­mo­der­ne Kampf­jets nach Süd­ko­rea, dar­un­ter atom­waf­fen­fä­hi­ge Tarn­kap­pen­bom­ber und B-52-Bom­ber. Die US-Luft­waf­fe ist die ein­zi­ge welt­weit, die über die B-2-Tarn­kap­pen­bom­ber ver­fügt. Sie sind per Ra­dar nur schwer aus­zu­ma­chen und könn­ten von dem US-Mi­li­tär­stütz­punkt auf der Pa­zi­fik­in­sel Guam aus star­ten, de­ren Ent­fer­nung zu Pjöng­jang rund 3 000 Ki­lo­me­ter be­trägt. Die 52 Me­ter lan­gen Ma­schi­nen kön­nen mit Atom­waf­fen oder kon­ven­tio­nel­len Waf­fen wie den Marsch­flug­kör­pern (“Crui­se mis­si­les“) vom Typ To­ma­hawk be­stückt wer­den.

Be­dro­hung für US-Stütz­punkt auf Guam?

Guam ist mit dem US-Ra­ke­ten­ab­wehr­sys­tem Thaad aus­ge­stat­tet, des­sen Auf­bau Süd­ko­rea in sei­nem Land der­zeit ge­stoppt hat. Et­wa 6 000 US-Sol­da­ten sind auf Guam auf ei­ner Luft­waf­fen- und ei­ner Ma­ri­ne­ba­sis sta­tio­niert. Pjöng­jang kann den US-Stütz­punkt nach ei­ge­nen An­ga­ben mit sei­nen Ra­ke­ten er­rei­chen.

DIE LASERGESTEUERTE US-LENKWAFFE vom Typ GBU-28 hat ei­ne ver­hee­ren­de Wir­kung. Sie durch­schlägt selbst dicks­te un­ter­ir­di­sche Be­ton­schich­ten. Fo­to: dpa

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